ÖBB-Podcast: Von rechtswidrig zu barrierefrei

Es gibt häufig zwei Arten eine Geschichte zu erzählen - so auch in diesem Fall. Ein Kommentar.

ÖBB Bahnhof
BIZEPS

Je nach Standpunkt können diese zwei Geschichten sehr verschieden sein, wie das Beispiel des Internetangebotes der ÖBB zeigt.

Geschichte 1: Die ÖBB erzählen

„Seit März 2007 gibt es unter podcast.oebb.at Städteführer, Reiseliteratur, Unterhaltung und Nachrichten kostenlos zum Anhören, Herunterladen und Abonnieren“, halten die ÖBB in einer Presseaussendung fest.

„Die Podcast-Website der ÖBB ist eine der ersten, die sich an den Anforderungen von WAI 2.0, dem zukünftigen Standard für barrierefreie Webinhalte, orientiert“, berichtet Martin Fülöp, Leiter Marketing und Verkauf der ÖBB-Personenverkehr AG, nicht ohne Stolz.

Die Zugriffe haben sich fast vervierfacht und das Service wurde sukzessive ausgeweitet. „Auf den ersten Blick gibt es nach der Umgestaltung kaum einen Unterschied. Allerdings hat sich eine Menge geändert. Beispielsweise wurden speziell für Sehbehinderte wesentliche Gestaltungskriterien wie hohe Kontraste und vergrößerbare Texte berücksichtigt“, zählt er Details auf und führt aus: „Weiters sind alle Inhalte und Funktionalitäten auch über die Tastatur erreichbar. Und von allen selbst produzierten Podcasts (Städteportraits und ÖBB-Podcasts) und den News-Meldungen gibt es Transkripte. Aus rechtlichen Gründen können bei den Hörbüchern keine Transkripte bereitgestellt werden.“

Man habe weiters die ÖBB-Techniker geschult „u. a. über gesetzliche Grundlagen und internationale Standards für barrierefreie Websites sowie über die Bedeutung von neuen Informations- und Kommunikationstechnologien als Integrationswerkzeuge für Menschen mit Behinderung“.

Geschichte 2: Der Hintergrund

Auch die zweite Geschichte fängt im Jahr 2007 an. Doch dieses Mal etwas anders. Das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz war schon mehr als ein Jahr in Kraft, als die ÖBB das neue Podcast-Service vorstellten.

Doch zur Überraschung vieler war das neue Internetangebot der ÖBB nicht einmal im Ansatz barrierefrei. Es war in Bezug auf Barrierefreiheit wirklich eine Zumutung und außerdem gesetzeswidrig, weil neue Internetangebote gemäß Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz seit 1. Jänner 2006 barrierefrei sein müssen.

Überraschend war diese Gesetzeswidrigkeit vor allem deswegen, weil die ÖBB seit Jahren immer und immer wieder Informationen zur Verbesserung der Barrierefreiheit ihrer Angebote eingeholt haben. Die diesbezügliche BIZEPS-Beratungsdokumentation reicht bis in das Jahr 2005 zurück. Dass nur sehr wenig davon umgesetzt wurde, wäre wieder eine andere Geschichte.

Wie nicht untypisch für die ÖBB, wusste wieder eine Teilorganisation nichts von den Aktivitäten einer anderen und so wurde munter und ohne viel Nachdenken ein gesetzeswidriges Internetangebot veröffentlicht. Nachdem BIZEPS die ÖBB darauf hingewiesen hat, erfolgte die Zusage, diese Diskriminierung baldigst zu beseitigen und einen gesetzeskonformen Zustand der Seite herbeizuführen.

Ausblick

Die Podcast-Seite der ÖBB ist wirklich gut gelungen und sehr barrierearm geworden. Der begonnene Weg sollte zügig fortgeführt werden. Die ÖBB haben das Thema barrierefreies Internet jahrelang verschlafen.

So positiv diese eine barrierefreie Podcast-Seite oder der barrierefreie Internetauftritt eines noch nicht erbauten Bahnhofes auch sein mögen, wirklich wichtig ist, dass die ÖBB endlich auch ihr primäres Internetangebot www.oebb.at ordentlich zugänglich machen. Fast drei Jahre nach Inkrafttreten des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes ist dies wohl mehr als erwartbar.

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