10. Woche 2026 – 50 Jahre Bundesbehindertenbeirat
Der Bundesbehindertenbeirat ist 50 Jahre alt. Er hat sich von einem Beirat, in dem nicht behinderte Menschen für behinderte Menschen …
Die WAG Assistenzgenossenschaft Niederösterreich organisierte am 1. Oktober 2008 in St. Pölten eine interessante Veranstaltung unter dem Titel "Alltag, Arbeit, Assistenz - Leben mit Behinderung".
„Wir beraten zur Zeit 51 KundInnen in ganz NÖ, und koordinieren über 72 persönliche AssistentInnen“, berichtete der WAG-Geschäftsstellenleiter Mag. Christoph Dirnbacher und zeigte sich erfreut darüber, dass rund 65 Personen an der Veranstaltung in den Räumlichkeiten der Arbeiterkammer teilnahmen.
„Viele Menschen mit Behinderung benötigen Persönliche Assistenz sowohl im Alltag als auch bei der Arbeit. Unsere diesjährige Veranstaltung beschäftigt sich daher mit den Auswirkungen eines bundesweiten Assistenzsicherungsgesetzes“, hielt er fest.
Mag. Josef Fraunbaum, Sozialrechtsexperte der Arbeiterkammer NÖ, erzählt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, welche Leistungen die Arbeiterkammer anbietet und „warum Interessensvertretung wichtig ist“.
Exemplarisch erwähnt er, dass Eltern behinderter Kinder nach der Betreuungszeit Anspruch auf Arbeitslosengeld haben können, sowie Prozesse um falsche Einstufungen beim Pflegegeld bei Kindern.
Der NÖ-Landesstellenleiter des Bundessozialamtes, Mag. Manfred Rötzer, sieht in der Persönlichen Assistenz „was ganz was Besonderes“ und betont, dass das Bundessozialamt seit Jahren „auf dem Weg zu einem Kompetenzzentrum“ ist. Die Persönliche Assistenz hält er für wichtig: „Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg.“
Stirnrunzeln ruft sein Statement zum Thema Behinderteneinstellungsgesetz hervor. Er weist darauf hin, dass man die „Begünstigen Eigenschaft“ – also beispielsweise den erhöhten Kündigungsschutz – „nicht wieder los wird“. Er sieht das negativ und dies ist seiner Meinung nach „ein Teufelskreis“. Daher warnt er seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „nicht leichtfertigt dafür zu werben“.
Wie es derzeit um die Persönliche Assistenz in Niederösterreich steht, zeigen Christoph Dirnbacher und Agnes Ehemoser (beide von der WAG) auf. Sie erzählen Fallbeispiele aus dem Beratungsalltag und halten fest: „Es gibt keine Patentlösungen.“
Die über 70, in ganz Niederösterreich tätigen, Persönlichen AssistentInnen sind bei der WAG NÖ entweder als Freie Dienstnehmerinnen bzw. Dienstnehmer beschäftigt, oder gemäß dem Kollektivvertrag für Gesundheits- und Sozialberufe angestellt.
Wie negativ sich falsch verstandener Föderalismus auswirkt, zeigt Martin Ladstätter von BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, in seinem Referat. Ob behinderte Menschen Persönliche Assistenz erhalten und unter welchen Kriterien sie diese erhalten, hängt derzeit noch vom Wohnort (und der Zuständigkeit des jeweiligen Bundeslandes) ab. Er forderte mit Nachdruck österreichweit einheitliche Regelungen für bedarfsgerechte Persönliche Assistenz.
Einen umfangreichen „Blick über den Tellerand“ gewährte Andreas Vega vom Verband behinderter ArbeitgeberInnen in seinem europäischen Vergleich der Assistenzregelungen. Er hebt besonders Schweden als Vorbild hervor und ergänzt: „Norwegen und Finnland dürften auch recht gute Lösungen haben.“
Massiv kritisiert er die Heimbetreiber, die höchstes wirtschaftliches Interesse an unselbständig gehalten Menschen hätten, und so gut verdienen und starkes Lobbying in der Politik betreiben.
Sehr gut angekommen sind auch die Erfahrungsberichte von Menschen, die mit Assistenz in Niederösterreich leben. Der Punkt war leider etwas spät angesetzt und so haben ihn nicht mehr alle gehört.
Die Veranstaltung hatte auch ein begleitendes Kulturprogramm. Musikalische Einlagen von MC Ron und eine Tanzperformance lockerten den Tag auf.
Barrierefreiheit sichtbar gemacht: Jede Woche ein Bild, das Erfolge feiert oder Hürden aufzeigt.
Der Bundesbehindertenbeirat ist 50 Jahre alt. Er hat sich von einem Beirat, in dem nicht behinderte Menschen für behinderte Menschen …