Norbert Hofer: Pflege geht uns alle an

Dritter Nationalratspräsident lud zur Veranstaltung über die Zukunft des Pflegegeldes

Podiumsdiskussion zum Thema: Die Zukunft des Pflegegeldes
BIZEPS

„Pflege geht uns alle an“, in diesem Sinne ist dafür Sorge zu tragen, dass die soziale Unterstützung Zukunft hat, eröffnete Dritter Nationalratspräsident Norbert Hofer die Veranstaltung zum Thema „Zukunft des Pflegegeldes“ im Abgeordneten-Sprechzimmer des Parlaments. Unter der Moderation von Verena Inauen diskutierten ExpertInnen über künftige Herausforderungen.

Steigende Demenzerkrankungen als künftige Herausforderung

In der vergangenen Dekade hat sich der Wertverlust des Pflegegeldes verdoppelt, dennoch haben sich seit 1993 die Aufwendungen für die Pflege verfünffacht und der Anteil an Pflegegeldbeziehern ist stark gestiegen, hob Dagmar Belakowitsch-Jenewein (F), Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, die Brisanz des Themas hervor. Problematisch sei auch der Trend zu Sachleistungen, der zu einer Verringerung der Selbstbestimmung führe. Aus diesen Gründen schlug Belakowitsch-Jenewein eine Richtungsänderung vor. Neben der Einführung eines bundeseinheitlichen Pflegegeldgesetzes, inklusive jährlicher Inflationsanpassung, trat sie für die Pflege als Lehrberuf und die Einrichtung einer Pflegeagentur ein.

Demgegenüber fand Manfred Pallinger, Sektionschef im Gesundheitsministerium, kalmierende Worte. Im Jänner dieses Jahres habe eine Anpassung des Pflegegeldes um 2% stattgefunden. „Geld alleine pflegt nicht“, führte er aus, weshalb die Pflege in Österreich auf drei Säulen basiert. Neben dem Pflegegeld leisten Soziale Dienste und Angehörige wichtige Beiträge. Die künftigen Herausforderungen liegen bei der demografischen Entwicklung, steigenden Anforderungen bei Demenzerkrankungen und gesellschaftlichen Veränderungen in Richtung Einpersonenhaushalte. Wobei eine steigende Bevölkerungszahl nicht automatisch mehr Pflegebedarf bedeute. Durch Prävention und medizinischer Weiterentwicklung würde der künftigen Anzahl an pflegebedürftigen Menschen entgegengewirkt, betonte er. Zudem leiste der eingerichtete Pflegefonds eine Unterstützung für die Bundesländer beim Betreuungs-und Pflegedienstleistungsangebot. Pflegenden Angehörigen würde durch Pflegekarenzgeld und Ersatzpflege wesentlich geholfen.

„Alle Menschen leben am liebsten daheim“, daher müsse das Pflegegeld als Basis für selbstbestimmte pflegerische Dienstleistungen jährlich valorisiert werden, unterstrich Eringard Kaufmann, Generalsekretärin von ÖAR, Dachorganisation der Behindertenverbände Österreichs. Künftige Herausforderungen sah auch sie bei den Demenzerkrankungen, deren häusliche Pflege für Angehörige sehr belastend sei. Wichtig war Kaufmann, den Fokus auf Prophylaxe und Rehabilitation zu legen, um traumatisierende Krankenhaushausaufenthalte zu vermeiden. Menschen in allen Situationen seien mit Würde und Achtung zu behandeln, fand Kaufmann appellierende Worte für die Sicherstellung der Selbstbestimmung durch ein angemessenes Pflegegeld.

Alfred Lepsinger, hauptberuflicher Pflegebegutachter, gab Tipps für die Antragstellung und Einblicke in die Erstellung von Gutachten. Der rechtliche Anspruch auf Pflegegeld gelte für alle Menschen gleich, daher erkenne er keine Zugangshürden. Dennoch seien Gutachten stets subjektiv und von einer Vielzahl von Faktoren abhängig, darunter auch die Tagesverfassung der Patientin oder des Patienten.

Die bundesweite Vereinheitlichung des Pflegegeldes war Petra Wagner, Betreiberin des „Seniorenhaus Wagner“, ein großes Anliegen. Aus ihrer täglichen Arbeit mit den BewohnerInnen des Seniorenheims gab Wagner Einblicke in die Praxis und tat ihren Eindruck kund, dass vorgesehene Gelder oft nicht bei den Pflegebedürftigen ankommen.

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3 Kommentare

  • Ich habe mir die Mühe gemacht, auf dieser Seite den Namen Norbert Hofer einzugeben , und habe 306 Treffer gefunden, davon keine im Zusammenhang mit der Bundespräsidentenwahl! Alle Achtung, der Typ hat seine Karriere 2006/“007 als Behindertensprecher der FPÖ begonnen und hat bis 2011 (da schrieb er das FPÖ Parteiprogramm) und bis 2013 (da wurde er Nationalratspräsident)eigentlich nichts anderes getan, als sich mit Behindertenpolitik zu beschäftigen! Leider ist zu befürchten, dass er vor lauter „Erfolg“ auf unsere Anliegen vergisst!
    Folgendes würde ich mir wünschen: Wenn Norbert Hofer es mit direkter Demokratie ernst meint, könnte er zum Beispiel eine Bürgerinitiative zum Thema Anpassung des Pflegegeldes an die Inflation starten , so wie er das jahrelang
    gefordert hat!
    Die meisten seiner „Fans“ wissen nicht, dass er Behindertensprecher und manche nicht einmal, dass er ein „Krüppel“ ist,
    Man muss daher ihn und seine Anhänger an seine Wurzeln erinnern! Ich denke dabei an die feministische Szene in Österreich, die sehr offen darüber diskutiert hat, ob man Irmgard Griss unterstützen oder sich lieber von ihr distanzieren sol!!
    Gerade jetzt, wo der Bundespräsidentenwahlkampf geschlagen
    ist, wäre eine offen-konstruktive-kritische Diskussion über Norbert Hofer in der Behindertenszene dringend notwendig!
    Behindertenpolitik solte nicht nur Karrieresprungbrett sein wie bei Maria Rauch-Kallat, die durch eine Selbshilfegruppe im Zusammenhang mit ihrer blinden Tochter erst in die Politik gekommen ist!

  • Das sind Alles nur Worte. Kennen SIE jemanden der 24h Betreuung braucht (d.h. die meiste Zeit muss die Person nur in der Lage zu sein jemanden anzusprechen der dann aber quasi sofort an der Bettstatt steht und hilft – Trinken, Essen, neu ausrichten etc etc) wirklich aus dem Pflegegeld bezahlen kann ? Im Extremfall – wenn nämlich die slowakische 14 Tagewechsel-Pflegerin deshalb nicht in Frage kommt, weil man eine ausgebildete Krankenschwester braucht – benötigt man nämlich eigentlich 3 x 8 h = 3 Pfleger im Schichtdienst und ggf. Ersatz für Feiertage und Urlaub. Kosten nähern sich dann der 10 000 Euro / Monat Grenze an. Das Arbeitsrecht verlangt es so, auf den Kosten bleibt der Pflegefall sitzen; erst wenn ihm kein eigener Besitz mehr bleibt fällt er in den Schoss des Sozialstaats, der ihm dann zwar das Nötigste bietet aber die Selbstbestimmung weitestgehend raubt. Für manche bleibt dann – wenn es keine Angehörigen gibt die man einspannen kann – eigentlich nur die Auswanderung in ein Land in dem Pflege noch leistbar ist, sofern man den Pflegebedürftigten nicht dann das Pflegegeld entzieht. Es erscheint mir oft so, als sei das Pflegegeld nur dazu erfunden worden, die Firmen die Pflege anbieten zu alimentieren. Wehe man kommt auf den Gedanken das Pfegegeld im Ausland einer ausländischen Pflege- oder Hilfskraft zuzustecken. In der ganzen öffentlichen Diskussion über das Thema scheint es aber primär nur um die Arbeitszeit- und Einkommensinteressen des Pflegepersonals zu gehen. Das sei diesen und deren Standesvertretungen auch unbenommen – ein jeder soll fair bezahlt werden, sodass er davon leben kann – aber die Interessen der Kranken und Alten und chronischen Pflegefälle scheint dabei immer von geringer Bedeutung.

  • Pflege sollte leistbar sein, auch in den eigenen vier Wänden. So wie mir geht es vielen in Österreich wir haben die Wahl zwischen Not und Elend. Ich kann mir die Notwendige Pflege seit längerem nicht mehr leisten. Allein das Wundmanagement frist mein Pflegegeld auf. Essen auf Räder gibt es aus Geldmangel auch nimmer. Die nötige Hilfe bei der Körperpflege gibt es auch nimmer, dafür sitze ich im Park alleine.