Online Impfanmeldung für Alle? Nein!

Barrierefreiheit zu gewährleisten, wäre sehr einfach

Österreichischer Behindertenrat
Österreichischer Behindertenrat

Wieder ist ein digitales Angebot zur Bekämpfung der COVID-19 Pandemie nicht für alle nutzbar. Ob Corona-App, Kaufhaus Österreich, Anmeldung zum Massentest oder aktuell die Vormerkung zur Corona-Impfung – die mangelnde Barrierefreiheit schließt immer wieder Menschen mit Behinderungen aus.

Klaus Höckner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs und selbst allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger im Bereich Barrierefreiheit im Web:

Es darf einfach nicht sein, dass Angebote von öffentlichen Stellen blinde und sehbehinderte Menschen vor erhebliche Probleme stellen! Die Impfanmeldungen für Bund und Länder sind die nächsten Negativbeispiele auf einer bereits langen Liste.

Unsere Expert*innen haben bei der Bedienung mit gängigen Vorlesesystemen gravierende Mängel festgestellt. Es wäre ein Leichtes, blinde und sehbehinderte Expert*innen einzubeziehen, das muss umgehend nachgeholt werden!

Der Österreichische Behindertenrat hat kein Verständnis mehr für mangelnde Barrierefreiheit.

„Alle Menschen brauchen den gleichen Zugang zu digitalen Angeboten im Umgang mit der COVID-19 Pandemie. Doch jedes neu vorgestellte digitale Werkzeug seit Beginn dieser Krise ist nicht barrierefrei. Jedes Mal zeigen wir dies auf, bieten unsere Unterstützung an. Daraufhin muss ein aufwändiger Prozess gestartet werden, um die Systeme barrierefrei zu machen. Es ist keinerlei Lernprozess bei den Verantwortlichen diesbezüglich erkennbar, es ist frustrierend“, zeigt sich Herbert Pichler, Präsident des Österreichischen Behindertenrates, empört.

„Dabei wäre es sehr einfach, Expert*innen von Anfang an einzubinden damit die Systeme von Grund auf barrierefrei sind“, so Pichler.

Die Impfanmeldesysteme der Bundesländer müssen barrierefrei gestaltet werden. Behindertenverbände fordern nachdrücklich, vorab in Planungsprozesse eingebunden zu werden, um unkomplizierte und sichere Bedienbarkeit für alle Menschen zu gewährleisten.

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

8 Kommentare

  • Habe den Beitrag gerade der zuständigen NR Abgeordneten gesendet mit der Bitte sich das anzusehen.

  • Ich wollte mich in OÖ für die Impfung registrieren. Da war schon mal die Überraschung, dass ich nicht angeben konnte, dass ich zur Risikogruppe gehöre, die in Phase 1 geimpft werden soll. Ich bin Autistin und hörbehindert, kann also nicht telefonieren, deshalb gebe ich nie eine Telefonnummer an. Ohne Telefonnummer war die Anmeldung aber nicht möglich. Rechts oben stand „Barrierefreiheit“, da habe ich draufgeklickt. Da stand nur, dass diese Seite barrierefrei ist (?!)

    Mein Mann hat dann angerufen, da haben sie ihm erklärt, dass sie davon ausgehen, dass jeder, der nicht telefonieren kann, ohnehin einen Betreuer hat, der solche Sachen für ihn erledigt, dessen Telefonnummer soll ich angeben. Man ist also gezwungen, seine medizinischen Informationen über eine dritte Person laufen zu lassen.

    Das Problem hat sich dann gelöst, weil der Mann von der Hotline auch erklärt hat, dass bei Angabe einer Handynummer nur schriftlich kommuniziert wird, aber das hätte man gleich angeben können.

  • ich war 3x bei coroa test Probe und ich habe ergebnis Negativ !
    Ich will die ganze Handel wieder öffen weil ich brauche neue Bekleidung Z.B C und A oder KIK ! Auch bei Elektrogeschäft z.b Conrad, Media Markt, Pagro soll wieder öffnen !
    Dazu auch bei OBi , BAUHAUS oder BAUMarkt soll auch wieder öffnen ! Dazu auch bei Leiner, KIKA oder Lutz soll ab 8.2.2021 gesamte geschäfte öffnen ! Dazu Gastronomie überall soll wieder öffen ! wir müssen auch etwas verdienen und will nicht alle Geschäfte zu Pleite ! hauptsache besser verdienen ! Mit freundlichen grüsse sendet Interessevertretung vom Mitsprache cafe Herbert klinghardt

  • Schön, dass wir Mal wieder von Seh- und Hörbehinderten gelesen haben. Ich bin Autist, ich habe regelmäßig schon an Supermarktkassen Probleme und muss daher für mich einkaufen lassen. Ich habe null Chance an einer Impf- oder Teststrasse teilzunehmen. Das wird nicht passieren. Ich erfülle drei verschiedene Kriterien der Risikogruppe und solange es keine Angebote für Autisten und Menschen mit PTSD gibt wird das für diese Personengruppe kein gutes Ende nehmen. Wenn ich jedoch darauf hinweisen, egal wo egal wie erlebe ich ein Unverständnis als wollte ich zum Präsidenten ernannt werden. Da sich niemand dafür interessiert werden wir dann eben die letzten sein die geimpft werden (wenn überhaupt) und uns weiter Zuhause verstecken. Teilhabe an einer Internetseite wäre mein kleinstes Problem, ich würde gerne am Leben teilhaben.

    • In Zukunft sollen auch Hausärzte impfen können wenn dann andere Impfstoffe verfügbar sind. Hilft ihnen das?

    • Wer unter 60 ist muß schon eine recht schwere Vorerkrankung haben um wirklich gefährdet zu sein. Im Schnitt bedeutet die Angehörigkeit einer „Risikogruppe“ lediglich ein um 50 – 100% höheres Risikos als dem Alter entsprechend, und das ist nunter 60 wirklich minimal.

      Es gibt aber 2 Laborwerte mit denen relativ sicher eine Gefährdung erkannt wird: D-Dimer-Werte und niedrige Lymphozytenzahlen
      https://www.aerztezeitung.de/Nachrichten/Diese-Faktoren-deuten-auf-eine-unguenstige-Prognose-bei-COVID-19-407473.html

      Ein erster Online-Rechner für Risiko einer schweren Erkrankung gibt es schon seit Mitte Mai: https://www.aerztezeitung.de/Nachrichten/Risikorechner-fuer-schweren-COVID-19-Verlauf-409388.html

      Eine erste Sterberisikoabschätzung gibts auch schon lange online (mittlerweile wohl durch Faktor 3 zu dividieren dank besserer Behandlung)
      http://covid19-phenomics.org/PrototypeOurRiskCoV.html

      Auffallend ist jedenfalls, dass Informationen, die Angst reduzieren, kaum verbreitet werden, dafür viele Halbinformationen mit den in geradezu manipulativer Art Angst gemacht wird. Corona ist zwar eine Klasse über der Grippe, aber zum Glück nicht das Killervirus das Medien und Politik an die Wand malen!

      https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(20)30484-9/fulltext

      Abstand halten und bei längerem, engen Beisammensein in Innenräumen Masken tragen, sollte Risiko ziemlich minimieren.

    • Ich kenne ausreichend Personen die nur „milde“ Symptome (kurz mal Kopfweh und 1 Tag Fieber) hatten und Monate später immer noch die Auswirkungen spüren in Form von beispielsweise reduziertem Lungenvolumen und Geruchsirritationen. Es geht nicht immer nur um Tod oder Leben.

      Stichwort Long Covid. Hier ein Focus Link da der NZZ Beitrag hinter eine Paywall ist:
      https://www.focus.de/gesundheit/coronavirus/gastkommentar-der-nzz-der-lange-kampf-von-long-covid-patienten-zurueck-ins-leben_id_12908774.html

    • Anscheinend kennen Sie sich mit der Thematik der Barrierefreiheit nicht aus. Die WCAG beziehen sich auf unterschiedliche Wahrnehmungen, wozu auch Autisten zu zählen sind, für diese Gruppe ist die Webseite ebenfalls nicht barrierefrei nutzbar.
      Wenn Sie den räumlichen Aspekt ansprechen: Glauben Sie etwa, dass Impfstraßen für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen barrierefrei sind oder die Anweisungen in Wien, binnen 2 Stunden am Impfort zu sein?
      Was ist mit blinden Autisten oder wie oben, mit Autisten mit Hörbeeinträchtigung?