Nachholbedarf der ÖBB bei Informationen zu barrierefreien Nachtzügen

Aufgrund vermehrter Beschwerden zu Nachtzügen, hat BIZEPS einige Fragen an die Konzernkommunikation der ÖBB gesandt. Die Antworten sowie eine Einordnung für den Alltag behinderter Menschen lesen Sie in diesem persönlichen Kommentar.

Ein blau-roter Zug mit der weißen Aufschrift nightjet steht in einem Bahnhof, im Hintergrund das Hochhaus der ÖBB Zentrale.
ÖBB/Siemens

Wir haben folgende Fragen an die ÖBB gestellt:

  1. Auf welchen Strecken sind barrierefreie Nightjets/Nachtzüge im Einsatz?
  2. Ist die Information für Kund:innen ersichtlich, auf welchen Strecken barrierefreie Nightjets im Einsatz sind?
  3. Wie viele Nightjets/Nachtzug-Garnituren gibt es insgesamt?
  4. Wie viele davon sind für Rollstuhlfahrer:innen barrierefrei nutzbar?
  5. Wie viele der barrierefrei nutzbaren Garnituren sind derzeit tatsächlich im Einsatz und nicht aufgrund von technischen Gründen außer Betrieb?

Trotz zweimaligem Nachfragens blieben die Antworten vage, verwirrend und zum Teil vermutlich absichtlich nicht beantwortet.

Auf welchen Strecken fahren barrierefreie Nachtzüge?

Wir wollten wissen, auf welchen Strecken barrierefreie Nachtzüge eingesetzt werden, da es zwar auf der Seite www.nightjet.com eine Übersichtskarte aller Nachtverbindungen (PDF) gibt, Informationen zu barrierefreien Zügen finden sich hier allerdings nicht.

Unsere bisherige Recherche ergab, dass in den „Häufig gestellten Fragen“ darauf hingewiesen wird, dass auf vielen Verbindungen „rollstuhlgängige Liegeabteile“ eingesetzt werden. Auf der verlinkten Seite „Nightjet Komfortkategorien“ ist das Abteil aus unserer Sicht eher schwer auffindbar. Es muss in der 360 Grad Ansicht selbst gesucht werden.

Bei der Beschreibung der Komfortkategorien im Text findet sich keine Erwähnung barrierefreier Abteile. Erst wenn man im Menü auf „Komfortkategorien“->“Spezialabteile“-> „Barrierefreies Abteil“ klickt, steht, dass es ein Abteil „barrierefrei“ und ein Abteil „barrierefrei comfort“ gibt. Es sind allerdings keinerlei Informationen zu finden, auf welchen Strecken diese eingesetzt werden.

Was sich allerdings findet, ist der Text: „Bitte buchen Sie dieses Sonderabteil und die Ein-/Ausstiegshilfe bis zu 36 Stunden vor Abfahrt beim ÖBB Kundenservice.“ Hallo? Warum bitte soll 36 Stunden vorgebucht werden?

Auf unsere Frage bekamen wir als Antwort:

… die Linien Wien – Hamburg, Innsbruck – Hamburg und Wien – Bregenz sind bereits auf die neuen Züge umgestellt. Im Herbst folgen Wien – Rom und München – Rom.

Damit sind dann 5 der 21 Linien mit dem Niederflur Nachtzug ausgesattet. Diese sind immer auf diesen Strecken im Einsatz.

Der neue Zug ist immer dann im Einsatz, wenn bei allen Kategorien „comfort“ steht. Die ist damit klar ersichtlich.

Neben den erwähnten Niederflur Nightjets der neuen Generation gibt es auch die Komfort-Liegewagen (LUNA). Diese sind zB von Wien nach Zürich, Zürich nach Hamburg, Graz nach Zürich und Zürich nach Berlin. Diese sind auch mit „comfort“ gekennzeichnet.

Konventionelle RIC-Liegewagen mit PRM-Abteil werden auf den verbleibenden Linien von Österreich und Deutschland nach Frankreich und Belgien genutzt.

Jetzt könnte angenommen werden, es ist alles klar, oder doch nicht? Wir haben es getestet. Wird die Verbindung über www.nightjet.com gesucht, steht beim Komfort-Liegewagen nicht „comfort“ dabei.

Wir haben außerdem ausprobiert, Zugverbindungen von Wien nach Amsterdam für eine Person im Rollstuhl zu finden. Die Fahrplansuche auf www.oebb.at zeigt Rollstuhlplätze für Nachtzüge inklusive rollstuhlgerechten Toiletten an, die weder der Ticketshop noch www.nightjet.com zeigen.

Getestet an der Strecke Wien-Amsterdam. Kennen Sie sich noch aus? Wir nicht mehr. Wie sich da eine reisende Person im Rollstuhl, ohne stundenlanger Recherche und Nachfragen bei der Konzernkommunikation der ÖBB noch auskennen soll, entzieht sich unserer Vorstellungskraft.

Zumal vermutlich die meisten Personen ihre Buchungen über www.oebb.at tätigen und nicht über www.nightjet.com

Wie ist die Information über barrierefreie Nachtzüge für Kund:innen ersichtlich?

Auf Nachfrage erhielten wir dazu leider nur eine vage Antwort: „Der neue Zug ist immer dann im Einsatz, wenn hinter der Kategorie der Plätze „comfort“ steht. Bei der Buchung über nightjet.com sieht man es auch an den Fotos bei der Buchung.“

Es ist also nur bei der Suche nach einer exakten Fahrt auf www.nightjet.com ersichtlich, ob neue Züge im Einsatz sind. Eine Übersicht der barrierefreien Routen scheint es nicht zu geben. Erklärt wird das für durchschnittlich informierte Reisende auch nicht. Da es aber auch ältere, barrierefreie Nachtzüge gibt, ist diese Information nur teilweise hilfreich.

Wie viele Nachtzüge gibt es insgesamt?

Hier erhielten wir als Antwort: „Die ÖBB bieten insgesamt 21 Nightjet Linien an“ und „Insgesamt sind 33 neue Garnituren bestellt und weden in den nächsten Jahren ausgeliefert.“

Unsere Frage wurde daher, trotz mehrmaligem Nachfragen, nur teilweise beantwortet. Wie viele Nachtzüge es gibt wollten uns die ÖBB nicht beantworten. 

Wie viele davon sind für Rollstuhlfahrer:innen nutzbar?

Auch diese Frage blieb, außer dem Hinweis auf die derzeit 7 rollstuhlgerechten Verbindungen, unbeantwortet.

Wie viele barrierefreie Garnituren sind, abzüglich derer in Wartung, tatsächlich im Einsatz?

Diese Frage wurde seitens der ÖBB nicht beantwortet.

Fazit

Es werden zwar seit Jahren nur noch rollstuhlgerechte Züge gekauft, für Reisende, die auf barrierefreie Züge angewiesen sind, ist es allerdings nicht möglich, auf einfacher Art und Weise zu erfahren, auf welchen Strecken sie mitfahren können und auf welchen nicht. Außerdem ist es nicht möglich zu erkennen, ob Rollstuhlplätze nur ausgebucht sind, oder diese auf der gesuchten Strecke gar nicht existieren.

Einerseits werden auch bei nicht barrierefreien Zügen teilweise Rollstuhlplätze angezeigt, andererseits gibt es keine Information, dass zwar ein rollstuhlgerechtes Abteil vorhanden ist, dieses aber zur Zeit ausgebucht ist.

All das macht die Reise im Nachtzug für Personen mit Rollstuhl zum Spießrutenlauf und extrem unattraktiv. Derart ausweichende Antworten einer Pressestelle auf ganz neutrale Fragen haben wir auch noch nicht erlebt. Entweder weiß die Pressestelle gar nicht, wie viele Züge fahren, oder sie denken, das sei ein großes Betriebsgeheimnis, das sie schützen muss.

Die Buchungsprozesse der ÖBB erinnern uns an die frühen 1990er Jahre, da helfen auch moderne Züge nur wenig, das zu kaschieren.

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4 Kommentare

  • was soll diese unangemessene beleidigende antwort, wer immer sich hinter baumfrisch versteckt? es ist leider die traurige tatsache, dass die ÖBB nicht willens sind und nicht in der lage kundenfreundlich zu agieren. bitte erbrechen sie sich woanders.

    • …das sage ich auch zum Kommentar des Hrn. oder der Fr. Baumfrisch. Es verlangt ja niemand, dass eine Umrüstung des Wagenmaterials von heute auf morgen geht, aber die Züge die da sind um im Einsatz, um die soll wenigstens kein Geheimnis gemacht werden. Kund*innenorientiert sieht anders aus.

  • Dua da ned selber leid!!!
    Irgendwann muss auch der Letzte kapieren dass sich die Barrierefreiheit nicht von Montag auf Dienstag erreichen lässt.
    Im übrigen unternehmen die ÖBB so gut wie alles, mobilitätseingeschränkten und/ oder geistig eigrschränkten Menschen in jeglicher Form zu helfen!
    De Sudarei kotzt mi on.

    • Ich fürchte, da hat jemand den Artikel nicht verstanden. Webseiten und Buchungsprozesse kund:innenfreundlich zu gestalten ist keine Magie.