ÖBB verbessern Service

Voranmeldezeit von Hilfestellungen für behinderte Menschen auf 15 Knotenbahnhöfen ab sofort von mindestens 24 Stunden auf 3 Stunden reduziert.

ÖBB Bahnhof
BIZEPS

„Ziel der ÖBB ist es, allen Kundinnen und Kunden ein bequemes und barrierefreies Reisen mit der Bahn zu ermöglichen. Um auch vorübergehend oder dauerhaft mobilitätseingeschränkten Personen geeignete Reisemöglichkeiten bieten und fallweise benötigte Hilfestellungen koordinieren und gewährleisten zu können, empfiehlt es sich, den Reisewunsch vorab anzumelden. Bisher galt für Inlandsreisen eine Frist von mindestens 24 Stunden vor der Abreise, für Auslandsreisen mindestens 48 Stunden“, resümiert Christian Schwarzl (ÖBB-Personenverkehr AG – Barrierefreies Reisen) im BIZEPS-INFO Interview.

Doch nun gibt es eine Verbesserung und damit einen größeren Service für behinderte Kundinnen und Kunden der ÖBB.

Liste der derzeitigen Knotenbahnhöfe

„In Abstimmung mit dem Partnerunternehmen Mungos wurden Knotenbahnhöfe festgelegt, die täglich 24 Stunden mit Servicepersonal besetzt sind“, erläuert Schwarzl und zählt die Knotenbahnhöfe (hier die aktuelle Liste der Knotenbahnhöfe) auf:

  • Wien: Wien Westbahnhof, Bahnhof Wien Meidling
  • Niederösterreich: St. Pölten Hauptbahnhof, Bahnhof Wiener Neustadt
  • Oberösterreich: Linz Hauptbahnhof, Wels Hauptbahnhof, Bahnhof Attnang-Puchheim
  • Steiermark: Bahnhof Bruck/Mur, Graz Hauptbahnhof, Bahnhof Leoben
  • Salzburg: Salzburg Hauptbahnhof
  • Kärnten: Klagenfurt Hauptbahnhof, Villach Hauptbahnhof
  • Tirol: Innsbruck Hauptbahnhof
  • Vorarlberg: Bahnhof Bregenz

„Reisewünsche zwischen diesen Bahnhöfen können auch mit der verkürzten Anmeldefrist – bis zu drei Stunden vor der Abreise – in der Mobilitätsservice Zentrale bestellt werden. Diese Anmeldungen werden täglich unter der Nummer 05-1717 (österreichweit zum Ortstarif), Menüführung 5 / 5 zwischen 7 und 20 Uhr Uhr bearbeitet“, beschreibt Schwarzl gegenüber BIZEPS-INFO die neue Regelung und ergänzt: „Eine Direktbestellung der Hilfeleistung vom Kunden bei der Firma Mungos ist nicht vorgesehen.“

Vergleichstest der Bahnen im deutschsprachigen Raum

Im August 2010 führte kobinet-nachrichten einen Vergleichstest der Bahnen im deutschsprachigen Raum durch, den mit deutlichem Abstand die Schweizerische Bundesbahnen SBB gewann. (Verglichen wurde, wie lange sich Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer vorher anmelden müssen, wenn sie eine Einstiegshilfe benötigen.)

Die SBB definierte 155 Bahnhöfe im Netz als Stützpunktbahnhöfe, bei denen man mindestens 1 Stunde vorher anrufen kann, um eine Einstiegshilfe zu bekommen; bei 15 weiteren Stützpunktbahnhöfen beträgt die Mindestvormeldezeit 2 Stunden.

Die ÖBB benötigten damals 24 Stunden Vorlauf zur Organisation von Hebeliften. Auf größeren Bahnhöfen könne die Hilfeleistung auch kurzfristiger erfolgen; garantieren könne man dies aber nicht.

Neue Regelung wird getestet

Nun nahmen sich die ÖBB am schweizer Konzept „Stützpunktbahnhöfe“ ein Vorbild und definierten 15 Knotenbahnhöfe, bei denen die benötigte minimale Vormeldezeit von 24 auf 3 Stunden reduziert wurde.

Christian Schwarzl hielt gegenüber BIZEPS-INFO fest, dass diese neue Regelung nun getestet wird. Man habe sie bewusst so angeboten, weil man sicher sein möchte, dieses Angebot auch garantieren zu können. Wenn sich die neue Regelung bewährt, können in Zukunft weitere Bahnhöfe zu Knotenbahnhöfen erklärt werden und auch die 3 Stunden Mindestvorlaufzeit könnte evtl. noch reduziert werden.

Wichtig ist Schwarzl folgende Klarstellung: „Aufgrund der verkürzten Anmeldefrist ist die Reservierung eines freien Rollstuhlstellplatzes nicht mehr möglich und kann daher auch nicht garantiert werden. Ebenfalls entfällt die Verständigung über eventuelle Wagenausfälle.“

Die neue Regelung ist eine deutliche Serviceverbesserung der ÖBB für behinderte Menschen. Die ÖBB konnte beim kobinet-Vergleichstest im August 2010 die Deutsche Bahn nur knapp auf den Platz 3 verweisen. Nun hat sich der Rückstand auf die führende SBB verringert und der Vorsprung zur DB deutlich vergrößert.

Man darf gespannt sein, wie der ÖBB-Test verläuft.

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0 Kommentare

  • Das sind sehr gute Nachrichten die man da von der ÖBB vernehmen kann, ich finde es gut dass sie weiter auf diese Bedürfnisse eingehen und auch für die Zukunft wünscht man sich noch mehr Service!

  • Ich bin begeistert. Da bewegt sich etwas!

  • Wir haben seit langer Zeit entschieden und daran aendert aich die derseitige sog. Verbesserung Nichts, dass die OEBB fuer uns nicht in Frage kommen kann. Will ich mit der Schnellbahn von z.B. Moedling nach Wien fahren so passiert das meisten relativ spontan und nicht mit stundenlanger Voranmeldung. Die OeBB ist ganz einfach mit ihrem Wagen- und Bahnsteigmaterial fuer Behinderte im Rollstuhl unbenutzbar. Fuer Frauen mit Kinderwaegen zum grossen Teil auch. Nein, es bleibt das Auto. Wenn nur nicht immer die wenigen Behindertenparkplaetze so oft von Nichtberechtigten verparkt waeren. Vielleicht ist es im Bezug darauf doch mal ueberlegenswert wie in den USA z.B. relativ drakonische Strafen (mehr als 200 Euro) fuer unberechtiges Verparken von Behindertenparkplaetzen einzufuehren. Denn Bewusstsein bezueglich eines wirklichen Verschuldens – und das ist auch das OeBB Problem – ist in Mitteleuropa, trotz aller Lippenbekenntnisse, ist fast nicht vorhanden. Keine Zugang zur Bahn: „sollen die halt sich was anderes einfallen lassen“, Verparken der Behindertenparkplaetze: (wie letztens gesehen) „sind auf einem kurzen Filmdreh, gleich wieder zurueck, wir bitten um Verstaendnis“.

  • Die Verkürzung der Anmeldefrist ist zwar erfreulich und ist mit Sicherheit ein wichtiger Beitrag zur „Normalisierung“ der Nutzung des öffentlichen Verkehrs für Menschen mit Behinderung. Solange es aber Züge gibt, die ohne Zugbegleiter unterwegs sind, ist und bleibt die ÖBB für Menschen mit Behinderung oft ein Handicap.