ÖBB-Fahrplan Umstellung auch heuer wieder ein Chaos

Für behinderte Menschen ist es schon bei "Normal-Betrieb" eine echte Herausforderung, die Angebote der ÖBB zu nutzen. Doch bei Fahrplanumstellungen endet es regelmäßig im Chaos. Kommendes Jahr soll dem verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet werden.

ÖBB Bahnhof
BIZEPS

In den letzten Tagen erreichten uns im BIZEPS-Behindertenberatungszentrum Rückmeldungen, dass „auch heuer wieder“ die Umstellung im Fahrplan nicht funktioniert. Konkret bedeutet dies, dass im ÖBB Online-Fahrplan jene Züge nicht gekennzeichnet sind, die mit dem Rollstuhl benutzbar sind. (Einzige Ausnahme bilden die knapp 20 railjets sowie die vereinzelten ICE-Züge). Bei allen anderen der 4.000 täglichen Züge ist plötzlich nicht mehr erkennbar, ob sie benutzbar sind.

Dies ist umso ärgerlicher, weil dieses Problem schon im Vorjahr auftrat. Der Fahrplan, der monatelang im Voraus erstellt wird, verursacht trotzdem regelmäßig bei Umstellung ein Daten-Chaos. Nicht nur für behinderte Kundinnen und Kunden, sondern auch ÖBB-intern ist nur schwer erratbar, welcher Zug nun barrierefrei zugänglich sein könnte.

Praxistest: Wie sieht es derzeit aus?

In der Praxis schaut dies derzeit so aus; Abfragebeispiele von heute 17 Uhr:

Der Versuch zwischen Wien und Graz einen rollstuhlgerechten Zug zu erfragen endet mit der Rückmeldung: „Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde leider konnte zu Ihrer Anfrage keine Verbindung gefunden werden.“

Ähnliche Anfragen für 14. Dezember mit Linz/Graz, Innsbruck/Dornbirn oder Salzburg/Klagenfurt bringen keine bzw. fast keine nutzbaren Züge mehr. Nur die Weststrecke in Richtung Deutschland (Beispiel Wien/Linz) zeigt einige Züge nämlich railjets und ICE-Garnituren. Der gesamte Rest an Fahrzeugen (es handelt sich um hunderte!) ist unauffindbar, wenn man „Rollstuhlstellplatz (innerhalb Östereichs)“ im Online-Fahrplan anklickt.

Systemfehler oder Panne?

Wir stellten der ÖBB-Konzernkommunikation daher schriftlich folgende Fragen:

  1. Die ÖBB legen in den letzten Jahren verstärkt Augenmerk auf Barrierefreiheit. Warum sind die rollstuhlgerechten Verbindungen – im Gegensatz zu allen anderen – nicht verfügbar?
  2. Der Fahrplan wurde in den letzten Jahr bezüglich Barrierefreiheit mit wichtigen Informationen angereichert. Wieso werden auch heuer behinderte Kundinnen und Kunden schlechter informiert?
  3. Der Mangel an Informationen diskriminiert behinderte Kundinnen und Kunden. Wann werden alle rollstuhlgerechten Verbindungen im Fahrplan online ersichtlich sein?
  4. Wird es auch im nächsten Jahr die selben Probleme geben? (Wenn ja, warum? Wenn nein, wie soll dies verhindert werden?)

Wie chaotisch es derzeit ÖBB-intern zugeht, kann man nur erahnen, wenn man die Antwort der Pressesprecherin der ÖBB-Holding AG, Mag. Karin Gruber, betrachtet. Sie antwortete: „Sehr geehrter Herr Ladstätter, am 13. Dezember findet in ganz Europa der Fahrplanwechsel statt. Hierbei gibt es nicht nur in Österreich Änderungen, sondern auch in allen anderen Ländern. Diese Daten alle in die Fahrplanabfrage einzupflegen nimmt einige Zeit in Anspruch, vor allem, da es bis zuletzt immer wieder Änderungen und Anpassungen gibt.“

Klingt interessant, dürfte aber unrichtig sein, weil genau jene Züge, die ins Ausland fahren ja im Fahrplan auch richtig gekennzeichnet sind (die railjets, die ICEs). Konkret fehlen alle Regional- bzw. Österreich-internen Verbindungen.

Doch die Antwort, die nicht einmal eine Entschuldigung für das Servicedesaster enthält, geht noch weiter: „In diesem Jahr kommen durch die Sperre des Südbahnhofes und neue Verkehrsdiensteverträge (z.B. Tirol) zusätzliche Herausforderungen auf uns zu. Die endgültige Fahrplanversion haben wir seit dieser Woche, daher sind wir nun dabei, die Daten für alle IT-Systeme aufzubereiten, um sie so schnell wie möglich einspielen zu können. Diese Situation betrifft auch andere Bereiche, etwa Fahrgastinformationssysteme, Wagenstandsanzeiger usw.

Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Reiseinformationen für all unsere Fahrgäste so schnell wie möglich komplett zur Verfügung stellen zu können.“

Nett formuliert, aber auch das gibt keine Antwort auf die Frage, warum alle Züge im Online-Fahrplan sind, nur die Information, ob sie barrierrefrei sind – auch heuer wieder – nicht rechtzeitig vorhanden ist. Diese, anscheinend systematische, Diskriminierung wird man sich sicher noch im Detail bei der nächsten Fahrplanumstellung ansehen und gegebenenfalls auf die Nicht-Zuverfügungstellung der notwendigen Daten adäquat reagieren müssen.

Was bringt die Zukunft?

Erst der letzte Satz der Reaktion „Im kommenden Jahr werden wir diesem Punkt verstärkt unsere Aufmerksamkeit widmen.“ zeigt, dass das Problem anscheinend nun endlich ernst genommen wird. Ernüchternder Weise schaffen es die ÖBB nicht einmal bis heute – dem Tag der Fahrplanumstellung – bekannt zu geben, wann sie wieder verraten, zu welchen Fahrzeiten barrierefreie Zugverbindungen angeboten werden.

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