Nun doch: Missbräuche am Pavillon 15 des Otto-Wagner-Spitals werden aufgearbeitet

Lange hat sich der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) und die Wiener Landespolitik dagegen gewehrt - nun wird aber doch ein groß angelegtes Forschungsprojekt gestartet.

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„Menschen mit Behinderung in der Wr. Psychiatrie von der Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre“ heißt jenes Forschungsprojekt, welches vom Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS) von Anfang 2015 bis Mitte 2016 durchgeführt wird.

In einem 9-seitigen Dokument wird das – unter Leitung von Dr.in Hemma Mayrhofer (IRKS) stehende – Forschungsvorhaben im Detail beschrieben. (Siehe auch Projektpage beim IRKS)

Rückblick: Falter-Bericht deckt auf

Im Jahr 2013 brachte der Falter einen großen Bericht unter dem Titel „Die Schande von Pavillon 15„, der ausführlich beschrieb, welche unsäglichen „Behandlungsmethoden“ in dieser Einrichtung der Stadt Wien angewandt wurden.

Das Ergebnis dieses Berichts war eine KAV-interne Arbeitsgruppe, die nach ein paar Monaten Selbstprüfung nur „damals übliche Betreuungsmethoden“ fand. Doch der Text des Endberichts wurde verheimlicht.

Diese Vertuschungsstrategie wurde – auch von BIZEPS – massiv kritisiert und im Falter mit Nachdruck Aufklärung gefordert; mit Erfolg.

„Wir begrüßen diesen notwendigen Schritt zur lückenlosen Aufarbeitung von Vorwürfen bezüglich menschenunwürdiger Zustände, Missstände und Missbrauchsvorwürfe an Kindern mit Behinderung im Pavillon 15. Die Entscheidung für externe und unabhängige ExpertInnen ermöglicht eine transparente Aufklärung. Es geht hier darum, gegenüber den Opfern und ihren Familien Respekt zu zeigen, politische Verantwortung zu übernehmen und mögliche Konsequenzen zu ziehen“, hält die Behindertensprecherin der Wiener Grünen, Birgit Hebein fest.

Nach Druck soll nun Aufklärung erfolgen

Am 11. Dezember 2014 wurde nun bekannt gegeben, dass eine unabhängige Aufarbeitung im Otto-Wagner-Spital und auf der damaligen „Abteilung für entwicklungsgestörte Kinder“ am Neurologischen Krankenhaus Rosenhügel erfolgen soll.

„Im Moment verfügen wir nur über bruchstückhaftes Wissen. Die renommierten ExpertInnen werden daher unterschiedliche institutionelle, rechtliche und medizinische Aspekte bearbeiten und den wissenschaftlich-disziplinären und gesellschaftlichen Kontext beleuchten“, gibt die zuständige Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) bekannt und führt aus: „All dies passiert in größtmöglicher Transparenz. Forschungskonzept, Zwischenbericht und Endbericht werden ungekürzt veröffentlicht. Gleiches gilt für mögliche Empfehlungen der ExpertInnen.“

„Das Forschungsteam ist interdisziplinär zusammengesetzt und verfügt über fundierte inhaltliche Expertise und Forschungserfahrung in den Bereichen Disability Studies, Behindertenhilfe, Behindertenrechte, Medizingeschichte, Psychiatriegeschichte, Kinder- und Jugendwohlfahrt, Geschichte des Fürsorgesystems, Heimerziehung und totale Institutionen“, ergänzt der KAV in einer Presseaussendung und verweist auf die veröffentlichten Informationen im Internet. Das unabhängige Forschungsprojekt wird vom KAV finanziert werden.

Forschungsprojekt kann nun starten

Es ist erfreulich, dass nun doch ein Forschungsprojekt durchgeführt wird. Es bleibt zu hoffen, dass die zugesagte unbeeinflusste Aufarbeitung sowie die angekündigte Veröffentlichung auch wirklich erfolgen werden. So gesehen ist es gut, dass das Forschungsprojekt erst nach der nächsten Landtagswahl Ergebnisse liefert und so hoffentlich aus dem Wahlkampf herausgehalten werden kann.

Wir werden mit Dr.in Hemma Mayrhofer, Leiterin des Forschungsprojektes, in Kürze ein Interview führen, um Details zum Forschungsprojekt zu erfahren und darüber berichten zu können.

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