Papstbesuch – Pilgerweg mit und ohne Behinderungen

Nach meinen Erfahrungen am Weltjugendtag in Köln vor zwei Jahren war ich neugierig, ob von den Organisatoren auch diesmal jemand an uns gedacht hatte.

Kirche am Berg
Ladstätter, Peter

Abgesehen davon, dass ich mich natürlich vor allem darauf freute, an der Messe mit dem Heiligen Vater in Mariazell teilnehmen zu können.

Wie ich ja bereits das letzte Mal geschrieben habe, träume ich davon, dass solche „Spezialartikel“ bald überflüssig sein werden, weil darin Dinge beschrieben werden, die zu Selbstverständlichkeiten geworden sind … und Sie sich zu Recht darüber beklagen würden, dass ich Sie langweile. Derzeit sind sie aber an dieser Stelle noch berichtenswert. Das gilt eigentlich für alle Bereiche, insbesondere für so große öffentliche Veranstaltungen.

Ich wusste, dass es Rollstuhlplätze geben wird, da ich mich der Pilgergruppe der Malteser angeschlossen hatte und neben Name, Adresse und Geburtsdatum auch angeben sollte, ob ich einen Rollstuhl benutze.

Bei uns im BIZEPS-Büro tauchte die Frage auf, ob man auch in Österreich eine so gute Organisation gemeinsam mit und für behinderte Pilgerinnen und Pilger „hinkriegen“ würde, wie am Weltjugendtag 2005 in Deutschland. – Ich sollte einen Artikel schreiben …

Im Vorfeld war über Internet nicht viel dazu zu erfahren (vielleicht auch, weil nicht alle Links funktionierten). Das vorbereitende Gebet wurde als Brailletext angeboten bzw. in einer Version für sehbehinderte Menschen. Ansonsten wurde auf der offiziellen Homepage zum Papstbesuch – nach Eingabe von Begriffen zum Thema Behinderung in das Suchfeld – lediglich auf die zu erwartenden Verkehrsbehinderungen in Wien hingewiesen.

Das brachte mich zum Schmunzeln und ich dachte mir: Wer weiß, vielleicht ist mein Traum von der Selbstverständlichkeit schon näher gerückt … Ich ließ mich also überraschen … und werde im Folgenden nur berichten, was ich als Pilgerin diesbezüglich mitbekam …

Die Begegnung mit Papst Benedikt XVI. am Hof (07.09.2007) verfolgte ich im Radio und freute mich, als angekündigt wurde, dass eine der Fürbitten in Gebärdensprache vorgetragen werden wird. Als eine kurze Stille eintrat, wusste ich, dass wohl gerade gebärdet wird. Der Komentator las den Text der Fürbitte vor.

Ich fand schön, dass diese Bitte – wie auch jene, die eine blinde Frau während der Messe in Mariazell (08.09.2007) sprach – man sah auf der Leinwand, wie ihre Finger über einen Brailletext wanderten, allgemein gehalten war und sich nicht speziell auf behinderte Menschen bezog.

Die Rollstuhlplätze befanden sich im Mittelgang der Basilika, direkt beim Gnadenaltar – wodurch wir den Einzug des Heiligen Vaters und der Bischöfe sowie die Anbetung und die Prozession mit der Gnadenstatue aus der Basilika zum Altar unmittelbar miterleben konnten – und nicht zuletzt vor der unfreundlichen Witterung geschützt waren.

Die Messe selbst verfolgten wir über eine Leinwand.

Wenn etwas nicht in deutscher Sprache vorgetragen wurde, wurden Untertitel eingeblendet. Der Text konnte außerdem im Pilgerheft mitgelesen werden. Ob in anderen Sektoren ständig Untertitel auf der Leinwand eingeblendet wurden oder Gebärdensprachdolmetscher zur Verfügung standen, weiß ich nicht.

Persönlich möchte ich sagen, dass ich die Predigt sehr ermutigend fand und mich die Messe insgesamt tief beeindruckt hat. Die Stimmung war von Offenheit, und Hilfsbereitschaft geprägt. So möchte ich auch mich bei den Maltesern und allen, die dazu beigetragen haben, bedanken, dass sie sich von den witterungsbedingten Schwierigkeiten nicht abschrecken ließen und dadurch ein so schönes Gemeinschaftserlebnis möglich wurde.

Ich hoffe, dass am gemeinsamen Pilgerweg unseres Lebens, von dem in der Predigt die Rede war, noch viele sichtbare und unsichtbare Barrieren, bauliche, organisatorische und zwischenmenschliche abgebaut bzw. gemeinsam überwunden werden können.

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