ORF: „Aus für alte Straßenbahnen naht“

Diese Überschrift verspricht leider deutlich mehr, als wirklich hinter der Meldung steckt. Noch bis zumindest ins Jahr 2025 werden alte Straßenbahnen in Wien verkehren.

Alte Straßenbahn in Wien
Wiener Linien / Johannes Zinner

„Einerseits wollen wir barrierefrei werden und den Fahrgästen einen bequemen Einstig schaffen, andererseits sind die älteren Fahrzeuge am Ende ihrer Lebensdauer angelangt. Nach mehr als 40 Jahren ist es Zeit ihre letzte Fahrt anzutreten“, begründet Wiener Linien-Sprecher Dominik Gries das Ausscheiden der alten Garnituren gegenüber dem ORF.

Konnte man in den vergangenen Jahren noch manche dieser uralten Straßenbahnen an arme Verkehrsbetriebe in den Osten „verkaufen“, ist sogar dies laut Artikel nicht mehr möglich. Auch diese Verkehrsbetriebe kaufen nun moderne Niederflurfahrzeuge.

Obwohl in Wien seit dem Jahr 1997 nur mehr Niederflurstraßenbahnen angekauft werden, gibt es erst 269 Niederflurstraßenbahnen und noch rund 250 Hochflurstraßenbahnen. Dies liegt vor allem daran, dass die Wiener Linien sehr wenige neue Niederflurstraßen pro Jahr kaufen.

Alte Bim werden vermutlich fahren, bis sie zum Schrotthändler kommen

Man erfährt im ORF-Artikel weiters, dass die alten Hochflurstraßenbahnen des Typs E1 und E2 immer weniger werden.

Doch die alten Straßenbahnen des Typs E1 mit zahlreichen Stufen (gebaut zwischen 1966 und 1976) sollen noch bis ins Jahr 2017 in Betrieb sein. Die die alten Straßenbahnen des Typs E2 ebenfalls mit zahlreichen Stufen (gebaut zwischen 1978 und 1990) sogar noch bis ins Jahr 2025.

Zumindest der Materialwert (Eisen) dieser teilweise rund 40 Jahre alten Straßenbahnen liegt noch über den Entsorgungskosten, zeigen sich die Wiener Linien in dem Artikel erfreut.

Durchgängige Barrierefreiheit noch lange nicht in Sicht

Schon vor Jahren wurde bekannt, dass die Wiener Linien die Bestimmungen des Behindertengleichstellungsgesetzes samt den Übergangsbestimmung bis 2016 nicht einhalten wollen.

In einem Profil-Artikel aus dem Jahr 2009 wiesen sie Vermutungen zurück, dass es mit den heftig umstrittenen Cross Border Leasing Verträgen (die alten Straßenbahnen sind großteils verleast) zusammenhängt, die einen Ausstieg angeblich erst frühestens 2018 oder 2022 zulassen.

Im Gegensatz zu anderen Städten ist in Wien auch nicht geplant, dass alte Straßenbahnen mit einem barrierefreien Einstieg bzw. einem Niederflurteil nachgerüstet werden, berichtete Profil schon damals. Die Konsequenz: In Wien werden noch mehr als 10 Jahre Straßenbahnen unterwegs sein, die nicht barrierefrei sind.

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3 Kommentare

  • Es liegt auch daran, dass seit ca. 1960 -1990 eine große Anzahl E, E1,E2 in betrieb genommen wurden. Das sich alte Menschen über die hohen Einstiege aufregen verstehe ich nicht, es die Generation, die dies Fahrzeuge konstruiert hat !!

  • Hallo würde gerne eine alte Strassenbahn vor dem verschrotten retten,und in meinen Garten aufs Gleis stellen an wenn kann man sich wenden,bitte um Vorschläge Danke

  • Dass bis 2017 die E1 ersetzt werden ist nicht realistisch, das muss ein Missverständnis sein. Die ersten Züge aus der neuen Ausschreibung werden wohl 2017 geliefert werden und dann dauert es noch mindestens zwei Jahre, bis alle E1 ersetzt werden können, also bis 2019. Mehr als einen Zug alle ein bis zwei Wochen zu liefern schafft kein Straßenbahnhersteller und 250 Züge sind noch zu ersetzen, davon rund 140 E1.