Pensionsversicherung: Verbesserung bei Pflege behinderter Kinder

AKNÖ: Rückwirkende kostenlose Selbstversicherung auf 10 Jahre ausgeweitet

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Die Pflege eines behinderten Kindes erfordert oft die gänzliche Beanspruchung eines Elternteiles. Dieser kann daher keiner Erwerbstätigkeit nachgehen und damit auch keine Pensionsjahre sammeln.

Aus diesem Grund gibt es für Betroffene die Möglichkeit, sich freiwillig selbst in der Pensionsversicherung zu versichern. Seit Beginn dieses Jahres sogar rückwirkend für 10 Jahre.

Über 13 Jahre lang pflegte Sabine Z. ihren schwerbehinderten Sohn und konnte in dieser Zeit deshalb nicht arbeiten. Die Folge: Es fehlen ihr die Versicherungsjahre. „Was die Mutter nicht wusste: Für den Fall konnte man sich bei der Pensionsversicherung freiwillig und kostenlos versichern lassen“, sagt AKNÖ-Expertin Dr. Ursula Janesch.

So wie Frau Z. ging es zahlreichen Elternteilen mit dem gleichen Schicksal. Zwar gab es schon bisher die Möglichkeit, sich rückwirkend bis maximal ein Jahr rückversichern zu lassen, in den meisten Fällen bedeutete das jedoch bestenfalls einen Tropfen auf dem heißen Stein.

Seit 1. Jänner ist ein neues Gesetz in Kraft: Demnach können Betroffene insgesamt 10 Jahre (maximal 120 Monate) an Selbstversicherung bei der Pensionsversicherungsanstalt rückwirkend beantragen. Infrage kommen dafür jene Pflegemonate, die zwischen 1. Jänner 1988 bis 31. Dezember 2012 liegen.

Die Voraussetzung für den Anspruch auf diese rückwirkende Versicherung: Für das behinderte Kind wurde die erhöhte Familienbeihilfe gewährt und der Wohnsitz muss sich im Inland befinden. Die pflegende Person muss dafür aber einen Antrag bei der Pensionsversicherungsanstalt stellen.

„Viele Betroffene haben aus Unkenntnis über diese Möglichkeit keinen Antrag gestellt und so viele Pensionsjahre verloren. Deshalb empfehlen wir, sich bei Erfüllung der Voraussetzungen unbedingt rückwirkend selbst zu versichern“, sagt Dr. Ursula Janesch.

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0 Kommentare

  • @Charlotte

    Danke, eine äußerst interessante und hilfreiche Information.

    Über die unterschiedlichen Bemessungsgrundlagen war ich schon länger informiert, allerdings nicht darüber, dass seit drei Jahren die Beiträge der Familienlastenausgleichsfonds begleicht.

    Werde noch diesen Monat einen Wechsel beantragen.

  • vielleicht auch für andere eine interessante Information über Pensionsversicherung bei Pflege:

    Selbstversicherung in der Pensionsversicherung – Wechsel möglich!
    Bis jetzt war ich bei der PVA für die „Pflege eines behinderten Kindes“ pensionsversichert. Bei dieser Versicherungsmöglichkeit darf man nur bis zur Geringfügigkeitsgrenze dazuverdienen. Die Bemessungsgrundlage ist 2013 € 1.081,80.
    Überschreitet man die Geringfügigkeitsgrenze, ist man automatisch von dieser Versicherung ausgeschlossen. Durch die Pflege kann man nicht sehr viel „daneben“ arbeiten.
    Seit August 2009 gibt es auch für Eltern behinderter Kinder die Möglichkeit, eine „Selbstversicherung für pflegende Angehörige“ zu beantragen.
    Die Bemessungsgundlage ist hier 2013 € 1.614,32.
    Es ist möglich, 30 Stunden zu arbeiten (außerdem gibt es keine Einkommensgrenze), ohne aus dieser Versicherung zu fallen.
    Zusätzlich erworbene Bemessungsgrundlagen werden zu dieser Bemessungsgrundlage dazugezählt bis zu einer Höchstbemessungsgrundlage von 2013 € 5.180,-!
    Obwohl es die „bessere“ Versicherung für die „Pflege behinderter Angehöriger“ schon seit über drei Jahren gibt, habe ich nur durch bloßen Zufall davon erfahren.Es gab und gibt von der PVA keine diesbezüglichen Informationen.
    Die PVA Mitarbeiter dürfen bei den Sprechtagen auch keine Informationen darüber geben. Begründung: Es handelt sich um öffentliche Gelder! (das sagte mir eine PVA Angestellte am Telefon!!)
    Übrigens ist auch das Formular für diese beiden Versicherungsarten bis auf ein anderes Kästchen zum Ankreuzen identisch und es gibt keine Beilage, die erklärt, welche Vor- und Nachteile diese beiden Versicherungsmöglichkeiten haben.
    Mir drängt sich der Verdacht auf, dass hier ein Skandal vorliegt, der aufgedeckt gehört.


  • Die Möglichkeit der 10 Jahre rückwirkenden Geltendmachung des Pensionsversicherungs- Anspruchs ist natürlich eine positive Entwicklung. Noch besser wäre es aber, wenn es gar keinen Anspruchsverfall gäbe.
    Der erste Satz festigt aber leider eine von vielen Halbheiten der öffentlichen Kommunikation der für das im Staatenvergleich sehr reiche Österreich äußerst beschämenden Tatsache, dass es noch immer keine sozialen Grundrechte und damit insbesondere in Fällen hohen Unterstützungsbedarfs weder soziale Sicherheit noch durchsetzbare Menschenrechte gibt.
    Und zwar die Feststellung: „Die Pflege eines behinderten Kindes erfordert oft die gänzliche Beanspruchung eines Elternteiles“ ist dahingehend richtig zu stellen, dass bei Schwerstbehinderung und intensivem 24-Stunden- Schwerstpflegebedarf oft auch BEIDE Elternteile über ihre Belastungsgrenzen kommen können.
    Wegen Unterstützungs-, Betreuungs- und Pflegeleistungen von bis zu etwa 2,5 „Vollzeitäquivalenten“ JE Elternteil, lassen sich so „nebenbei“ auch für den zweiten Pflegenden keine Pensionsversicherungszeiten erwerben. Eine 1:1 Rund-um-die-Uhr-Pflege entspricht mehr als fünf Vollzeit-Dienstverhältnissen.
    Und was hier noch gar nicht angesprochen ist und bisher auch noch von niemandem beantwortet wurde bzw. beantwortet werden wollte: wovon sollen eigentlich derart vollbeschäftigte pflegende Angehörige VOR dem Eintritt ins Pensionsalter ihren Lebensunterhalt halbwegs sichern können? Von Diskriminierungsfreiheit, Solidarität, Menschenwürde und Fairness sind wir noch sehr sehr weit entfernt.