ORF-Parlamentsmagazin „Hohes Haus“ zu Sonderschulen

Sonderschulen sollen bald der Vergangenheit angehören, Inklusion ist das Konzept der Zukunft. Kinder mit besonderen Bedürfnissen sollen künftig nur mehr in Integrationsklassen gefördert werden, so will es der Gesetzgeber.

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Gerhard W. Loub

Doch es regt sich Widerstand. In einigen Bundesländern gibt es Eltern, die gegen die drohende Schließung von Sonderschulen protestieren. Andererseits wird die Regierung aber auch von jenen kritisiert, denen die Schließung der Sonderschulen nicht rasch genug gehen kann. 

Dagmar Wohlfahrt mit einer Reportage über eine Sonderschule in Klagenfurt, die geschlossen werden soll. Gast im Studio am 12. März 2017 ist dazu Bildungsministerin Sonja Hammerschmid.

Update: Das war das Interview mit Bildungsministerin Hammerschmid

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15 Kommentare

  • Mein Sohn ist seit vier Jahren in der Inklusionsklasse in der NMS St. Veit/Glan. Er geht jeden Tag gerne in die Schule und fühlt sich in seiner Klassengemeinschaft sehr wohl. Trotz meiner anfänglichen Skepsis, kann ich von den letzten drei Jahren viel positives berichten. … Von enormen Entwicklungsfortschritten, denn mein Sohn hat in den letzten drei Jahren große Fortschritte im schulischen Bereich, sowie im Sozialverhalten gemacht. Zurückzuführen auf die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen unserer Klassenlehrerin und unserer Sozialpädagogin, denn das ist sehr wichtig für die optimale Förderung der Kinder. Auch am Nachmittag werden die Kinder von Sozialpädagoginnen bestens betreut. Durch die Kooperation mit Regelklassen und Integrationsklassen wurde schon viel gemeinsam unternommen, wie z.B. : Projekte im Unterricht, Urlaub in Italien, Ausflüge, Wandertage, basteln und backen für den Weihnachtsbasar, uvm.! Auch die therapeutische Betreuung durch das bfz Klagenfurt ist perfekt und findet direkt in der Schule statt.
    Wenn die Rahmenbedingungen passen, so wie bei uns, dann funktioniert auch die Inklusion und die Eltern brauchen keine Ängste und Sorgen haben.
    Sicher macht jeder seine eigenen Erfahrungen, aber man sollte auch offen für Veränderungen sein.

  • Seit 18 Monaten besteht zwischen der Kleinklasse und der 2.a der VS 14 in Welzenegg eine Kooperation. Es ist berührend zu sehen, mit wie viel Engagement und Herz die Kolleginnen der Kleinklasse, Fr. SOL Popofsits (Klassenlehrerin), Dipl.Behindertenpäd. Fr. Veratschnig und Sozialpädag. Fr. Türk mit den Kindern arbeiten. Beide Klassen malen, singen und turnen miteinander.
    Wir haben auch einen gemeinsamen Wandertag unternommen. Außerdem gestallteten wir zu Weihnachten gemeinsam eine Adventfeier in der geriatrischen Tagesklink in Klagenfurt. Für uns alle war es eine schöne stimmungsvolle Feier.
    Ich als Klassenlehrerin der 2.a sehe diese Zusammenarbeit als gegenseitige Bereicherung.
    Es beeindruckt mich sehr, welch schönes Miteinander möglich ist.
    Ich danke den Kolleginnen der Kleinklasse für Ihren Einsatz und die Bereitschaft miteinander und voneinander zu lernen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ursula Bolg
    (Klassenlehrerin)

  • Es gibt viele Wege zur Inklusion, einer davon ist die Kooperative Kleinklasse, die in Kärnten für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf angeboten wird. Seit dem Schuljahr 2014/15 unterrichte ich gemeinsam mit einer Sozialpädagogin die Kooperative Kleinklasse für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf in der NMS 2 Waidmannsdorf in Klagenfurt. Die Kinder werden entsprechend ihrer Begabungen in der Kleinklasse unterrichtet und individuell gefördert. Sie bekommen die notwendigen Therapien (Physio-, Ergotherapie und Logopädie) direkt in der Schule und besuchen die schulische Tagesbetreuung von Montag bis Freitag bis 16 Uhr. Am Nachmittag arbeitet ein Behindertenpädagoge mit den Kindern und betreut sie auch in der Lernstunde.
    Direkt in der Schule haben wir viele neue Möglichkeiten der Gestaltung und der Begegnung. Inklusive Settings wie Kooperationsstunden, Kooperationsprojekte, Peer Learning oder mehrtägige gemeinsame Schulveranstaltungen mit anderen Klassen werden erfolgreich durchgeführt und schaffen neue Lernerfahrungen auf beiden Seiten.
    Und das ganz Besondere ist: Die Kinder der Kleinklasse erleben jeden Tag den Schulalltag einer Regelschule und sind in sämtliche schulische Aktivitäten sozial vollständig eingebunden. Wir haben gemeinsame Pausen, gemeinsame Veranstaltungen, gemeinsame Lehrausgänge und gemeinsame Freizeitaktivitäten. Wir machen mit, wir gehören dazu und sind Teil der Schule!

    Isabella Hopfgartner (Klassenlehrerin)
    Herta Schrott (Sozialpädagogin)
    Moritz Müller (Behindertenpädagoge)

  • Aus unseren Erfahrungen als Pädagoginnen in einer bestehenden, kooperativen Kleinklasse der VS Welzenegg in Klagenfurt, können wir die Wichtigkeit des inklusiven Gedankens nur befürworten.
    Der Leitsatz „Teilhabe (Partizipation) wo möglich, Trennung (Separation) wo nötig“, begleitet unseren täglichen Schulalltag. Kooperative Unterrichtseinheiten mit „verschiedenen VS-Klassen“ in Sport und Bewegung, Musikerziehung, Werkerziehung und Bildnerischer Erziehung, sowie die bewegte, gemeinsame Pause im Freien und die schulische Nachmittagsbetreuung bewähren sich in jeglicher Hinsicht. Dadurch ergeben sich Situationen, die ein entspanntes Miteinander und Agieren ermöglichen. Durch die Teilhabe an Tätigkeiten mit anderen Kindern werden Kompetenzen erworben und koordinative Fähigkeiten stabilisiert.
    Diese unaufholbare Interaktion mit allen Schülerinnen und Schülern schafft neues Bewusstsein für die nächsten Generationen und ermöglicht größtmögliche Partizipation der Schülerinnen und Schüler in der Schule und der gesamten Gesellschaft.
    Anna Türk (Sozialpädagogin)
    Eveline Veratschnig (Diplomierte Behindertenpädagogin)
    Astrid Popofsits (SOL; Klassenlehrerin)

  • Ich bin Mutter eines achtjährigen Autisten der die 2.Kleinklasse VS 14.Welzenegg in Klagenfurt besucht.
    Anfangs war ich auch sehr skeptisch und hatte große Zweifel angesihts der Tatsache,dass mein Sohn in das neue Schulsystem integriert werden solte.
    Nach dem ersten Schuljahr habe ich gewusst,dass es das richtige für meinen Sohn ist.
    Er geht sehr gerne in die Schule,fült sich wohl in seiner Klasse und die Mitschüler haben ihn voll akzeptiert.
    Seine drei Lehrerinnen bilden ein perfekt funktionierendes Team.
    Es gibt keine Grund für Ängst oder sorgen über neue Schulsystem.
    L.g.

  • Mein Sohn ist 10 Jahre alt und besucht eine Inklusion klasse in Welzenegg. Er war bei der Geburt 10 Minuten ohne Sauerstoff und hat einen Entwicklungsrückstand. Ich muss sagen das ich von dieser Schule begeistert bin. Es sind 5 Kinder in der Klasse und die Lehrerinnen und Betreuer sind sehr kompetent. Mein sohn bekommt Logopädie, ergotherapie und Hypotherapie. Er hat seit September 2016 sehr grosse Fortschritte gemacht: viele Buchstaben gelernt, kann unterschiedliche Begriffe identifizieren, kann Bilder und Gegenstände richtig benennen…bekommt einzelförderung! Was mich besonders freut ist das die KleinKlasse Kooperation mit einer andere Klasse macht: zb. Beim Malen, Turnen sind die Kinder zusammen gemischt und lernen von einander.er geht gerne in die Schule und fühlt sich wohl.ich war am Anfang auch sehr skeptisch, habe nicht gewußt was die Inklusion bedutet aber jetzt weiß ich dass diese Shule- Inklusion für ihn bis jetzt unsere beste Entscheidung ist.

  • Ich freue mich sehr, dass sich bei dieser Diskussion endlich auch Lehrerinnen einbringen, die selbst integrativ unterrichten und dies als positiv erleben! Vielen Dank für die ermutigenden Schilderungen!

    Ich habe mir von Lehrerinnen aus Tirol sagen lassen, dass sie mit negativen Konsequenzen rechnen müssen, sollten sie sich positiv über die schulische Integration von Kindern mit Behinderungen äußern. Vielleicht schwappt ja via Osttirol ein bissl was herüber nach Nord-Tirol von der positiven Entwicklung in Kärnten!

  • Im Bezirk St. Veit/Glan gibt es seit vielen Jahren keine Sonderschule mehr. Alle Kinder werden integrativ / inklusiv unterrichtet und wir versuchen sie wohnortnah zu betreuen. Wir sind ein weitläufiger Bezirk, in dem sich sowohl die größte NMS und die größte VS Kärntens befinden, als auch viele Kleinschulen, die niedrig organisiert sind. Es ist unser Bestreben, allen Schülerinnen und Schülern die bestmögliche Förderung und Unterstützung zukommen zu lassen. Gerade aus unseren Inklusionsklassen erhalten wir nahezu nur positive Rückmeldungen, speziell auch von jenen Eltern, deren Kinder vorher in einer Sonderschule betreut wurden. Die Kinder sind an den Schulstandorten Teil des Ganzen, haben viele Sozial- und Lernkontakte und sind mittendrin statt nur dabei. Zudem verfügen die Inklusionsklassen weitgehend über eine sehr gute Ausstattung, die Schülerinnen und Schüler werden therapeutisch betreut und es gibt für alle Kinder eine entsprechende Nachmittagsbetreuung. Die Rückmeldungen aus diesen Klassen zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die anfänglichen Sorgen und Ängste der betroffenen Eltern sowie die Skepsis mancher am Inklusionsprozess Beteiligten haben sich aufgelöst und sind einer breiten Zustimmung gewichen. Wir hoffen, dass die notwendigen Rahmenbedingungen für ein inklusives Schulsystem weiterhin zur Verfügung stehen bzw. ausgebaut werden.

  • ich freue mich, dass hier einige pädagoginnen endlich postiv und erfreulich über inklusion schreiben. danke ihnen allen dafür! es bedarf noch viel aufklärung und angst nehmen unter eltern wie unter pädagogInnen, aber als vorsitzende von lobby4kids – kinderlobby bin ich überzeugt davon , dass alle von inklusion profitieren, wenn man sie richtig angeht!

  • Ich bin Leiterin eines Pädagogischen Beratungszentrums und Landeskoordinatorin für Inklusion in Kärnten. Da ich selbst jahrelang Lehrerin in Integrationsklassen war, weiß ich, was möglich ist, wenn sich beeinträchtigte Kinder in einer vorbereiteten, kindgerechten, realen und auf ihre notwendigen Bedingungen abgestimmte Lernumgebung entwickeln können. Ich stimme der Frau Ministerin Hammerschmidt zu, dass es Gespräche mit Eltern und Pädagogen/innen geben muss, um Ängste und Unsicherheiten abzubauen. Wir haben in Klagenfurt viele gute Beispiele, die ganz klar und deutlich den Vorteil inklusiver Beschulung aufzeigen. Dies höre ich auch immer wieder in Gesprächen mit Eltern und besonders in den Vernetzungssitzungen mit allen am Kind beteiligten Personen im Schulbereich (Lehrer/innen, Therapeuten/innen, Behindertenfachkräfte, Unterstützungspersonal). Die Qualität einer sonderpädagogischen Betreuung darf nicht verlorengehen, sie hat sich in den Regelschulen etabliert und bewährt und dies zeigen uns viele positive Entwicklungen von Kindern. Dafür ist es notwendig – im intensiven Austausch mit den Eltern und der Regelschule – Rahmenbedingungen zu besprechen und sie vorzubereiten, damit Kinder eine größtmögliche Teilhabe am normalen Schulalltag und damit auch am gesellschaftlichem Leben erleben. Viele Klassen im Regelschulsystem in Kärnten zeigen, dass dies sehr gut gelingt.

  • Ich unterrichte das 3. Jahr in einer Inklusionsklasse und bin begeistert, wie viel die Schüler und Schülerinnen in diesen 3 Jahren durch den intensiven Austausch mittels Projekten mit verschiedensten Kooperationsklassen gelernt haben. Ich bin dankbar, dass es die Möglichkeit der Inklusion gibt! Wären wir isoliert in einer Schule, gäbe es niemals die Möglichkeit an so tollen Physik- und Chemieprojekten teilzunehmen, Ausflüge, Turnunterricht, gemeinsamen Firmunterricht mit anderen katholischen Schülern,…. Ich bin begeistert, dass es die Möglichkeit zum gemeinsamen Unterricht gibt!

    • Ich habe vergessen zu erwähnen, dass meine Schüler vom BFZ Klagenfurt reintegriert wurden und die selben Therapiemöglichkeiten wie in der Gutenbergschule erhalten. Der überaus hohe Grad der Zufriedenheit Eltern bestärkt uns weiter zu arbeiten und uns weiterhin für die Inklusion einzusetzen!

  • gut, dass man sich damit auseindersetzt, barrieren abbauen will, ist noch viiiieeeeel

    zu tun !

  • Ich war 10 Jahre lang Direktor einer Sonderschule und nun seit vielen Jahren Leiter eines Sonderpädagogischen Zentrums. Wir haben in meinem Zuständigkeitsbereich eine sehr hohe Inklusionsrate (über 90%). Die Eltern und Lehrer sind sehr zufrieden und den Kindern geht es äußerst gut. Immer wieder kommen Eltern zu mir und bedanken sich für die Möglichkeit einer inklusiven Beschulung. Davon profitieren beide Gruppen: die Kinder mit Behinderungen und die chronisch Normalen. Es ist beschämend, dass im 21. Jhd noch immer überlegt wird Kinder wegen einer Behinderung “wegzusperren“. Jeder, der je in die Augen eines glücklichen Integrationskindes geblickt hat, wird die Abschaffung der Sonderschule fordern. Es braucht für eine gelungene Inklusion natürlich die notwendigen Rahmenbedingungen. Auf diese darf nicht vergessen werden. Ich beglückwünsche die Ministerin Hammerschmidt zu dem Bekenntnis zur Inklusion und wünsche ihr viel Kraft bei der Umsetzung

  • Sonderschulenicht sind gut und wichtig Inklusion funktioniert nicht