Personalmangel in der Pflege gefährdet Grundrechte

VertretungsNetz warnt: Ohne Pflegereform sind Versorgung und Grundrechte der BewohnerInnen in Pflegeeinrichtungen in Gefahr.

Susanne Jaquemar
VertretungsNetz/Albert Maresch

Zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai rückt VertretungsNetz die BewohnerInnen der Pflege- und Betreuungseinrichtungen in den Fokus. Denn Leidtragende des akuten Pflegenotstandes sind nicht nur die Pflegekräfte, sondern vor allem BewohnerInnen und PatientInnen.

Susanne Jaquemar, Fachbereichsleiterin der Bewohnervertretung bei VertretungsNetz warnt: „Durch den Personalnotstand reduziert sich die Betreuung auf ein Minimum. Dieser Pflege- und Betreuungsmangel führt immer wieder zu Beschränkungen der Freiheitsrechte von BewohnerInnen.“

Verstärkte Medikamentenvergabe

„Es fällt uns auf, dass sedierende Medikamente verstärkt eingesetzt werden. Sie machen mittlerweile fast 50 Prozent aller gemeldeten Freiheitsbeschränkungen aus“, ist Jaquemar alarmiert.

Die Bewohnervertretung nimmt wahr, dass vermehrt Medikamente zum Einsatz kommen, wenn BewohnerInnen z.B. in ihrer Demenzerkrankung einen erhöhten Bewegungsdrang zeigen oder bei der Körperpflege ablehnend reagieren. Hier muss man kritisch hinterfragen, ob nicht andere Maßnahmen angewendet werden können, die angemessener und schonender für die BewohnerInnen sind.

Freiheitsbeschränkungen nehmen zu

Notwendige Mobilisierungsmaßnahmen wie Geh- und Bewegungstraining fallen wegen der Personalknappheit immer wieder aus. Stattdessen werden die BewohnerInnen durch freiheitsbeschränkende Maßnahmen wie Sitzhosen, Bettgitter oder verschlossene Türen in ihrer (Rest-)Mobilität beschränkt.

So auch bei Frau H. geschehen: Die Bewohnerin einer Alten- und Pflegeeinrichtung bekommt, abgesehen von wöchentlichen Duschgängen, nicht mehr die erforderliche Unterstützung und Hilfeleistung, damit sie ihr Bett verlassen kann – ihre Mobilisierung ist gänzlich eingestellt. Die fehlende Aktivierung führt zu einer Verschlechterung ihres allgemeinen Befindens. Außerdem ist eine Teilhabe am sozialen Leben für Frau H. seit langem nicht mehr möglich.

Appell an die Politik

Die Personalknappheit treibt die Pflege wieder zurück zu einem veralteten und längst überwunden geglaubten Konzept, das sich auf „warm, satt und sauber“ beschränkt.

„Im Interesse der in der Pflege und Betreuung tätigen Personen, insbesondere jedoch im Interesse der BewohnerInnen bedarf es dringend finanzieller und struktureller Maßnahmen zur Verbesserung des Pflegesystems“, wendet sich Susanne Jaquemar an die Politik. Ohne Pflegereform sind die Grundrechte und die entsprechende Versorgung der BewohnerInnen in Pflegeeinrichtungen in Gefahr. Der Versorgungsauftrag kann nicht mehr geleistet werden, eine bedürfnisgerechte Pflege und Betreuung ist nicht mehr möglich.

AnwältInnen der persönlichen Freiheit

Die Personalnot in Pflegeinrichtungen ist alarmierend. Dennoch darf sie nicht zu ungesetzlichen Eingriffen in die Grundrechte führen. Daher wird die Bewohnervertretung ihrem gesetzlichen Auftrag zur Überprüfung von Freiheitsbeschränkungen weiter nachkommen.

Jaquemar betont: „Das Recht auf persönliche Freiheit ist ein Menschenrecht, das auch für BewohnerInnen und PatientInnen in Pflege- und Betreuungseinrichtungen gilt, und für das wir uns einsetzen!“

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Ein Kommentar

  • Hilft alles nichts, wenn sich in der Pflege der Bodensatz ansammelt, den woanders niemand haben will.
    Den beruf einerseits attraktiver machen und andererseits strenger selektieren, so könnte es funktionieren.