Pflegegeldergänzungsleistung für Persönliche Assistenz – Evaluation 2010

Mag. Martina Plohovits vom Fonds Soziales Wien (FSW) und die Soziologin Mag. Hemma Mayrhofer berichteten beim BIZEPS-Kongress von der Evaluierung der Pflegegeldergänzungsleistung für Persönliche Assistenz (PGE) in Wien.

Martina Plohovits und Hemma Mayrhofer
BIZEPS

Im Rahmen des BIZEPS-Kongresses zur Persönlichen Assistenz im April 2011 informierte Mag. Martina Plohovits, Leiterin der Abteilung Bildung, Beratung, Assistenz beim FSW, über die Ergebnisse einer im Jahr 2010 durchgeführten Evaluierung.

Der vom FSW beauftragte Forschungsbericht umfasst 107 Seiten und ist auf der Homepage des FSW abrufbar.

Die Ergebnisse präsentierte sie gemeinsam mit Mag. Hemma Mayrhofer, der Projektleiterin der wissenschaftlichen Untersuchung. Die Soziologin hatte in der Vergangenheit schon mehrfach Evaluierungen im Bereich Persönlicher Assistenz durchgeführt.

„Ich hab? das Modellprojekt zur Persönlichen Assistenz evaluiert„, erzählte die Wissenschaftlerin und erwähnte auch kurz eine von ihr ebenfalls durchgeführte „Minibegleitforschung zu einem Pilotprojekt in einem anderen Bundesland, wo es um die Umsetzung von Persönlicher Assistenz für Menschen mit kognitiver Behinderung geht“.

Mag. Plohovits erzählte, dass man sich im FSW lange und gründlich auf diese Evaluierung vorbereitet habe, um festzulegen, was genau man untersucht haben wolle. „Wir haben unseren Auftrag extern vergeben. Der FSW wollte nicht sich selbst und die eigene Leistung evaluieren.“ Man habe österreichweit fünf Institute eingeladen, bevor man sich für eines entschieden habe.

Was wurde untersucht?

„Wir haben uns mehrere Ziele bei der Evaluierung gesetzt“, hielt die FSW-Abteilungsleiterin fest. Zentral war die Frage, welche Erfahrungen von den Betroffenen mit der Pflegegeldergänzungsleistung für Persönliche Assistenz (PGE) gemacht wurden.

Dazu wurden rund die Hälfte der damals Leistung beziehenden behinderten Personen von der Wissenschaftlerin befragt. Die Interviews dauerten jeweils circa eine Stunde und waren „doch recht ausführlich und sicher auch recht herausfordernd, für sowohl Interviewerin als auch interviewte Person“, hielt Mag. Plohovits in ihrem Vortrag fest. Die Befragung wurde vollkommen anonymisiert, damit der Fördergeber keine Rückschlüsse auf befragte Personen ziehen konnte. Es gab „eine wirklich sehr, sehr hohe Bereitschaft, uns bei dieser Evaluierung zu unterstützen“, zeigte sich Mag. Mayrhofer erfreut.

Zufriedenheit mit der Leistung

Erfragt wurden die Unterstützungsleistungen vor dem Eintritt in die PGE und die Veränderung nach mehrmonatigem Bezug der PGE. Man wollte wissen: Wie zufrieden sind die Betroffenen mit der Leistung?

Der durchschnittliche Leistungsbezug der befragten Gruppe lag bei 4.401,70 Euro plus Pflegegeld. Das Minimum bei 432, das Maximum bei 7.900 Euro; jeweils plus Pflegegeld. „Die durchschnittlich bewilligte Assistenzstundenzahl pro Monat war 275 und das schwankt auch sehr stark zwischen 27 Stunden und 495 Stunden“, wies Mag. Plohovits auf die Schwankungsbreite.

Die zur wissenschaftlichen Forschung ausgewählten Gruppe bestand aus 77 behinderten Personen, die 349 Assistentinnen und Assistenten beschäftigte. Daran sieht man „was für ein Arbeitsmarkt das eigentlich mittlerweile geworden ist“, verweist die FSW-Mitarbeiterin auf die enormen beschäftigungspolitschen Aspekte dieser Geldleistungen zur Assistenzfinanzierung für behinderte Menschen.

In einer Skala von 0 Punkten (gar nicht zufrieden) bis 10 Punkten (in höchstem Maße zufrieden) bewerteten die Betroffenen ihre Situation. Dem Forschungsbericht ist dazu zu entnehmen: „Der Mittelwert erhöhte sich von 3,77 Punkten (Situation vor PGE-Eintritt) um 4,81 Punkte auf 8,58 Punkte, liegt also nun mehr als doppelt so hoch.“ Kurz und prägnant hielt Mag. Plohovits dazu fest: „Ich denke mal, das spricht größtenteils für sich. „

Die hohe Zufriedenheit spiegelt auch die Zielerreichung der Betroffenen wider, ergänzte Mag. Mayrhofer aus dem Forschungsergebnissen zitierend und nannte die qualitativen Veränderungen, die die Betroffenen in der Befragung benannt haben.

Ergebnisse eindeutig

Abschließend zeigte sich die FSW-Abteilungsleiterin erfreut, dass die Forschung so klare Ergebnisse zu den qualitativen Verbesserungen für betroffenen Menschen durch Persönliche Assistenz erbracht hat: „Ihnen braucht man das nicht mehr beweisen, manchen muss man es vielleicht beweisen und ich denke, dass wir das auch damit geschafft haben. Dieser Bericht ist auch an die öffentlichen Entscheidungsträger ergangen und ich denke mal, die Ergebnisse, da können wir zufrieden sein.“

In der Fragerunde wurden Verständnisfragen zu den Details der Ergebnisse beantwortet. Ein Teilnehmer wollte beispielsweise wissen, wie die Zielerreichung bei den Betroffenen gemessen wurde und nach welchen Kriterien dies geschah.

Die Projektleiterin der wissenschaftlichen Untersuchung, Mag. Hemma Mayrhofer, erklärte, dass dies durch Selbsteinschätzung der behinderten Menschen erfolgt ist. Es wäre „eine Anmaßung von außen zu bestimmen, wer was erreicht hat und wer was nicht“.

Über die Veranstaltung

Der Kongress zur Persönlichen Assistenz am 14. und 15. April 2011 in Wien wurde von BIZEPS-Zentrum für Selbstbestimmtes Leben organisiert und vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz gefördert. Fotos vom Kongress sind auf Flickr zu sehen. Hier finden Sie die Liste aller Vorträge.

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