Mobilität für Behinderte – Utopie oder Wirklichkeit?

Viele Straßenbahn-Haltestellen sind nicht "ULF"-gerecht umgebaut

Niederflurstraßenbahn ULF
BIZEPS

Seit Dezember 1996 könnten sich behinderte und alte Menschen sowie Frauen und Männer mit Kinderwägen, Gepäck und Verletzungen theoretisch über vermehrte Benützung von Öffis freuen, denn seit diesem Zeitpunkt sind ULFs (Niederflurstraßenbahnen) zumindest vereinzelt im Einsatz.

Was ermöglichen diese neuen Straßenbahnen?
Bei umgebauten Haltestellencups, d.h. entsprechender Erhöhung der Fahrbahn oder Verbreiterung der Gehsteige, können RollstuhlfahrerInnen oder Menschen mit einem Kinderwagen bei der ersten Tür der Straßenbahn über eine extra elektronisch ausgefahrene Rampe (mit InteressensvertreterInnen, wie BIZEPS „Zentrum für Selbstbestimmtes Leben“ entwickelt) den ULF ohne fremde Hilfe benützen. Des weiteren ermöglicht diese moderne Bauweise auch Menschen mit einer Gehbehinderung eine nahezu ebenerdiges Einsteigen. All diese Möglichkeiten geben Menschen mit einer Mobilitätsbehinderung, egal welcher Art, ein Stück Selbstbestimmung, die eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Wie schaut jedoch die Wirklichkeit aus?
Es gibt bereits einige Linien, die teilweise mit ULFs geführt werden (6, 31, 46, 65, 67, J), jedoch sind bei diesen Linien weder alle Haltestellen entsprechend umgebaut, noch ist von vornherein bekannt, wann ein ULF kommt.

Beispiel 1:
Frau Erika, eine Rollstuhlfahrerin möchte um 8 Uhr vom Reumannplatz mit der Linie 67 zur Per-Albin-Hansson Siedlung Ost fahren, wo sie verabredet ist. Das Wetter ist kalt und unfreundlich. Nach einer dreiviertel Stunde gibt sie entnervt auf und fährt wieder nach Hause. Eine Auskunft bei den Wiener Linien ergibt, dass um diese Zeit nur zwei Niederflurstraßenbahnen bei einer gesamten Fahrzeit von ca. 30 Minuten pro Strecke im Einsatz sind, die aber nie bei ihr aufgetaucht sind.

Beispiel 2:
Herr Karl (63), ein Rollstuhlfahrer möchte mit der Linie 65 vom Karlsplatz zur Mayerhofgasse zu einem neuen, ihm unbekannten Arzt fahren. Als die Haltestelle Mayerhofgasse kommt, erlebt er sein blaues Wunder:
Diese Haltestelle wurde noch nicht umgebaut, daher kann die Rampe nicht ausgefahren werden. Nachdem ihm auch niemand beim Aussteigen half, musste er zwei Stationen weiterfahren. Dann erst konnte die Rampe ausgefahren werden. Herr Karl hat keinen elektrischen Rollstuhl und musste daher den ganzen Weg aus eigener Kraft zurück zur Station Mayerhofgasse fahren!

Grüne Forderungen:

  1. Forcierung des Ausbaus von Haltestellencaps!
  2. Festlegung eines verlässlichen Termins durch die Stadt Wien, an dem ULF bestückte Straßenbahnlinien durchgehend für behinderte Menschen benutzbar sind!
  3. Flächendeckender Einsatz von Niederflur-Straßenbahnen!
  4. Zur Überbrückung: Angabe der Zeiten, wann ein ULF eingesetzt wird; diese Zeiten müssen strikt eingehalten werden!
  5. Zur Überbrückung: Kennzeichnung der Stationen, wo ein Ein- bzw. Aussteigen für RollstuhlfahrerInnen möglich ist!
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