Doskozil im Interview: „Meine Stimme wird nicht der Grund sein, nicht mehr Politik zu machen“
Hans Peter Doskozil betont jedoch, dass seine Stimme kein Hindernis für seine politische Karriere sein wird, solange er sich dazu …
Am 11. Dezember 2025 hat der ÖVP-Abgeordnete Klaus Fürlinger als erster Abgeordneter im Nationalrat eine KI-Stimme für seine Rede im Plenum genutzt. Im BIZEPS-Interview erläuterte er die Hintergründe der Premiere und kündigte weitere Reden mit KI-Stimme an. Kommunikation ist ein Grundbedürfnis, hält der Abgeordnete fest.
Die Rede des Nationalrats Klaus Fürlinger (ÖVP) am 11. Dezember 2025 im Plenum war nicht live gesprochen, sondern von einem sogenannten Stimm-Avatar vorgetragen – einer künstlich erzeugten Version seiner eigenen Stimme.
Der Einsatz dieser Technologie hat folgenden Hintergrund: „Der oberösterreichische Abgeordnete hat eine chronische Erkrankung, die seine Stimme beeinträchtigt“, berichtet DerStandard.
Mithilfe des Stimm-Avatars kann Fürlinger trotz dieser Einschränkung aktiv an Debatten teilnehmen – verständlich, hörbar und ohne seine Stimme zu überlasten. Fürlinger macht damit deutlich: Eine beeinträchtigte Stimme darf kein Hindernis für politische Arbeit sein.
Die KI-Stimme basiert auf Sprachaufnahmen Fürlingers. Der Text der Rede stammt vollständig von ihm selbst. Während die Audiodatei im Plenum abgespielt wird, war Fürlinger beim Rednerpult. Er betont, dass es sich um eine Unterstützung handelt – nicht um einen Ersatz für seine Person. Der Einsatz von KI zeigte, wie technische Hilfsmittel dabei unterstützen, trotz Einschränkungen aktiv und hörbar im politischen Raum mitzuwirken.
Im Justizausschuss hat Abgeordneter Fürlinger bereits kürzlich als Vorsitzender erstmals mit KI-Unterstützung vorgetragen.
Siehe: DerStandard, OÖN, Salzburger Nachrichten, Zero Project, ORF, Kleine Zeitung, Kurier, Parlamentskorrespondenz, Österreichischer Behindertenrat
Kurz vor der Premiere im Parlament – er sprach zum Thema Maßnahmen gegen „Parkplatz-Abzocke“ – gab der ÖVP-Abgeordnete BIZEPS schriftlich folgendes Interview:
BIZEPS: Sollte der erste Einsatz Ihrer KI-Stimme im Plenum zu Ihrer Zufriedenheit verlaufen – planen Sie, dieses Hilfsmittel auch künftig regelmäßig zu nutzen?
Klaus Fürlinger: Ja, selbstverständlich. Als Justizsprecher ist es für mich wichtig, mich ab und an zu Gesetzesvorlagen inhaltlich zu äußern.
Wenn es funktioniert, gibt es für die Anwendung bei jeglicher Form der Kommunikation eigentlich keine Schranken.
BIZEPS: Ihre Ankündigung hat breite Zustimmung erfahren, jedoch gab es auch vereinzelte kritische Stimmen. Was möchten Sie jenen Menschen sagen, die diesem Schritt mit Skepsis begegnen?
Klaus Fürlinger: Solange mein Gehirn funktioniert, ist die Form der Darbietung nicht so wichtig. Daher bitte ich, die Inhalte zu beurteilen, nicht die technische ‚Hülle‘.
BIZEPS: Kommunikation ist ein grundlegendes Menschenrecht. Unterstützte Kommunikation – beispielsweise durch technische Hilfsmittel – sollte umfassend gefördert werden. Teilen Sie diese Einschätzung?
Klaus Fürlinger: Kommunikation ist ein Grundbedürfnis, wer kommuniziert lebt. Daher auf jeden Fall auch öffentliche Unterstützung für die, die es brauchen.
Diese Frage – ob eine eingeschränkte Stimme Auswirkungen auf die Fähigkeit hat, das Mandat eines Politikers wahrzunehmen – wurde zuletzt auch bei Hans Peter Doskozil öffentlich diskutiert. Der burgenländische SPÖ-Politiker hat eine Kehlkopf-Erkrankung, durch die sich seine Stimme stark verändert hat. Er wurde deshalb mehrfach öffentlich und parteiintern aufgrund seiner Behinderung infrage gestellt.
„Meine Stimme wird nicht der Grund sein, nicht mehr Politik zu machen“, hielt er in Interviews fest. BIZEPS berichtete damals ausführlich.
Noch deutlicher zeigt das Beispiel der ehemaligen Nationalratsabgeordneten Helene Jarmer, dass politische Arbeit auch ohne Lautsprache möglich ist. Die frühere Grünen-Abgeordnete ist gehörlos, kommuniziert mit Unterstützung durch Gebärdensprache und Dolmetschung – und machte damit sichtbar, dass das Fehlen einer hörbaren Stimme kein Hindernis für ein parlamentarisches Mandat sein muss.
Auch die Diakonie und der Österreichische Behindertenrat betonten kürzlich im Rahmen einer Pressekonferenz, dass Kommunikation ein grundlegendes Recht ist – auch für Menschen ohne Lautsprache. Unterstützte Kommunikation soll umfassend gefördert werden, etwa durch technische Hilfsmittel.
Hans Peter Doskozil betont jedoch, dass seine Stimme kein Hindernis für seine politische Karriere sein wird, solange er sich dazu …
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