ÖVP-Keri: Ferienbetreuung darf Kinder mit erhöhtem Förderbedarf nicht ausschließen
„Der offene Brief zahlreicher Elternvereine und Initiativen zeigt einmal mehr, dass Kinder mit erhöhtem Förderbedarf bei der Ferienbetreuung in Wien …
Ein offener Brief an die Wiener Bildungsstadträtin Bettina Emmerling macht auf Lücken in der Ferienbetreuung in Wien aufmerksam.
Mehrere Wiener Elternvereine sowie die Initiativen Bessere Schule JETZT!, Integration Wien und Lobby4Kids haben einen offenen Brief (PDF) an Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) übermittelt.
Darin machen sie auf nach ihrer Ansicht bestehende Mängel bei der Ferienbetreuung für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf aufmerksam und fordern Verbesserungen.
Nach Angaben der Initiativen gibt es für viele Kinder mit Behinderungen nicht ausreichend passende Betreuungsplätze während der Schulferien. Zwar bietet die Stadt Wien Ferienbetreuung an, die vorhandenen Plätze für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf würden den Bedarf jedoch nicht decken. Die verfügbaren Plätze seien oft bereits kurz nach Beginn der Anmeldung vergeben.
Die Verfasser:innen des Briefes kritisieren außerdem, dass Kinder mit Behinderungen an manchen Bildungscampus ihre Ferienbetreuung nicht am gewohnten Schulstandort besuchen können.
Während Kinder ohne erhöhten Förderbedarf häufig am eigenen Campus betreut werden, müssten Kinder mit Behinderungen teilweise andere Standorte besuchen. Aus Sicht der Eltern widerspricht dies dem Ziel einer inklusiven Schule.
Im Schreiben wird auch auf Berichte von Familien verwiesen, wonach Kinder wegen ihres Verhaltens von der Ferienbetreuung ausgeschlossen worden seien. Die Initiativen sehen die Ursachen dafür häufig in unzureichenden Rahmenbedingungen wie fehlendem Personal, zu großen Gruppen oder mangelnder Unterstützung.
„Solange verlässliche Ferienbetreuung fehlt, bleibt Chancengleichheit für viele Kinder ein leeres Versprechen“, hält Andrea Werdenigg, stv. Vorsitzende des Elternvereins Campus Christine Nöstlinger, fest.
Nach Ansicht der Elternvereine hat die unzureichende Ferienbetreuung auch soziale Folgen. Besonders häufig müssten Mütter ihre Arbeitszeit reduzieren oder ihre Erwerbstätigkeit aufgeben, wenn kein geeigneter Betreuungsplatz zur Verfügung steht. Davon seien Alleinerziehende besonders betroffen.
Auch Behindertenanwältin Christine Steger, die nicht amtsführende Wiener Stadträtin Judith Pühringer (Grüne) sowie die Familiensprecherin der Wiener Volkspartei, Gemeinderätin Sabine Keri kritisieren die Situation.
Steger verweist auf fehlende ausreichende und leistbare Betreuungsangebote, Pühringer sieht in der mangelnden Ferienbetreuung ein Zeichen für Defizite bei der Inklusion in Wien und Keri zeigt auf, dass Kinder mit erhöhtem Förderbedarf bei der Ferienbetreuung in Wien strukturell benachteiligt werden.
Die Unterzeichner:innen fordern deshalb ein ausreichendes Angebot an Ferienbetreuungsplätzen, qualifiziertes Personal, gleiche Anmeldemöglichkeiten für Kinder mit und ohne Behinderungen an Campusstandorten sowie ein transparentes Beschwerdesystem und eine Erfassung des tatsächlichen Bedarfs.
Sie ersuchen die Stadt Wien, gemeinsam mit Eltern, Pädagog:innen und Expert:innen an langfristigen Lösungen für eine inklusive Ferienbetreuung zu arbeiten.
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