Neue Meldungen über Gewalt und Miss-Stände in Behinderteneinrichtungen

Die Berichte über mögliche Misshandlungen oder Missstände in Behinderteneinrichtungen reißen nicht ab.

Ortschild mit Aufdruck Wien
BilderBox.com

Am 13. April 2010 berichtet „Die Presse“ von einem Autisten, der „jahrelang Opfer von Übergriffen geworden“ sei.

Dies ist mittlerweile ein Fall für die Stafverfolgungsbehörden: Die Presse berichtet von mehreren gebrochenen Knochen, zahlreichen Hämatomen, etwa einem faustgroßen Bluterguss auf der Brust sowie einer früheren lebensgefährlichen Nierenblutung. Auch der Verdacht des sexuellen Missbrauchs steht im Raum.

Der Fonds Soziales Wien (FSW) ist für die Subvention jener Einrichtungen zuständig, in denen der heute 46 jährige Mann lebt und arbeitet. Während eine Untersuchung des FSW ergeben hat, „dass Herrn S. die Verletzungen in einer der beiden Einrichtungen nicht absichtlich zugefügt wurden“, findet das die Österreichischen Autistenhilfe „skandalös“: Generalsekretärin Ruth Renée Kurz glaubt, dass sich so „nichts ändern und damit wohl weiterhin geschlagen werde“.

Sie wirft der Stadt Wien außerdem Mängel bezüglich der Betreuungsmöglichkeiten vor, die eigentlich auf die sehr speziellen Bedürfnisse von Autisten eingehen sollten.“Diesbezüglich sind wir ein Entwicklungsland“, wird sie von der Presse zitiert.

Warum aber untersucht der FSW nur eine allfällige vorsätzliche Verletzung durch die Einrichtungen, nicht jedoch eine allfällige Vernachlässigung ihrer Aufsichtspflicht?

Es ist nicht der erste mysteriöse Fall dieser Wohngemeinschaft im 10. Wiener Gemeindebezirk. Schon am Heiligen Abend 2003 starb dort ein 33-jähriger Bewohner, der damals über 170 Kilo gewogen hatte, an einer an sich harmlosen Grippe. Bei der Obduktion wurde festgestellt, dass er auch Hepatitis hatte.

Freak-Radio hat bereits 2004 recherchiert und durch Berichte der Nachbarn und angrenzenden Geschäfte festgestellt, dass der Bewohner immer unbegleitet unterwegs – und im Winter manchmal nur mit einem T-Shirt bekleidet war.

So hatte er sich auch ständig etwas zu essen organisiert – was das Übergewicht erklärt. Einmal wurde er sogar dabei beobachtet, dass er Rindenmulch in einer nahen Hundezone mit Hundekot gegessen hat – was die Hepatitis erklären würde. Damals ist man nach diesem mysteriösen Todesfall schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen.

Heute aber werfen die zahlreichen Missstände, wie sie jetzt überall hervorbrechen, die Frage auf, ob die Institutionen Missstände und Gewalt verhindern können oder nicht – oder ob es vielleicht sogar strukturelle Gewalt oder strukturelle Vernachlässigung gibt – und wie diese vermieden werden kann.

Dabei geht es vor allem um den individuellen Schutz der lebenswichtigen Bedürfnisse aber auch einer Lebensqualität, wie sie nicht nur eine Frage von Gleichstellungsgesetzen, sondern der Menschenrechte ist.

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0 Kommentare

  • @Christiane und Rudolf Steindl: „Was A. Kous betrifft, war er nicht zum Besuch einer Werkstätte zu bringen. … D.h.eine noch so große Anzahl von Meinungen ist nicht zielführend, sondern es muss professionell recherchiert …werden“

    Aber Herr Kous hat doch eine Werkstätte besucht!!! Die vielen Stellungnahmen der Kolleginnen und Kollegen habe ich ja selbst im Freak-Radio-Beitrag gehört und gelesen! Warum schreiben Sie dann, er sei nicht zum Besuch einer Werkstätte zu bringen gewesen? Und ich halte auch nichts davon sich pauschal einen Schuldigen zu suchen, wo offenbar sehr viele Faktoren zu berücksichtigen wären…

  • Ergänzung zur Stellungnahme von den Eltern: Wir möchten zur Rehabilitation der WG noch nachträglich darauf hinweisen, dass der Verletzte die Frage, ob die Verletzung in der WG passiert ist, jedesmal ganz eindeutig verneint hat!
    Was A. Kous betrifft, war er nicht zum Besuch einer Werkstätte zu bringen. Da die Stadt Wien eine Vormittagsbetreuung nicht bezahlt und daher die WG ihn vormittags gar nicht beaufsichtigen konnte, hätte die WG seine Betreuung überhaupt ablehnen müssen, d.h.aber, A.Kous hätte seinen WG-Platz überhaupt verloren. Man kann also in erster Linie nicht die WG, sondern muss die Stadt Wien dafür verantwortlich machen!D.h.eine noch so große Anzahl von Meinungen ist nicht zielführend, sondern es muss professionell recherchiert und der wahre Schuldige zur Verantwortung gezogen werden.
    Wir selbst wollten seit Jahren die Schaffung einer eigenen Einrichtung für Autisten in Wien erreichen,da ganz besonders Autisten viel mehr Schutz gegenüber aggressiven Klienten benötigen, da sie sich selbst nicht wehren.Im Auftrag der Volksanwaltschaft wurde ein Gutachten durch Univ.Prof.Dr.Dr. Christian Klicpera erstellt.Die Schaffung einer autismusspezifischen Einrichtung wurde jedoch 2003 von der zuständigen Stadträtin als nicht notwendig abgelehnt. Als Begründung haben wir immer wieder zu hören bekommen, dass man ohnehin alle Behinderungen in ein und derselben Einrichtung betreuen könne. In Wahrheit geht es hier nur darum, Geld für eine solche Einrichtung zu sparen, denn sonst wären ja alle Bundesländer in Österreich und alle Länder um Österreich herum dumm, die eine solche Einrichtung für nötig hielten und geschaffen haben.Ausserdem liegt die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung ja klar auf der Hand, da, wie man am Fall unseres Sohnes sieht, gerade ein Autist ( durch mehrere Klienten) in einer nicht autistenspezifischen Einrichtung (in unserem Fall , wie wir glauben, in einer Werkstätte) immer wieder verletzt wird.

  • „Die von der WG angestrebte Gewichtsreduktion ist am Widerstand von A. Kous leider gescheitert“…weil sie offensichtlich mit falschen Mitteln betrieben worden war und nicht verhindert hat, dass sich Alfred Kous sein Essen bei seinen unbeaufsichtigten Wegen selbst organisiert hat. Wäre dies nicht nachträglich von außen recherchiert worden, die Heimleitung hat dies von sich aus nie angesprochen, vielleicht nicht einmal gewusst…
    Dies hätte man anders regeln müssen. Denn sonst führt dies zum Schluss: „Die von der WG angestrebte Gewichtsreduktion ist am Widerstand von A. Kous leider gescheitert“ Deshalb ist er halt tot. Pech gehabt.
    Nein. Die WG – dafür spricht vieles – hat offenbar ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt – unter dem falschen Vorwand der Selbstbestimmung. Diese kann keine Ausrede sein für vernachlässigte Verantwortung für andere, die diese Verantwortung brauchen.
    Und es ist schon ein seltsamer Zufall, wenn in einer Autisten-WG einmal ein Mann unter den geschilderten Umständen stirbt und ein anderer verletzt wird, und das erst „zufällig“ im Krankenhaus herauskommt. Und da glauben hier wirklich noch welche, die WG habe durchaus korrekt gehandelt? Hier hätte längst durchgegriffen werden müssen. Damit es nicht irgendwann einmal wieder heißt:
    „Die von der WG angestrebte Unversehrtheit ist am Widerstand des Betroffenen leider gescheitert“

  • Als Eltern von Johannes möchten wir folgende Stellungnahme abgeben: Johannes hat bei unseren Befragungen, ob er in der WG oder in der Werkstätte verletzt wurde,letzteres immer sehr überzeugend bejaht und auch den Klienten angegeben, der ihn verletzt hat. Von diesem wurde er schon vor 1 Jahr stark verletzt .Wir sind daher überzeugt, dass es in der Werkstätte passiert ist.Was Alfred Kous betrifft, so ist dieser an Herzversagen infolge seiner starken Adipositas gestorben, da diese durch Fettansammlung zwischen den Herzmuskelzellen die Herzarbeit stark behindert und der Herzmuskel bei hohem Fieber die Mehrarbeit nicht mehr leisten kann und akut versagt.
    Die von der WG angestrebte Gewichtsreduktion ist am Widerstand von A. Kous leider gescheitert, sodaß man der WG die Schuld nicht in die Schuhe schieben kann. Auch wir wollen unbedingt eine Aufklärung der Verletzungen, aber mit solchen Anschuldigen wie den beiden obigen muss man daher sehr vorsichtig sein. Christiane und Rudolf Steindl

  • Ich bin immer wieder betroffen ob der strukturellen Gewalt die Menschen mit Behinderung erfahren und von der auch in diesem Bereich als Familie oder in diesem Beruf Tätige betroffen sind. Es entstand nach einem Vortrag von „Behinderten“anwalt Buchinger durch einen leitenden Mitarbeiter aus dem Bereich der Begleitung v. M. m. Beh. die Idee einen Arbeitskreis zur strukturellen Gewalt im Wohnbereich in der Begleitung von M. m. Beh. zu gründen und sich die Situation jetzt konkret anzuschauen: Ich bin über diese Idee sehr froh gewesen und hoffe dass ein solcher AK wirklich entstehen kann, um Fakten dann in weiterer Folge mit FördergeberInnen u. PolitikerInnen wirklich so praxisnahe wie möglich bearbeiten zu können und mit hoffentlich brauchbaren Konsequenzen.

  • Ich glaube auch, dass der Hauptgrund, warum solche schlimmen Dinge passieren, das liebe Geld ist. Weil wenn aufgrund von Überforderung und Ausbeutung von Pflegepersonal teils UNZUMUTBARE Arbeit geleistet wird(nämlich z.B. in Altersheimen eine einzige Schwester für 20-30 Klienten in der NAcht alleine zuständig ist) ist sehr wohl ersichtlich, dass die Pflegedienste nichts wert sind seitens der Heimbetreiber und unseres Sozialstaates. Wenn dann auch am Tag mal 1 Pfleger oder eine Krankenschwester ausfallen, weil sie vielleicht krank geworden sind, dann ist es gar nicht anders möglich, als manche Klienten zeitweise unbeaufsichtigt zu lassen, denn man nicht überall gleichzeitig sein. Sind dann GEFÄHRLICHE mobile Klienten sich selbst überlassen,(gefährlich meine ich mit sich selbst gefährdende, da sie es nicht einschätzen können, in welche Gefahren sie sich begeben) kommt es leicht zu Stürzen, Verletzungen, …
    Auch im Alltag zu Hause hat man als Mutter einen Haushalt,einen Ehemann, oft auch Geschwisterkinder zu versorgen, aber ob und wie das zu schaffen ist interessiert herzlich wenige.Nur ja Sparen seitens unserer OBRIGEN z.B. beim Eistufungsvorgehen beim Pflegegeld ist angesagt, dass nur ja nicht zuviel Geld verschwendet wird. Damit sich die Sachverständigen nur ja nicht zuviel BILD vom Alltag machen können und auch VERDRÄNGUNG betreiben müssen, begutachten sie halt nur eine Viertel- halbe Stunde, um zu beurteilen,dass der Pflegeaufwand niedrig eingestuft wird. (Wenn die Eltern die Kraft haben, können sie eh sich mit den Behörden hinterher einen jahrelangen Pflegegeldkampf leisten, dann die meisten ja eh aus -Erschöpfung aufgeben, weil sie nicht gehört werden. Auch so wird eine Menge Geld gespart, nur wieder mal am falscheen Ende.

  • Die Reaktionen auf diesen Artikel zeigen, wie sehr alle Beteiligten an den Strukturen leiden. Wer es nicht selbst miterlebt hat, kann wahrscheinlich nur schwer nachvollziehen, wie groß die Beanspruchend an die Kontaktpersonen sind. Ich glaube aber, dass die Frage berechtigt sein muss, dass wir Strukturen brauchen, die verhindern, dass Menschen mit Behinderungen krank werden oder gar sterben. Sie müssen aber ebenso verhindern, dass Betreuer krank werden und gesundheitlichen Schaden davontragen. Und auch dadurch werden die Strukturen gewalttätig. Es gibt zu wenig Geld, also nehmen wir das halt in Kauf, was passiert. Dass es vertuscht wird, ist dann nur logisch. Es muss ja nach außen hin auch mit wenig Geld funktionieren.

    Und auch Kontaktpersonen in Familien brauchen Unterstützung, damit sie nicht ausbrennen und einigermaßen Lebensqualität haben können. Aber auch hier, habe ich den Eindruck, wird lieber gespart und dadurch gesundheitlicher Schaden in Kauf genommen…

  • In so einem Fall helfen voreilige Schuldzuweisungen gar nicht. Es muss genau hingesehen werden, wo der Fehler in genau diesem speziellen Fall lag, pauschal alle Einrichtungen und Betreuer zu verurteilen ist dumm und bringt niemand weiter. Hier geht es um das Problem größtmögliche Freiheits- und Selbstbestimmungsrechte von Menschen mit Behinderungen zu gewährleisten und gleichzeitig Selbstgefährdung zu verhindern. Jedem hier so „gscheiten“ Poster wünsche ich einmal, dass er/sie in diese Situation kommt, damit er merkt wie schwierig das ist.

  • Eine junge Frau mit Autismus hat ua. folgende Videos gedreht (weitere bei YouTube). Sie spricht nicht bzw.kann sich aber einer Kunstsprache bedienen. Manche Menschen können offensichtlich nicht herkömmlich sprechen, lernen aber, sich schriftlich – und dann eben über eine „Kunstsprache“ verbal verständigen.

    In my language/In meiner Sprache: http://www.youtube.com/user/silentmiaow#p/u/10/JnylM1hI2jc

    Beeing an unperson/Eine Un/Nichtperson sein http://www.youtube.com/user/silentmiaow#p/u/17/4c5_3wqZ3Lk

  • Strukturelle Gewalt gibts, solange du der Struktur „Heim, WG,..“ ausgesetzt bist. Auch die TäterInnen sind Opfer dieser Struktur. Siehe Erving Goffman, Asyle. Bessere Lösung: Frühförderung und möglichst selbständiges, privates Wohnen.

  • Soll ich ALLEN, die noch nie mit einem nonverbalen Autisten zu tun gehabt haben, erklären, wie der Alltag aussieht? Nämlich so, dass man ab dem Augenblick, wo dieser Mensch in der Früh die Augen aufmacht, bis zum Zeitpunkt wo er wieder schlafen geht.(Besser gesagt, wo er schlafen gelegt wurde, und abgewartet bis er eingeschlafen ist, weil Tatsache ist, dass man solche Autisten nicht mal munter ins Bett legen kann und wie bei gesunden Kindern aus dem Zimmer gehen kann und ab und zu nachsehen, ob er schon schläft) durchschnittlich 14 Stunden tägl. -OHNE PAUSE- auch nicht in Ruhe essen und aufs Klo gehen,…… zu arbeiten HAT! Ist man dann aber NUR die Mutter, dann heissts schon mal (sollte man sich einmal nach zahlreichen Depressionen erlauben, sich mehr Hilfe im Alltag zu erkämpfen) „Wenn Sie es nicht schaffen, es gibt ja eh Einrichtungen,….“
    Mein Standpunkt ist immer noch :Wenn Pflege DAHEIM nicht mehr wert ist, sind viele pflegende Angehörige dazu gezwungen, ihre Schützlinge irgendwann ins Heim zu stecken, und wegzuschauen, will man selber nicht daran zuGrunde gehen. Als Mutter hat man die Diagnose Burn out zwar, muss aber weiter „funktionieren“ weil welche Pfleger und Betreuuer arbeiten schon unter diesen Umständen teilweise 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag( Nachtruhe ist nicht sicher!) ohne Urlaubsanspruch,12 Monate durch mit Burn out(aber ist ja eh egal) Sogar nach einer Mandel OP wo man sich schonen sollte, wieder ab dem 4. Tag ganz alleine musste ich in der prallen Sonne mit Fieber und Schüttelfrost mein Kind betreuuen, weil ich von KEINER Instutution aber auch nur 1 Stunde am Tag Hilfe in Form von Unterstützung bei der Pflege bekommen habe. Grund.: Man muss sich vorher anmelden, weil es ist so großer Bedarf! So schaut die REALITÄT aus, und ich will nichts mehr hören, von .: „he, du bekommst ja eh soviel Pflegegeld für Dein Kind!“ Was nützt mir das denn, wenn ich keine Pfleger dafür bekomme? Eine 24 St.-Betr. kostet d. Doppelte als ich (d. Mutter

  • Finde ich sehr arg diesen Artikel. Meiner Meinung nach kann man einen nonverbalen Autisten nicht mit einem anscheinend selbstständigen Klienten, der sich ohne Begleitung in Wien bewegt, vergleichen. Auch Menschen mit einer geistigen Behinderung haben das Recht ihr Leben so zu leben, wie sie es gerne möchten. Es gibt Gesetze, die Freiheitseinschränkungen regeln und ich finde es eine ziemliche Gewalt an Menschen, wenn man fordern würde, dass ein Klient, der zu dick ist und sich außerhalb seiner Wohneinrichtung essen besorgen könnte, lieber in der WG einsperren sollte, damit seine Nahrungszufuhr unter Kontrolle ist. Derzeit darf man das zum Glück nicht.
    Mir fehlen in diesem Artikel die gesetzlichen Bestimmungen zu Freiheitseinschränkungen, die Selbstvertretungsgruppen, die berichten können, wie Freiheitsbeschränkungen vor der Enthospitalisierung geistig Behinderter ausgeschaut haben.
    An der Grippe sterben etwa 4000 Menschen in Österreich und natürlich sind Menschen mit einer geistigen Behinderung mit Adipositas, mit oftmals jahrzehntelanger Psychopharmaka-Therapie, mit ungesunder Ernährung, Hepatitis eher gefährdet, als Menschen, die nicht solche Risikofaktoren haben.
    Natürlich sind wir in Österreich immer in der Entwicklung hinten, aber bei Themen wie Selbstbestimmung, Empowerment, Inklusion und Normalisierung.

    Im ersten Beispiel wird das die Staatsanwaltschaft und FSW untersuchen, was da passiert ist und wie. WG, BT, Krankenhausaufenthalte, Urlaube, Therapien, Fahrtendienste, Elternbesuche,…. und in dem Artikel steht nicht, wann diese Verletzungen zustande gekommen sind, wie die ärztliche Behandlung seitdem ausgeschaut hat, seit wann der Klient in dieser WG ist… Bei nonverbalen Klienten stelle ich es mir sehr schwierig vor die gesundheitliche Versorgung zu gewährleisten. oftmals sind diese so von Ärzten traumatisiert, dass freiwillige Untersuchungen nicht möglich sind.

  • Finde ich sehr arg diesen Artikel. Meiner Meinung nach kann man einen nonverbalen Autisten nicht mit einem anscheinend selbstständigen Klienten, der sich ohne Begleitung in Wien bewegt, vergleichen. Auch Menschen mit einer geistigen Behinderung haben das Recht ihr Leben so zu leben, wie sie es gerne möchten. Es gibt Gesetze, die Freiheitseinschränkungen regeln und ich finde es eine ziemliche Gewalt an Menschen, wenn man fordern würde, dass ein Klient, der zu dick ist und sich außerhalb seiner Wohneinrichtung essen besorgen könnte, lieber in der WG einsperren sollte, damit seine Nahrungszufuhr unter Kontrolle ist. Derzeit darf man das zum Glück nicht.
    Mir fehlen in diesem Artikel die gesetzlichen Bestimmungen zu Freiheitseinschränkungen, die Selbstvertretungsgruppen, die berichten können, wie Freiheitsbeschränkungen vor der Enthospitalisierung geistig Behinderter ausgeschaut haben.
    An der Grippe sterben etwa 4000 Menschen in Österreich und natürlich sind Menschen mit einer geistigen Behinderung mit Adipositas, mit oftmals jahrzehntelanger Psychopharmaka-Therapie, mit ungesunder Ernährung, Hepatitis eher gefährdet, als Menschen, die nicht solche Risikofaktoren haben.
    Natürlich sind wir in Österreich immer in der Entwicklung hinten, aber bei Themen wie Selbstbestimmung, Empowerment, Inklusion und Normalisierung.

    Im ersten Beispiel wird das die Staatsanwaltschaft und FSW untersuchen, was da passiert ist und wie. WG, BT, Krankenhausaufenthalte, Urlaube, Therapien, Fahrtendienste, Elternbesuche,…. und in dem Artikel steht nicht, wann diese Verletzungen zustande gekommen sind, wie die ärztliche Behandlung seitdem ausgeschaut hat, seit wann der Klient in dieser WG ist… Bei nonverbalen Klienten stelle ich es mir sehr schwierig vor die gesundheitliche Versorgung zu gewährleisten. oftmals sind diese so von Ärzten traumatisiert, dass freiwillige Untersuchungen nicht möglich sind.

  • Dieser Beitrag und die darauf folgenden Reaktionen zeigt mir einmal mehr, wie weit hinten wir sind mit unserem Sozialsystem, mit der tatsächlichen vorbildlichen Betreuung unserer KlientInnen. Denn wenn Betreuer nicht mal in Ruhe Pause machen können, weil sonst was passieren kann, dann hakts nicht am Betreuer, sondern an den Strukturen. Das geht für mich in die Richtung: Wer ist mehr wert? Der Klient, der Kot frisst, während er 2 Minuten unbeaufsichtigt ist, oder der Betreuer, der sich schon 10 minuten lang das pinkeln verkneift??? Sowas darf nicht Ansatz sein!
    Es gibt Strukturen/Einrichtungen, die KÖNNEN nicht mehr leisten, weils Geld- oder/und Personalmangel gibt und es gibt Strukturen, die es so einrichten, daß sie ihre Klienten/Schutzbefohlenen optimal ausnutzen ohne daß es jemand mitkriegt.
    Ich arbeite in erster Einrichtung und habe jahrelang in 2ter Einrichtung gelebt. Ich kenne also beide Systeme/Strukturen. Aus meiner Sicht ist es von aussen nicht immer feststellbar, woran es wirklich liegt u Schuldzuweisungen sollten daher vorsichtig gehandhabt werden. Am besten können das die „Opfer“ beurteilen, die es aber leider nicht immer entsprechend artikulieren können.
    Nachher läßt sich immer leicht reden ….

  • Natürlich würde ich meine Tochter NIEMALS in eine solche Einrichtung geben, wenn ich nur irgendeine solche Meldung wie ich lesen musste wüsste, dass dies geschehen ist. Für mich persönlich stellt sich so eine Frage zurzeit überhaupt noch nicht. Für mich ist immer noch erstrangig, mein Kind zu Hause zu pflegen. Im Falle, dass ich das einmal nicht mehr kann, würde ich mir lieber eine Pflegerin für zu Hause organisieren, auch eine ausländische kann ich mir vorstellen, da das Pflegegeld für österreichische niemals ausreicht. Ich glaube, dass sie mich ein bißchen falsch verstanden haben, auf was ich eigentlich aufmerksam machen wollt mit meinem Beitrag. Nämlich, dass auch zu Hause wenn man ein schwerstbehindertes (geistig) mobiles Kind immer beaufsichtigt, Dinge passieren können, die So oder So gedreht und gewendet werden können.
    Auch ich musste mir schon mehrmals von Ärtzten die Frage anhören, ob ich denn zu wenig aufgepasst sind. Dass es bei diesem Fall gang und gebe war, dass der junge Mann immer stundenlang ung´beaufsichtigt umherlief, … wusste ich nicht.

  • Sandra ist die erste Mutter, die ich kenne, die sich keine Sorgen macht, ob sich fremde „Pädagogen“ genauso intensiv und sorgfältig um eine Person sorgen wie sie selbst. Auch ist es wohl ein Unterschied, ob jemand fünf Minuten leicht bekleidet im Garten herumgeht, oder einen ganzen Tag oder Tag für Tag.
    Und es ist ein Unterschied, ob man jemanden völlig unbeaufsichtigt durch den zehnten Bezirk gehen lässt (z.t. durch stark befahrene Straßen) oder ob man jemanden beaufsichtigt. Von Einsperren darf keine Rede sein! Aber es ist wohl erstaunlich, dass sich jemand kontinuierlich auf 157 Kilo hinauffuttert, und niemand kümmert das, wenn jemand ständig „dreckig“ und ungepflegt (O-Ton einer Interviewten aus dem Freak-Artikel) durch die Gegend läuft – und vor allem wenn er dann stirbt.
    Der Tod ist ein hoher Preis für ein Sichselbstüberlassen. Denn dies hat nichts mehr mit Freiheit zu tun. Würden Sie, Frau Sandra Leitner, falls es Sie überhaupt gibt, also wirklich ihr Kind sorgenfrei in solch eine Einrichtung geben?

  • Auch ich kann als Mutter eines autistischen Kindes von „Erlebnissen“ berichten,wie z.B.: Auch meine Tochter hat letzten Sommer in der Sandkiste Katzenkot „gefunden“ diesen ausgegraben und anschließend verspeist, (ich bin wohlgemerkt danebengesessen, sie war aber zu schnell) . Auch Nacktschnecken hat sie vor 2 Jahren einmal gegessen, nachdem diese von der Nachbarin zum Verfüttern an Enten gesammelt wurden und in einen Joghurtbecher mit Deckel aufbewahrt, und leider 1 Woche in der Sonne vergessen wurden, worauf diese zum Verwesen angefangen hatten und bestialisch stanken. Trotz ewigem Hinterherlaufen meinerseits konnte ich auch da nicht verhindern, dass meine Tochter den Becher mit dem Mund öffnete, und so auch verwesende Schnecken in ihren Mund schüttete, worauf ich die Vergiftungszentrale informierte weil ich nervös wurde und mir ausmalte, was alles passieren könnte! Durch die vorbeugende Gabe von Antibiotika, die mir angeraten wurde konnte ich wahrscheinlich Schlimmeres verhindern. Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass meine Tochter diese Sachen nicht bei mir als Mutter, sondern unter Aufsicht eines Pädagogen oder Pflegepersonals in einem Heim aufgeführt hätte, und dies durch den Anruf in die Vergiftungszentrale, oder wohin auch immer öffentlich gemacht worden wäre, und die Betreuungspersonen dadurch auf`s Schlimmste mit Vernachlässigkeit oder Verletzung der Aufsichtspflicht (solchen Vorwürfen) konfrontiert würden, dann traue ich mir zu sagen, dass viele Betreuer eben solche „Vorfälle“ verheimlichen, obwohl diese teilweise nicht zu vermeiden wären, soviel man auch schaut und aufpasst. (wenn geistig schwerstbehinderte Menschen mobil sind, und ihre Aktivitäten nicht abschätzen können, passieren eben solch Dinge. Man kann und darf sie nicht einsperren)Auch meine Tochter ist schon mal barfuß, nur mit einem Windel und kurzem Leiberl bekleidet, im Winter in den Garten „entwischt“(als ich halt ausnahmsweise auf`s Klo musste, und daher die Aufsichtspflicht VERLETZT