ÖVP: „Wir verpassen uns ein neues Gesicht im Internet“

Am 15. April 2009 stellte die ÖVP Bundespartei ihren neuen Internetauftritt vor. Barrierefrei ist er leider wieder nicht.

ÖVP Homepage 2009
ÖVP

„Präsentiert wurde eine Homepage, die in allen Belangen alle Stückerln spielt“, so die ÖVP-Presseaussendung.

„Die Website ist technisch auf dem letzten Stand und ist mit ihrer einfachen Struktur sehr benutzerfreundlich“, fasste ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger die Leistungen des Online-Auftritts zusammen.

Für ihn bedeutet die Weiterentwicklung einen „Meilenstein“, ist dem Standard zu entnehmen. Die Internetseite wurde von der Partei selbst produziert worden, gibt er nicht ohne Stolz bekannt.

Fehlende Barrierefreiheit

In den letzten Jahren wurde mehrfach die fehlende Barrierefreiheit thematisiert und eine deutliche Verbesserung des Angebotes versprochen. Man durfte daher gespannt sein.

Test

Johannes Reiss, Experte im Bereich barrierefreies Internet, nahm für BIZEPS-INFO die ÖVP-Seite schon im Jahr 2008 unter die Lupe. Wir baten ihn, auch die neueste Überarbeitung zu analysieren.

Er hält fest: „Schon beim ersten Blick auf die neue Website wird klar, dass vieles gar nicht so einfach funktioniert und vor allem viele Zielgruppen vom Webauftritt leider nach wie vor weitgehend ausgeschlossen bleiben.“

Möchte man eine Liste mit den schwerwiegendsten Problemen in Punkto Barrierfreiheit erstellen, sehe sie so aus:

  • mangelnde Sichtbarkeit (Fokus) von Elementen und per Tastatur nicht erreichbare Navigationspunkte
  • fehlende hierarchische Strukturierung
  • schlechte Bezeichnung von Links
  • missverständliche Alt-Attribute (z.B. Alt=“zur Videoplattform“)
  • völlig unnötige Layouttabellen in den Quelltexten
  • Sprachauszeichnungen sowie Auszeichnungen von Abkürzungen und Acronymen fehlen völlig

„Die Euphorie über die ’neue ÖVP-Homepage (sic!)‘ kann ich jedenfalls definitiv nicht teilen. Solange den Forderungen des Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes so wenig Rechnung getragen wird, ist der Relaunch eher ein Schritt zurück als ein ‚Meilenstein‘ in die richtige Richtung“, schließt Reiss seinen Testbericht ab.

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich