Neues Denkmal für Opfer der T4-Tötungsaktion an der ehemaligen „Irrenanstalt Feldhof“ in Graz gefordert

Die ehemalige „Irrenanstalt Feldhof“ in Graz war während der Zeit des Nationalsozialismus für viele Menschen die letzte Station. Denn über 1000 Menschen wurden im Rahmen der Aktion T4 von dort an die Tötungsanstalt Schloss Hartheim deportiert und dort ermordet.

Tafel mit dem Aufdruck Graz
BilderBox.com

Bisher wurde diesen Opfern mit einer schlichten Gedenktafel gedacht. Das reicht nicht, so ein Hinterbliebener. Er fordert eine würdige Gedenkstätte, damit die grauenhaften Ereignisse und die Schicksale der Menschen nicht in Vergessenheit geraten.

Anna Lex lebte mit ihrem Mann und den Kindern in der Nähe von Monfalcone bei Triest. Eines Tages kamen ihr Mann und ein Teil ihrer Kinder bei einem tragischen Unfall ums Leben. Traumatisiert durch diesen Schicksalsschlag kam Anna Lex am 11. Juni 1919 in die in die damalige „Landes-Irrenanstalt Steiermark“ Graz-Feldhof.

Anfang Februar 1941 wurde sie dann Opfer der systematischen Tötungsaktion T4. Sie wurde wie mehr als 1000 andere Patient:innen des Grazer Feldhofs nach Hartheim deportiert und dort umgebracht. In einem Schreiben vom 14. Februar 1941 teilte man mit, dass sie „unerwartet infolge einer akuten Hirnschwellung“ gestorben sei, in Wahrheit wurde sie jedoch in der Gaskammer ermordet. So schildert Johannes-Maria Lex, der Enkel von Anna Lex, das Schicksal seiner Großmutter.

Auch Kinder Opfer der Feldhofklinik

Das Schicksal von Anna Lex ist leider nur eines von vielen. Wie in einem Beitrag von ORF.at zu lesen ist, fanden im Feldhof auch 270 Kinder und Jugendliche den Tod. Die Tötungen wurden mittels Verabreichung von Barbituraten und Schlafmitteln in Überdosierung durchgeführt. Andere ließ man verhungern oder erfrieren. Gutachter:innen entschieden, ob Menschen getötet wurden.

Niemals vergessen!

„Zur Erinnerung an die weit über 1000 Patienten, die 1939-1945, in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden“, so lautet die Inschrift auf der schlichten Gedenktafel im ehemaligen Feldhof in Graz. Diese Gedenkstätte sei zu dürftig, meint Johannes-Maria Lex, Enkel von Anna Lex.

Über seine Initiative ist nun ein gemeinsamer Selbstständiger Antrag von Abgeordneten der GRÜNEN, der KPÖ und der NEOS im Landtag eingebracht worden. Die zuständigen Regierungsmitglieder Landeshauptmann Mag. Christopher Drexler (ÖVP) und Landesrat Dr. Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) werden darin aufgefordert, eine würdige Gedenkstätte für die Opfer der NS-Euthanasie am Standort LKH II Graz-Süd errichten zu lassen.

„Die ermordeten Menschen hätten es ‚verdient‘, die Erinnerung an die fürchterlichen Geschehnisse der damaligen Zeit hätten damit ein wichtiges Mahnmal für die heutige und zukünftige Generation gezeitigt – im Sinn von ‚Wehret den Anfängen‘ und ‚Niemals wieder‘!“, so Lex in seinem Schreiben an BIZEPS.

Beispiel: Schreiben der Landesanstalt Hartheim

Landesanstalt Hartheim Maria Lex
Johannes-Maria Lex
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3 Kommentare

  • Wichtiger Artikel!

    Österreichs Vergangenheitsbewältigung hat diesbezüglich nach wie vor große Lücken. Dies zeigt sich auch darin, dass in wichtigen Bibliotheken (auch im Land Tirol) keine Literatur über Spiegelgrund, oder Hartheim vorhanden ist.

    Bitte ein anderes Bild!

  • Herzlichen Dank für die Veröffentlichung meines Anliegens samt der Schilderung der Hintergründe dazu!

    Ich habe Ihre Ausführungen natürlich gerne meinen rund 3.500 Followern auf Facebook bekannt gemacht.

    Hoffen wir, dass – nach der positiven Behandlung im zuständigen Ausschusses des steirischen Landtages und der so wohlwollenden Reaktion des zuständigen Landesrates Dr. Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) – der Steirische Landtag meinem Antrag nachkommt und tatsächlich ein würdiges Denkmal am Gelände des Grazer „Feldhofs“ errichtet wird.

    Johannes-Maria Lex

    • Ich wünsche Ihnen viel Glück. Die Geschichte Ihrer Großmutter hört sich gruselig an, macht mich sehr betroffen!