ORF schränkt Untertitelung auf 160 Stunden ein!

Selten wird einem so klar vor Augen geführt, wie dreist der ORF behinderte Menschen diskriminiert.

Teletext im ORF
BIZEPS

„Die Informationssendungen des Fernsehens sollen nach Maßgabe der technischen Entwicklung und der wirtschaftlichen Tragbarkeit so gestaltet sein, dass gehörlosen und gehörbehinderten Menschen das Verfolgen der Sendungen erleichtert wird., das wird das ORF-Gesetz in Zukunft in § 5 festschreiben.

Monatelang wurde das ORF-Gesetz verhandelt, das die Pflichten des ORF ab dem 1. Jänner 2002 festschreibt. Im Rahmen dieser Diskussion forderten die Behindertenorganisationen, die Volksanwaltschaft und die Oppositionsparteien vehement, daß dem ORF Untertitelung klar vorgeschrieben und das Ausmaß im Gesetz festgeschrieben werden soll.

Eine Chronologie
Im April 2001 wurde in der Wiener Zeitung vermeldet, daß im ORF-Teletext eine Funktionsgruppe „Service“ geschaffen wurde, die „vor allem die Untertitelung für Hörbehinderte intensivieren soll.“

Im Juni 2001 meldete der ORF, daß er nun die Untertitelung „optimiert“ und nun „mehr als 170 Fernsehstunden pro Monat“ ausstrahlt. Das sind zwar nur knapp 10 % der Sendezeit, aber der ORF war trotzdem stolz auf sich selbst. Neu eingeführt wurde die Einblendung eines Symbols, um ja allen zu zeigen, daß diese Sendung untertitelt ist.

Im Juli 2001 antwortete Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel (ÖVP) auf eine Anfrage der leider tödlich verunglückten Abgeordneten Brunhilde Plank (SPÖ) bezüglich der Forderung nach einer Festschreibung der Quote für die Untertitelung: „Ich gehe davon aus, daß das gegenwärtige untertitelte Angebot bereits sehr vielfältig und umfangreich ist, sodaß von einer weitergehenden gesetzlichen Verpflichtung Abstand genommen wurde.“

Das ORF-Gesetz wurde im Parlament beschlossen. Wie von uns befürchtet wurde dem ORF NICHT vorgeschrieben, wieviel Sendezeit er zu untertiteln hat, wie dies in andern Ländern schon längst üblich ist. Somit zeigte der ORF gleich nach der Beschlußfassung, wie eine Personengruppe weiterhin diskriminiert wird. Der ORF kommt somit seinem Bildungs- und Informationsauftrag nicht nach.

Ohne viel Aufsehen wurde im Oktober die Untertitelung von 170 auf nunmehr 150 Stunden pro Monat reduziert. Statt das Angebot – wie versprochen – endlich auszuweiten, fiel es unter jenes Niveau zurück, das der ORF im Juni 1999 dem Parlament gemeldet hat. Eine glatte Blamage und Unverschämtheit!

Unsere Kampagne
Nachdem wir diese Nachricht den Medien entnommen hatten, starteten wir auf Wunsch vieler BeschwerdeführerInnen eine Kampagne im Internet. Wir baten die LeserInnen von BIZEPS-INFO online, dem ORF ihren Unmut mitzuteilen. Innerhalb weniger Tage wurden mehr als 620 Mails an den ORF gesandt.

Einen kleinen Ausschnitt der Mails bringen wir in dem nachfolgenden Beitrag. Aufgrund der Proteste gab der ORF eine schriftliche Stellungnahme ab, in der mitgeteilt wurde, daß man dank intensiver „Bemühungen und Verhandlungen unseren hörbehinderten Sehern wieder mehr ORF-Sendungen mit Untertiteln bieten“ kann. De facto wurde aber nur ein Teil der Kürzungen zurückgenommen und es werden derzeit nur „rund 160 Stunden“ untertitelt.

Da nur ein Teil der Sparmaßnahmen zurückgenommen wurde, gibt es keinen Grund, zufrieden zu sein. Fazit: Der ORF hat sein Untertitelungsservice von 170 auf 160 Stunden gekürzt. Die Medienpolitik der Bundesregierung ist in diesem Bereich wegen Untätigkeit und mangelnden Interesses des Bundeskanzlers gescheitert. Eine Schande, daß dies auf Kosten von hörbehinderten und gehörlosen Menschen passiert.

Die Optik
Im ORF-Gesetz wird erstmals die Untertitelung erwähnt. Trotzdem werden hörbehinderte und gehörlose Menschen weniger Untertitel lesen können als bisher.


LeserInnen – Reaktionen

Hier ein ganz kleiner Ausschnitt der Mails, die an den ORF gesandt wurden:

  • Wo bleibt der Bildungsauftrag des ORF?
  • Ich protestiere auf das Schärfste gegen die Verschlechterung!
  • Werben Sie nicht mit „Licht ins Dunkel“, wenn Sie offensichtlich selbst nicht bereit sind, behinderte Menschen im Alltag zu unterstützen!
  • Im Interesse der Gehörlosen, Schwerhörigen, Spätertaubten bitte ich Sie: Lassen Sie uns nicht im Stich.
  • Wir Gehörlose haben ein Recht auf Information.
  • Können Sie sich eigentlich vorstellen, was Untertitel für einen Menschen, der diese benötigt, bedeuten?
  • Das darf sich nicht so ereignen. Das würde in Österreich die Lebensqualität der Gehörlosen schon wieder verschlechtern.
  • Ich habe selbst eine stark hörbehinderte Freundin und weiß daher um die Wichtigkeit dieses Service.
  • Je weniger die Sendungen untertitelt werden, desto weniger Niveau werden die Gehörlosen in ihrem zukünftigen Leben haben.
  • Ich finde die Kürzung der Untertitelung für Gehörlose eine Schande und eine Frechheit.
  • Ich bitte, daß der ORF mehr Teletextuntertitel sendet und nicht weniger. BITTE!!
  • Durch die geplante Kürzung werden gehörlose Menschen noch mehr isoliert und ihnen wichtige Informationen vorenthalten! Ich ersuche Sie daher, diese Maßnahmen nicht durchzuführen!
  • Es ist eine Schande!!!!
  • Die geplante Kürzung der Untertitel ist diskriminierend und unverständlich.
  • Ich schaue viele Kinderfilme an, aber oft alleine oder mit meinem jüngeren Bruder. Mein Papa und meine Mama können nicht hören und deshalb nicht mit mir zusammen Kinderfilme anschauen. Da können mir Mama und Papa oft nicht erklären, welche Zusammenhänge es gibt. Bitte mehr Untertitel für Mama und Papa.
  • Auch wenn ich diesbezüglich nicht betroffen bin, so erkläre ich mich doch als solidarisch mit dieser Personengruppe.
  • Ich bin immer wieder sehr überrascht, wie unglaublich unfähig Menschen sind, sich in die Lage von anderen Menschen zu versetzen.
  • Die Gleichbehandlungsklausel in der Österreichischen Verfassung scheint bei den Herren des ORF unbekannt zu sein.
  • In Zeiten wie diesen sollte eine AUSWEITUNG des Untertitelservices angestrebt werden.
  • Stellt Euch doch einmal vor, nicht die Hörenden, sondern die Gehörlosen wären in der Mehrheit und würden aufgrund von Sparmaßnahmen den Ton abstellen. Würdet Ihr Euch so eine Diskriminierung gefallen lassen?
  • Ich bin selbst körperbehindert und habe einen sehr guten Freund, der gehörlos ist. Er hat das gleiche Recht fernzusehen wie alle anderen Menschen.
  • Mit großer Überraschung habe ich erfahren, daß sie beabsichtigen, das ohnehin dürftige Untertitelungsservice zu kürzen. Eine Ausdehnung des Untertitelungsservices ist dringend erforderlich.
  • Obwohl ich persönlich nicht von dieser Sache betroffen bin, möchte ich aber doch meinen Mißgefallen zum Ausdruck bringen.
  • Die Bedürfnisse der Hörbehinderten werden einfach links liegen gelassen.
  • In Unterstützung der gehörlosen Mitbürger ersuche ich Sie, die geplante Kürzung zu unterlassen.
  • Das hat man davon, wenn man sich auf Freiwilligkeit und sogenannten guten Willen verläßt. Daß sich der ORF diese Schweinerei durchzuführen getraut, wundert mich aber gar nicht mehr. Wir brauchen endlich gesetzliche Vorgaben.
  • Sollten die Kürzungen jetzt tatsächlich stattfinden, kann man dem ORF nur zu diesem Rückschritt gratulieren. Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen einmal einen Fernsehabend ohne Ton gönnen …
  • Darüber hinaus stellen Untertitel auch eine wesentliche Hilfe für das Lernen der deutschen Sprache dar.
  • Eine unverantwortliche Entscheidung, zumal eine große Anzahl älterer Mitbürger aus dem alltäglichen Geschehen ausgeschlossen wird. Rückschritt statt Fortschritt.
  • Der ORF sollte mit dem Untertitel Gas geben! Nicht nur Filme, sondern auch Serien mit Untertitel senden.
  • Was geht in Ihrem Kopf vor?
  • Wie bitte, kürzen? Nein, das geht nicht, wir wollen 100% mitverstehen.
  • Mein Vorschlag wäre, wenn die Gehörlosen sowie Schwerhörigen mehr Untertitel als bisher fordern, daß in naher Zukunft die Untertitel werbefinanziert bzw. gesponsert werden sollen.
  • … am besten gegen den ORF eine Klage wegen Menschenrechtsverletzung und Informationsdiskriminierung einreichen.
  • Wie man jüngst hören und lesen, jedoch kaum für möglich halten konnte, plant der ORF eine Kürzung seines ohnehin nicht überwältigenden Untertitelungsserivce.
  • Nehmen Sie sich ein Beispiel an anderen großen Fernsehanstalten mit öffentlichem Bildungsauftrag (SRG, BBC etc.), die dieser Verpflichtung nachkommen.
  • Ich brauche Untertitel sonst verstehe ich NIX !!!
  • Ich hoffe, es wird künftig viel mehr Untertitelung im Fernsehen geben.
  • Ich finde es schlimm, daß der ORF sein ohnehin bescheidenes Angebot noch weiter reduzieren will. Welchen Sinn hat ein öffentlich-rechtliches Fernsehen, wenn es nur Programme für Mehrheiten macht?
  • Mich hat die Nachricht erschreckt, daß noch weniger Untertitel für Gehörlose produziert werden sollen.
  • Die paar Untertitel können für den ORF doch keinen so großen Aufwand darstellen.
  • Ich fordere, daß die Untertitelungsfilme erweitert werden! Weil wir Gehörlose Gleichberechtigung fordern gegenüber Hörenden!
  • Ich hoffe, der ORF überlegt sich diesen Schritt noch einmal, wenn nicht, hoffe ich zumindest, daß er mit Sanktionen konfrontiert wird!
  • Betrifft ja nur Gehörlose, und die wehren sich ja sowieso nicht?
  • Das finde ich Scheiße! Höfliche Floskeln sind hier fehl am Platz.
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0 Kommentare

  • und trotzdem kein unterschied haben 2008 untertiteln haben fehler sehr oft sogar aber gebühren will ORF von jeden

  • Ja heute ist wieder eine schande passiert! bei monk gibt es keine untertitel,. was ist mit diesen leuten los. gibt es noch eine größerere mächtigere organisation die da etwas bewirken kann? ORF stinkt schon bis zu den letzen haarwurzeln.

  • Renate, dieser Artikel stammt doch nur aus dem Jahr 2001. Der ORF hatte nach Protesten die Stundenkürzung wieder zurückgenommen. Heute (2003/04) untertitelt der ORF 210 Stunden/Monat (ORF1 + ORF2 zusammen).

  • Ich finde das ist unerhört die Untertiteln zu Kürzen. Ich höre von Kind auf schlecht komme ohne untertitel ín Filmen überhaupt nicht mit. Ich freue immer darauf Filme mit untertiteln. Kommt aber manchmal vor das in der Zeitung oder im Teletex das die Filme mit untertitel kommt, dann eine Absage. Also bitte mehr Filme mit Untertiteln.