Österreichisches Filminstitut ändert Förderrichtlinien

Alle DVD-Produktionen in Österreich müssen ab Jänner 2009 deutschsprachige Untertitel bereitstellen

Logo Österreichisches Filministitut
ÖFI

Seit 2005 sehen die Förderrichtlinien des Österreichischen Filminstituts (ÖFI) eine Finanzierung der Untertitelungskosten vor. Filmproduzenten und -verleiher haben die Möglichkeit, bei DVD-Verwertung einen Antrag auf Untertitelung beim ÖFI zu stellen. Von dieser Möglichkeit wurde nur sehr wenig Gebrauch gemacht, da die Antragsteller laut Förderrichtlinie dazu nicht verpflichtet waren (‚Kann‘-Bestimmung).

Der Grund war aber auch, dass das Bewusstsein unter Filmproduzenten entgegen damaliger Erwartung des ÖFI zu gering war. Jüngstes Beispiel ist die am Markt befindliche DVD des Oscar-gekrönten Films „Die Fälscher“, von der es keine deutschsprachig untertitelte Version gibt.

Schlichtungsverfahren

Daraufhin habe ich am 6. August 2008 ein Ansuchen auf Einleitung eines Schlichtungsverfahrens nach dem BGStG mit dem Filminstitut eingereicht. Ich habe im freiwilligen Charakter der Förderbestimmung eine mittelbare Diskriminierung durch die Förderrichtlinie des Filminstituts gesehen und eine Schadenersatzklage in den Raum gestellt.

Bei der Schlichtung am 6. Oktober 2008 hat sich Mag. Roland Teichmann, Präsident des ÖFI, bereit erklärt, einen Antrag auf Änderung der Richtlinien zur Vergabe von Fördermitteln zu stellen. Am 9. Oktober 2008 hat der ÖFI-Aufsichtsrat der Änderung der Förderrichtlinien zugestimmt.

„Mit der Änderung dieser Richtlinien ist sichergestellt, dass jeder österreichische Film, der vom Filminstitut in der Herstellung gefördert (also mit öffentlichen Mitteln hergestellt) wurde und auf DVD oder einem vergleichbaren Datenträger herauskommt, ab 1. Jänner 2009 eine deutschsprachige Untertitelung haben und dies auf dem Cover auch entsprechend gekennzeichnet sein muss.“ (Zitat: Mag. Roland Teichmann)

Keine DVD mehr ohne deutschsprachige Untertitelung

Mag. Roland Teichmann versichert: „Eine DVD (oder einen vergleichbarer Datenträger; z.B. blue ray und neuere Medien, Anm. der ÖGLB-Redaktion) ohne deutschsprachige Untertitelung wird es nicht mehr geben. Die bisherige ‚Kann‘-Bestimmung wurde zu einer ‚Muss‘-Bestimmung!“

Von den Ländern in Europa hat meines Wissens bisher nur Tschechien eine verpflichtende Untertitelung (in tschechischer Sprache) der landeseigenen DVD-Produktionen bereits seit 1. Jänner 2007 festgeschrieben. Gehörlose und hörbehinderte Menschen in Österreich dürfen sich ab 2009 über mehr untertitelte Filme auf DVD freuen.

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Kommentare

  • Jetzt kann man sehen, welchen Erfolg die seit 2009 geltende Richtlinie hatte. Das Filminstitut hat eine Liste mit barrierefreien DVDs veröffentlicht. Das sind noch nicht so ganz viele, aber wichtig ist: Die Richtung stimmt, und sie ist (selbst für Deutschland) vorbildlich! http://www.filminstitut.at/de/menu175/

  • Gratulation zur erfolgreichen Schlichtung! An diesem Beispiel kann man erkennen, dass sogar ein schlechtes Gesetz noch einiges hergibt, wenn man es richtig anstellt.