People don‘t need charity, it‘s Justice what we need!

Tragik ist Komik in Spiegelschrift, habe ich heute früh in einem ersten Impuls geschrieben. Ein Kommentar.

Christine Steger
Christine Steger

Warum? so let me explain: Auf Twitter gibt es (berechtigte) Empörung über die Tatsache, dass Licht ins Dunkel heuer unter anderem sammelt, um Kindern Arbeitsgerät für die Schule (vulgo: Computer/Laptops/Tablets) für Distance Learning zu kaufen.

Weil: Wir haben ja erst 8 Monate Pandemie, also quasi erst seit vorgestern. Da war es ja gar nicht möglich, dass sich das zuständige Ministerium wie im Frühjahr angekündigt, darum kümmert. Eh klar. So also zurück zur Empörung. Es wird sich also empört, weil viele Kinder nicht die notwendigen Arbeitsgeräte haben und die Eltern das finanziell nicht stemmen können, sie also auch nicht mehr gut am Unterricht teilhaben können.

Weil Distance Learning eben technische Infrastruktur wie Laptops oder Tablets erfordert. (Sidestep: Nicht nur das, auch Eltern, die Zeit für Homeschooling haben.) So weit, so berechtigt. Aber jetzt wird es aus Sicht der Disability Community zum Lachen (und damit ist das verzweifelte, ungläubige Lachen gemeint):

Denn genau DAS ist der Kern des Problems mit Licht ins Dunkel, den wir aus der Behindertenbewegung seit Jahren, NEIN seit Jahrzehnten kritisieren, aufzeigen und dafür kämpfen, dass sich das schlichtweg aufhört.

Denn was wir erleben ist Folgendes: Aufgaben der Solidargemeinschaft werden nicht mehr als gemeinsame Verantwortung gesehen. Die Verantwortung wird ausgelagert und in den Bereich der Spenden und Almosen verschoben. Das heißt, es wird eine Trennlinie zwischen „Innen“ und „Außen“ gezogen. Anstelle von Justice gibt es Charity. Und das ist armselig.

Und was mich das kümmert?

Well, es ist das tägliche Brot zur Weihnachtszeit für Menschen mit Behinderungen. Anstelle von Rechten, die wir verbrieft seit 2006 (wo das Gleichstellungsgesetz eingeführt wurde) und 2008 (wo die UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ratifiziert wurde) auch vom Gesetz her haben, werden uns in vielen Lebensbereichen nur Almosen zugestanden.

So, als Menschen hatten wir diese Rechte ja auch laut Verfassung ja sowieso schon immer, aber es musste dennoch erst mal juristisch festgehalten werden, dass wir nicht schlechter oder anders behandelt werden dürfen, als chronisch mehrfach normale Menschen. Aber anstelle von Rechtsanspruch auf Assistenzleistungen, Hilfsmitteln oder andere dringend notwendigen Unterstützungstools, gibt es für unsereins Spendengelder, die man dann dankbar annehmen darf.

Anstelle von echten Jobs mit echtem Gehalt gibt es nach wie vor 24.000 Menschen, die in „Werkstätten“ „arbeiten“, aber keinerlei Entlohnung oder Pensionsanspruch haben. Anstelle eines aufgeklärten Bildes von Menschen mit Behinderungen als gleichberechtigte Mitbürger*innen, als Träger*innen von Rechten, gibt es ein verstaubtes, paternalistisches Bild des „bedürftigen“ Opfers. Dorthin schauen, wo niemand hinschaut? Excuse me?

Don’t get me wrong

Die eingenommenen Spendengelder von Licht ins Dunkel werden dringend benötigt, in sehr vielen Bereichen – aber nur deshalb, weil sich der Staat immer mehr zurückzieht oder in Bereichen noch nie notwendige Leistungen bereit gestellt hat. People don’t need Charity, it’s Justice what we need.

Vielleicht versteht die österreichische Mehrheitsgesellschaft jetzt endlich anhand des Beispiels der Schulkinder, für die Geld für Arbeitsgeräte gesammelt werden, WAS falsch daran ist und warum wir das so heftig kritisieren. Licht ins Dunkel ist nicht das Problem, sondern die Tatsache, dass es so etwas wie Licht ins Dunkel überhaupt braucht.

Wo doch klar ist, dass wir Menschen mit Behinderungen ein integraler Bestandteil dieser Gesellschaft sind und Leistungen für uns Aufgabe der Solidargemeinschaft sind. Mit Spendensammlung für „uns“ wird aber auch deutlich gemacht, dass das wohl nicht von allen so gesehen wird.

PS: Im Übrigen kann man Spenden sammeln, auch ohne Hegemonie und Mitleid. Die Aktion Mensch in Deutschland macht das seit vielen Jahren sehr unaufgeregt und sehr gut.

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10 Kommentare

  • Das Statement und diese Haltung finde ich sehr passend! Danke.

  • Dass ein Kind kosten verursacht, wussten Mama und Papa ahoffentlich schon vorher. Mir geht es nicht um den Mehraufwand, den eine Behinderung verursacht und auf den ein Rechtsanspruch bestehen muss.
    Ein Notebook ist heutzutage Mindeststandard, mit oder ohne Coronakrise und sehr günstig zu haben. Gute Chromebooks gibt es neu ab vertretbare 100 €, einwandfreie Gebrauchtware mit Windows ab 200.
    Gejammert wird immer und wenn man dann mal vorsichtig nachfragt, warum nicht einfach verhütet wurde, ist die Hölle los.
    Ich habe tatsächlich kein Verständnis für die Aufregung, hier ist Licht ins Dunkel endlich mal angebracht und nicht bei dringend benötigten Behindertenhilfsmitteln und Heilbehelfen.

  • Justice delayed is justice denied!

  • einzige Kritik: englische Begriffe ohne zumindest zu übersetzen. Allem anderen stimme ich zu und hoffe auf Besserung!
    Wie Andrea Mielke sagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt!
    Wenn der Staat allen anderem in der Krise der Pandemie „schön tut“, dann darf sie auch die Kosten unserer SchülerInnen übernehmen, deren Eltern sich keine Tablets udgl. leisten können.

  • Einmal Englisch, einmal Deutsch. Warum?
    Und wo bleibt die „leichte Sprache“, liebe Christine?
    Ein paar fremde Wörter weniger hätte dem Artikel gut getan.
    Im übrigen will eh (fast, so hoffe ich) niemand diese mitleidstriefende Aktion Licht ins Dunkel, oder?
    Alle Jahre wieder ein Brechreizmittel! So schön kann da gar niemand singen, dass einem NICHT das Würgen kommt! Und ja, ALLE machen mit. Wo bleibt unsere Vertreterin Kira Grünberg?
    Ich fürchte die ist ins Wachkoma entfleucht. Man hört ja gar nix mehr von ihr.

    Wir wollen jedenfalls SELBSTBESTIMMT LEBEN und das mit Rechten (z.B. auf einheitliche persönliche Assistenz überall) und noch mehr Möglichkeiten!
    Das wollen wir schon lange!
    Wann kapiert das die Politik, und Licht ins Dunkel sowieso endlich?
    Tja, da fällt leider noch viel weihnachtlicher Schnee…

    Dennoch ich gebe NICHT auf und hoffe auf Veränderung!
    Denn bekanntlich stirbt diese zuletzt!

  • Dem schließe ich mich an. Kämpfe seit 3 Jahren um digitale Ausstattung für den Inklusionsbereich – als Grundlage einer zeitgemäßen korrekten Arbeitsweise im inklusiven Schulsetting – derzeit immer noch auf den „Klingelbeutel“ angewiesen…

  • Warum mal englisch, mal deutsch? Warum ein paar universitäre Fachtermini? Warum der Artikel (erst) jetzt?
    Plant der Monitoringausschuss eine entsprechende Aufarbeitung der Coronakrise mit Fokus behinderte Menschen? Wenn ja, in welcher Form(en)? Gibt es eine anonyme Beschwerde-Stelle? Wird es eine öffentliche Sitzung geben? Wie ist es den Behinderteneinrichtungen (auch Wohnbereich) ergangen? Information? Transparenz? Diskussion? Forderungen an ganze Politik??

  • Ich befürchte, da zeichnet die Autorin ein etwas Rechtsverdrehtes Bild, denn eigentlich wäre die Aufgabe, d. VfGH zu befragen, was das gleiche Recht auf Bildung gem. Art. 2 EMRK alles beinhaltet, so u. A. eben angesprochene Laptops.
    Mir kommt die Behindertencommunity immer wieder vor wie d. Unterschied zw. Freiland- und Batterielegehühner: Weil es einfacher und effizienter ist, schaue ich, sie in Batterien zu halten. Um jedoch Freiland zu werden, DAFÜR hat jede/r zu sorgen und ein Kollektivgejammere bringt nix. Leider.

  • Danke, danke, danke! Für diesen mehr als berechtigten wütenden Kommentar. Und alle Jahre wieder machen alle mit, inklusive PolitikerInnen der Grünen.

  • exzellent. punktgenau.
    was das türkise inkompetenzzentrum vulgo türkise ministerInnen und der bubikanzler verpocken, ist selbst für einen comedyplot zu doof. aber die mehrheit der Ö liebt solche blender.