ORF sieht vergangenes Jahr als eines der erfolgreichsten des Senders

Jahresbericht 2010 liegt dem Nationalrat vor

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„Das Jahr 2010 war eines der bewegtesten, wichtigsten, aber auch erfolgreichsten in der Geschichte des Unternehmens.“ Mit den neuen gesetzlichen Grundlagen sei es gelungen, stabile, EU-konforme rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Einheit des Unternehmens, die Breite des Angebots und die duale Finanzierung seien gesichert worden. Diese Conclusio zieht der ORF in seinem Jahresbericht 2010, der vor kurzem von Bundeskanzler Werner Faymann dem Nationalrat vorgelegt wurde (III-249 d.B.). Dem Bericht zufolge konnte der ORF 2010 mit einem Plus von 24,9 Mio. Euro positiv bilanzieren, durch „ambitionierte Spar- und Strukturprogramme“ sei die Basis für einen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg gelegt worden.

Ausdrücklich wird im Bericht auch darauf verwiesen, dass der ORF alle gesetzlichen Aufträge und Verpflichtungen, wie etwa den öffentlich-rechtlichen Kernauftrag, erfüllt hat. So seien etwa bei Spielfilmen, Serien und Dokumentationen europäische Werke bevorzugt, im Hauptabendprogramm in der Regel anspruchsvolle Sendungen zur Wahl gestellt, die Eigenproduktionen massiv ausgebaut, die Investitionen in die heimische Produktionswirtschaft auf 95 Mio. Euro erhöht und mehr barrierefreie Sendungen ausgestrahlt worden. Man habe darüber hinaus ein eigenes Informations- und Kulturspartenprogramm auf Schiene gebracht. Auch das ORF-Radio-Symphonieorchester konnte erhalten werden.

ORF-Fernsehprogramme kamen 2010 auf Marktanteil von 37,8%

Als nationalen Marktanteil für die ORF-Fernsehprogramme gibt der Bericht für das Jahr 2010 37,8%, bezogen auf die TV-Bevölkerung über 12 Jahre, an. Das sind im Schnitt 3,6 Millionen ZuseherInnen täglich. In der Programm-Kernzone zwischen 17 und 23 Uhr konnte sogar ein Marktanteil von 42,7% erreicht werden, in Kabel- und Satelliten-Haushalten lag er im Schnitt bei 35,7%. ORF 2 ist mit 2,76 Millionen ZuseherInnen pro Tag und einem KaSat-Marktanteil von 21,9% dabei wesentlich beliebter als ORF 1 mit durchschnittlich 2,23 Millionen ZuseherInnen und einem KaSat-Marktanteil von 13,8%.

Die „Zeit im Bild“ um 19.30 Uhr verfolgten täglich rund 971.000 ZuschauerInnen (46% KaSat-MA), die „Zeit im Bild 2“ konnte immerhin noch 500.000 ZuseherInnen verzeichnen (23% KaSat-MA). Für die TV-Leiste „Bundesland heute“ wurde ein Marktanteil von 57% gemessen.

Auch die ORF-Radiosender behaupteten, wie der Bericht festhält, mit einem Marktanteil von 76% ihre Führungsposition. Das weiterhin klar meistgehörte Radioprogramm ist Hitradio Ö3 mit täglich rund 2,8 Millionen HörerInnen ab 10 Jahren, einer Tagesreichweite von 37,1% und einem Marktanteil von 32%. Der Marktanteil der Regionalradiokette des ORF wird mit 37% angegeben, jener von Ö1 mit 6%. Ö1 hat demnach eine tägliche Hörerschaft von rund 655.000 Personen.

Zu den Publikumshits im Fernsehen gehörten laut Bericht im Jahr 2010 unter anderem die Olympischen Winterspiele in Vancouver und die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Außerdem stießen Wahlberichterstattungen, etwa jene zur Bundespräsidentenwahl, eine sechsteilige Dokumentation zum Zweiten Weltkrieg, diverse Programmschwerpunkte wie beispielsweise zur Eurokrise, Benefizaktionen in Folge der Katastrophen in Haiti und Pakistan, aber auch Showevents wie „Helden von morgen“, Serien wie „Schnell ermittelt“ und opulente TV-Filme wie „Die Wanderhure“ auf breites Publikumsinteresse. Top-Quoten erzielten wie üblich auch das Neujahrskonzert und die Übertragung des Wiener Opernballs.

Programm: 21% Information, 44% Unterhaltung

Insgesamt strahlte das ORF-Fernsehen 2010 netto 17.393 Programmstunden aus – Werbung, Moderation und Programminformationen nicht mit eingerechnet. Rund 21% des Programms entfielen dabei auf den Bereich Information, darunter Nachrichten mit einem Programmanteil von 13%. Der Unterhaltungsanteil am Programm wird mit 44% angegeben, weiters kommen 6% Kultur und Religion, 10% Wissenschaft, Bildung und Lebenshilfe, 7% Sport und 13% Familiensendungen hinzu. Der gegenüber 2009 um 2% gestiegene Sportanteil wird insbesondere mit den Olympischen Winterspielen und der Fußball-WM begründet. Programmschwerpunkte gab es unter anderem zu den Themen Armut, Kärntner Volksabstimmung und Gesundheit.

Exakt 59,7% seiner Sendezeit widmete der ORF laut Bericht Produktionen, die inhaltlich dazu geeignet sind, die österreichische Identität zu fördern und/oder in Österreich produziert wurden. In der so genannten „Prime Time“ (18 bis 22 Uhr) betrug der Anteil der Sendungen mit Österreichbezug sogar 76,7%. Auch der Verpflichtung, in den Hauptabendprogrammen in der Regel anspruchsvolle Sendungen zur Wahl zu stellen, kam der ORF laut Eigendarstellung nach. Gleiches gilt für die Pflicht, abseits von Nachrichten, Sport und Spieleshows im Fernsehen vorrangig europäische Werke (z.B. Serien, Spielfilme und Dokumentationen) zu zeigen. Letztgenannte Pflicht wurde gemäß Bericht mit einem Anteil von 69,2% (ORF 1 40,6%, ORF 2 94,8%) erreicht.

Der Spartenkanal ORF Sport Plus lieferte 2.511 Stunden Sportprogramm, davon 469 Stunden Live-Übertragungen. Am häufigsten wurden Fußball, Tennis, Handball, Volleyball, Motorsport sowie Tanzsport und Golf übertragen. Höhepunkt bei den Eigenproduktionen war die Übertragung der Handball-Europameisterschaft, die in Österreich stattfand.

Neben der Zusammenarbeit mit den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten Deutschlands und der Schweiz im Rahmen von 3sat kooperierte der ORF auch 2010 wieder mit dem deutsch-französischen Kulturkanal ARTE, dem bayerischen Bildungskanal BR-alpha und dem ZDF-Theaterkanal. ORF 2 Europe strahlte via Satellit 80% des Angebots von ORF 2 unverschlüsselt aus.

ORF-Angebot für gehörlose und blinde Menschen stark erweitert

Im Bericht hingewiesen wird auch auf den deutlichen Ausbau des ORF-Angebots für gehörlose, stark hörbehinderte, blinde und stark sehbehinderte Menschen. So wurden in ORF 1 und ORF 2 im Jahr 2010 mehr als 7.199 Sendestunden untertitelt. Das entspricht einer Untertitelungsquote von 41,09% aller im ORF ausgestrahlten Sendungen und einer Steigerung von fast 17% gegenüber dem Jahr 2009.

Prozentuell noch stärker konnte der Anteil an audiokommentierten Sendungen gesteigert werden: Insgesamt wurden 450 Fernsehprogrammstunden mit einer Audiodeskription für sehbehinderte und blinde Personen versehen. Dazu gehörten unter anderem Sportübertragungen und beliebte Krimireihen wie „Tatort“, „Ein Fall für Zwei“ und „Der Alte“.

Detailliert listet der Bericht auch das Angebot des ORF für Volksgruppen auf, wobei unter anderem auf jeweils 35 spezielle wöchentliche Radiosendungen in Wien und im Burgenland, Fernsehmagazine in Burgenlandkroatisch, Ungarisch, Romanes, Tschechisch und Slowakisch sowie auf acht tägliche Programmstunden in slowenischer Sprache im ORF-Radio DVA-AGORA verwiesen wird.

ORF.at und ORF-TVthek äußerst erfolgreich

Was die sonstigen Aktivitäten des ORF betrifft, festigte das Online-Angebot ORF.at laut Bericht im Jahr 2010 seine Position als Marktführer „eindrucksvoll“, wobei oe3.ORF.at/instyle und futurezone.ORF.at wie vorgeschrieben eingestellt wurden. Ebenso wurden regionale Foren und weitere Angebote zur Userbeteiligung wie Chats geschlossen. Die meistgenutzten Online-Angebote des ORF, news.ORF.at und sport.ORF.at, wurden im Juli 2010 technisch modernisiert.

Auch die neue Videoplattform ORF-TVthek bilanzierte im ersten vollständigen Jahr mit durchschnittlich 5,2 Millionen Videoabrufen pro Monat äußerst erfolgreich. Der ORF Teletext wurde vergangenes Jahr im Durchschnitt von 2,14 Mio. LeserInnen wöchentlich genutzt.

Unter der Überschrift „Humanitarian Broadcasting“ verweist der Bericht unter anderem auf Aktionen wie „Licht ins Dunkel“ und „Nachbar in Not“, die ORF-Telefonhotline für Kinder und Jugendliche „147 – Rat auf Draht“ sowie diverse Sozialspots.

Sinkender Personalaufwand trägt zu positivem Jahresergebnis bei

Mit dem bereits oben erwähnten Plus von 24,9 Mio. Euro im Jahr 2010 konnte der ORF sein Jahresergebnis gegenüber 2009, wie der Bericht hervorhebt, um 69,2 Mio. € verbessern. Dazu trug auch ein um 29,3 Mio. € auf 346 Mio. € reduzierter Personalaufwand bei. Insgesamt ist der Personalstand seit 2007 um mehr als 500 Vollzeitäquivalente bzw. 13,7% gesunken.

Die Werbeeinnahmen im TV- und Radio-Bereich waren mit 216,2 Mio. Euro 2010 gegenüber 222,6 Mio. ? 2009 allerdings deutlich rückläufig. Die Erlöse aus Online-Werbung werden im Bericht für 2010 mit 9,8 Mio. Euro, jene aus Sonderwerbeformen mit 33,4 Mio. Euro angegeben. In direktem Zusammenhang mit den ORF-Programmen, etwa aus Koproduktionen und Lizenzen, erwirtschaftete der ORF 2010 25,7 Mio. Euro.

Informationen enthält der insgesamt 164 Seiten starke Jahresbericht 2010 auch über das Qualitätssicherungssystem im ORF, die technischen Reichweiten der Radio- und Fernsehprogramme und den Anteil der Finanzmittel der ORF-Landesdirektionen.

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