Peer Counseling Seminar

Vom 14. bis 16. Oktober 1996 findet in Wien ein vom BIZEPS veranstaltetes Seminar zur Beratungstechnik "Peer Counseling" mit den amerikanischen TrainerInnen Bill und Vicki Bruckner statt.

Victoria und Bill Bruckner
Victoria und Bill Bruckner

Peer Counseling ist das Anwenden von aktivem Zuhören sowie anderen problemlösenden Techniken um jeweils gleichartig Betroffene („peers“) zu beraten.

Peer Counseling wird unter anderem als die pädagogische Methode und Beratungstechnik der Selbstbestimmt Leben Bewegung bezeichnet und beruht teilweise auf der Theorie der „klientenzentrierten Gesprächstherapie“, die von Carl Rogers in den 60er Jahren entwickelt worden war.

Dahinter verbirgt sich die Erfahrung der gegenseitigen Unterstützung in Selbsthilfegruppen, die Personen mit ähnlicher Erfahrung, in diesem Fall behinderte Menschen, machen. Wie auch in anderen Gruppen (z. B. Frauen, AlkoholikerInnen etc.), führte dies zu der bewußteren Erfahrung der eigenen Identität.

Ein Ergebnis davon ist eine gesellschaftliche Einstellungsänderung, die die Wahrung und Entwicklung der Bürgerrechte für behinderte Menschen nachhaltig gestärkt hat.

Peer Counseling ist eine aktivierende Beratungstechnik des Redens und des Zuhörens, die es SprecherInnen erlaubt zu reden und ZuhörerInnen wirklich zuzuhören. Die SeminarteilnehmerInnen haben die Gelegenheit, die Techniken, die sie lernen, mit den anderen TeilnehmerInnen praktisch anzuwenden.

Bill und Vicki Bruckner, sind behinderte Menschen, die mehr als 20 Jahre gemeinsamer Peer Counseling Erfahrung in den Vereinigten Staaten haben. Beide lehren schon jahrelang in Amerika und Europa behinderten Menschen die Methoden von Peer Counseling und waren in den Selbstbestimmt Leben Zentren von San Francisco, Belmont und Berkeley in Kalifornien von 1978 bis 1993 tätig.

Es ist nicht die Aufgabe eines Peer Counselors, die Probleme eines anderen zu lösen, sondern lediglich dem anderen zu helfen, selbständig entsprechende Lösungen zu finden. Peer Counselors sagen weder, was jemand „tun sollte“, noch geben sie Ratschläge, sondern fördern gleichartige Personen darin, Problemlösungen zu entdecken, und zwar durch Zuhören, Erfahrungsaustausch und dem Herausfinden von Handlungsmöglichkeiten.

„Gleichartig“ heißt, daß es sich um Menschen handelt, die gleichartige Lebenserfahrungen teilen. Zum Beispiel sind zwei Menschen, die dem gleichen Geschlecht angehören, gleichartig. Oder zwei Studenten. Ebenso behinderte Menschen.

Peer Counseling bei behinderten Menschen ist daher eine Beratung, die von einer behinderten Person zur Verfügung gestellt wird, die über behinderungsbedingte Erfahrungen und Kenntnisse sowie über Fähigkeiten, mit der eigenen Behinderung umzugehen, verfügt.

Peer Counseling wurde somit ein integraler Bestandteil der Selbstbestimmt Leben Bewegung um Strategien herauszufinden und weiterzuentwickeln, die ihren Zielen von Gleichheit, Freiheit und Selbstbestimmung entsprachen.

Für jene, die im Vorjahr das Einführungsseminar in Peer Counseling in Salzburg absolviert haben, wird es weiters vom 17. bis 20. Oktober 1996 ein Aufbauseminar in Wien geben.

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