ÖBB Personenverkehr: Mitten im Sommer Narrenzeit?

Nahverkehrszug "Talent" schließt rund 85 % der Rollstuhlfahrer aus

Nahverkehrszug Talent
Ladstätter, Markus

Als „Narrenstück mitten im Hochsommer“ bezeichnete Eduard Riha, Generalsekretär der ÖAR, die heutige, neuerliche Präsentation des Nahverkehrszuges „Talent“ am Wiener Westbahnhof, „der ÖBB Personenverkehr ignoriert weiterhin die Meinung der ExpertInnen, das sind in diesem Fall Reisende mit Behinderung.“

Nach wie vor ist der Zug mit einem Behinderten-WC ausgerüstet, das für die Mehrheit der Reisenden eine Benützung nicht zulässt. Nicht nur, dass die WC-Muschel für die Mehrzahl der Rollstuhlfahrer nicht benutzbar ist – die WC-Türe lässt sich nicht mehr verschließen, wenn etwa ein Fahrgast im Elektro-Rollstuhl das WC benützen will.

Eduard Riha ist hier für drastische Maßnahmen: „In dieser Version ist das WC unbrauchbar – also kann man es auch entfernen und gewinnt somit mehr Platz für Reisende.“

Nach wie vor gefährlich sind die Einstiegsmöglichkeiten für RollstuhlfahrerInnen. Eine im Zug befindliche Rampe wird bei Bedarf zusammengebaut, um damit den Spalt zwischen Bahnsteig und Zuginnerem und den Höhenunterschied zu überbrücken. Nicht nur, dass diese Rampe derart aufwendig konzipiert ist und nicht einmal bei der Vorführung problemlos ausklappbar war, so ist sie auch bei Nässe (Regen) nicht benutzbar.

Zusätzlich zu den seit Jahren bekannten Mängeln fand die heutige Präsentation unter fast idealen Verhältnissen statt. Hätte die Vorführung an real existierenden Bahnsteigen von 38 cm und weniger stattgefunden, hätten die ÖBB-VertreterInnen das wahre Desaster ihres Angebotes erlebt – Rampen mit 24 – 30 % Steigung.

Für die ÖAR ist es völlig unverständlich, warum die ÖBB auch nach mittlerweile mehr als drei Jahren Gespräche die Meinung behinderter Reisender ignoriert.

„Der einzige Nutzen der heutigen Veranstaltung“, so Riha „liegt darin, dass nun auch die VertreterInnen der obersten Eisenbahnbehörde erkennen konnten, dass die Einstiegssituation im ‚Talent‘ nur mit einem fahrzeuggebundenem Hublift zu befriedigenden Lösungen führt. Schließlich wird dieses Fahrzeug Bahnsteige mit Höhen von 55 cm bis 23 cm bedienen müssen, aber auch Haltestellen mit sogenannten ‚Erdbahnsteigen‘ anfahren. Dass just morgen in Salzburg die ersten ‚Talente‘ einer Fahrzeugtaufe und Segnung unterzogen werden, ist besonders pikant. Nur wenn bei der Segnung ein Exorzist dem Talent die teuflischen Mängel austreibt, hat Landeshauptmann-Stellvertreter Haslauer tatsächlich Grund zur Freude!“

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0 Kommentare

  • wieviel lassen wir uns denn noch gefallen?

  • Können sie es nicht verstehen ? – oder wollen sie es nicht verstehen ? mit Sicherheit sind sie nicht so ehrlich, uns das kundzutun – das Schlimmste an diesen Ekelgeschichten ist, dass offensichtlich keiner sagen kann/will, warum sie pausenlos passieren, und dass dann noch mehr Gründe gefunden werden, die die Menschenverachtung rechtfertigen – und wir akkzeptieren diese Gründe – Schafe, die wir uns einreden lassen zu sein – arme machtlose ferngesteuerte Tiere – was können wir denn tun, wenn die unser Geld lieber anders verwenden, als wir das wollen? Tja – wir glauben an keinen Gott mehr, aber dafür an eine Handvoll selbstgefälliger, machtgeiler, herztoter Weltenlenker – toll sind wir Menschen, und so menschlich! Wir fliegen lieber zum Mond, bevor wir darauf schauen, dass alle wenigstens zu Essen haben – da können wir halt nichts machen! Das muß leider so sein, erklären sie Dir und wir sagen ja! und werden immer kränker vor Scham und dem uns selbst verleugnen müssen.
    Denn keiner war im Grunde seines Herzens so, als er auf diese Welt kam -nur auf sich schaun, während die Nachbarn verrecken, ist nicht des Menschen eigentliche Natur – aber er lässt sich viel einreden . . . was die Mächtigen sich zunutze machen
    Hören wir doch auf solche Schafe zu sein um Gottes willen – dort wo er noch was zählt

  • Die erste gerichtliche Klage im zuge des Gleichstellungsgesetzes wäre bezüglich des „TALENT“ gegen in die ÖBB einzubringen.