ORF diskriminiert gehörlose Menschen in Salzburg

Der Verband der Gehörlosenvereine im Lande Salzburg zeigte am 14. Oktober 2019 in einem kurzen Bericht an BIZEPS auf, warum er sich wiederholt vom ORF diskriminiert fühlt.

ORF Salzburg
ORF

Reinhard Grobbauer, Geschäftsführer des Verbandes der Gehörlosenvereine im Lande Salzburg, hat uns diesen aktuellen Bericht zukommen lassen, den wir ungekürzt wiedergeben:

ORF-Landesstudio Salzburg diskriminiert gehörlose Menschen

Seit 30 Jahren bemühen sich die Salzburger Gehörlosen darum,
dass die Sendung „Salzburg Heute“ für Gehörlose zugänglich
gemacht wird. Diese ist bis heute nicht barrierefrei.

Die Sendung wird nicht untertitelt (via Teletextseite 777), DolmetscherInnen für Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) werden nicht eingesetzt. Der ORF erfüllt seine Informationspflicht in diesem Punkt bewusst nicht. Interventionen des Gehörlosenverbandes Salzburg und der Salzburger Landesregierung prallen seit 30 Jahren am ORF ab.

Besonders diskriminierend wurde von gehörlosen SalzburgerInnen ein Vorfall bei der Salzburger Bürgermeisterwahl am 24.3.2019 erlebt. Zwar sorgte die Stadt Salzburg dafür, dass eine Dolmetscherin für ÖGS für das Interview des Bürgermeisters vor Ort war, und diese auch finanzierte.

Der ORF lehnte es aber ab, diese Dolmetscherin neben dem Bürgermeister ins Kamerabild zu nehmen und mit auszustrahlen. Dies hatte zur Folge, dass gehörlose Menschen in Salzburg keine barrierefreie Wahlinformation in ÖGS sehen konnten.

Der Gehörlosenverband hat ein Schlichtungsverfahren mit ORF Salzburg auf Grundlage des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes eingeleitet. Der ORF gab dem Verband recht, und versicherte, dass so eine Situation nie mehr vorkommen würde.

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Gehörlosenambulanz Salzburg am 14.10.2019 wollte ORF-Landesstudio Salzburg den anwesenden Geschäftsführer des Gehörlosenverbandes und der Beratungsstelle für Gehörlose in Salzburg, Reinhard Grobbauer, interviewen.

Grobbauer, der selbst gehörlos ist, berichtet: „Ich habe die Anfrage von ORF unter einer Bedingung angenommen. Ich wollte die vom Landeskrankenhaus gestellte Dolmetscherin für ÖGS mit ins Kamerabild nehmen. So können wir Gehörlose dieses Thema, das uns unmittelbar betrifft, in der Sendung nachvollziehen. Meine Bedingung wurde abgelehnt. Ich bin empört über das diskriminierende Verhalten der ORF-Redaktion.“

Wieder wird über gehörlose Menschen im Land Salzburg berichtet, ohne dass der Bericht von GebärdensprachdolmetscherInnen begleitet oder die Sendung untertitelt wurde.

Siehe: DerStandard

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4 Kommentare

  • Ich bin hörend. Es empört mich trotzdem und natürlich ist das diskriminierend. Was sonst? Wäre das nicht ein Fall für eine Verbandsklage im Rahmen des BGStG?

  • Es ist ja wirklich unglaublich!
    Was fällt diesen Menschen eigentlich ein?
    Die meistgesehene Sendung im Bundesland ist nicht barrierefrei.
    Ein öffentlich-rechtlicher Sender, der sich nicht an Gesetze hält!

  • Als Selbstbetroffener bin ich auch wütend und kann das Verhalten des ORF nicht nachvollziehen. Gemäss der UNO-Behindertenrechtskonvention sind öffentliche Institutionen verpflichtet, ihre Dienstleistungen für Menschnen mit Behinderung barrierefrei anzubieten. Ich würde das Bundesgericht, wenn nicht dann den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anklopfen…

  • Das wusste ich schon längst ……..
    Eine Frechheit.
    Zum Vergleich wie zum Beispiel, ein Hörende sieht fern, jedoch ohne Ton. Was wurde es daraus? Sie beschweren sich sofort. Und wir Gehörlosen?