Polizeizentrum eröffnet: Ein neues Kapitel für Hitlers Geburtshaus

Am 22. Juli 2026 ist im sogenannten „Hitler-Geburtshaus“ in Braunau am Inn ein neues Polizeizentrum eröffnet worden. In dem umfassend umgestalteten Gebäude sind nun die Polizeiinspektion Braunau und das Bezirkspolizeikommando untergebracht.

Hitler Geburtshaus
APA / marte.marte / BIZEPS KI-Montage

An der Eröffnung am 22. Juli 2026 nahmen unter anderem Innenminister Gerhard Karner und der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer teil. Das neue Polizeizentrum soll nach Angaben der Verantwortlichen ein sichtbares Zeichen für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und eine bewusste Auseinandersetzung mit der Geschichte setzen.

„Unsere Polizei steht für das genaue Gegenteil der Symbolik, die diesem Ort anhaftet“, erklärte Karner. Die Polizei stehe für Freiheit, Sicherheit, Menschenwürde und die Verteidigung der demokratischen Ordnung gegen Extremismus und Totalitarismus.

Jahrelange Diskussion über die Nutzung

Der Eröffnung ging eine jahrelange und teilweise kontrovers geführte Diskussion über den Umgang mit dem historisch belasteten Gebäude voraus – BIZEPS berichtete regelmäßig.

Über viele Jahre wurde darüber gestritten, ob das Haus abgerissen, umgebaut oder einer neuen Nutzung zugeführt werden sollte. Hinzu kamen ein langwieriger Rechtsstreit mit der früheren Eigentümerin und die Frage, wie eine weitere Vereinnahmung des Ortes durch Rechtsextreme verhindert werden könnte.

Mahnstein Für Frieden Freiheit und Demokratie nie wieder Faschismus Millionen Tote mahnenm vor dem Geburtshaus von Adolf Hitler
Bürgerhaus, Mahnstein gegen Krieg und Faschismus von Anton-kurt / CC BY-SA 3.0 AT

BIZEPS begleitete die Auseinandersetzung über Jahre hinweg. Noch Ende 2018 berichtete der Nachrichtendienst über den anhaltenden Streit um Hitlers Geburtshaus.

Zu den diskutierten Varianten gehörten eine sozial-karitative und eine behördlich-administrative Nutzung. Besondere Kritik löste der Gedanke aus, das Gebäude erneut der Lebenshilfe Oberösterreich zu überlassen und dort ein „Behindertenhaus“ beziehungsweise eine Behindertenwerkstätte einzurichten.

Dabei war eine solche Nutzung nicht völlig neu: Die Lebenshilfe Oberösterreich hatte das Gebäude bereits von 1977 bis 2011 als Werkstätte für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung verwendet. Die Werkstätte wurde schließlich verlegt, weil das Haus nicht barrierefrei zugänglich war und notwendige Umbauten nicht umgesetzt werden konnten.

Als nach der Enteignung eine Rückkehr der Lebenshilfe diskutiert wurde, setzte sich BIZEPS kritisch mit den Plänen auseinander. In dem Kommentar „Hitlers Geburtshaus als Behindertenheim? Nicht mit uns!“ wurde davor gewarnt, behinderte Menschen für eine symbolpolitische Lösung an einem durch die nationalsozialistische Geschichte belasteten Ort zu instrumentalisieren.

Auch der Beitrag „Hitlers Geburtshaus und die Lebenshilfe Oberösterreich – Widerstand oder Ergebung?“ beschäftigte sich mit der möglichen erneuten Nutzung. Im Zentrum standen dabei die Rechte und die Selbstbestimmung behinderter Menschen sowie die Frage, ob eine abgesonderte Werkstätte mit den Zielen der UN-Behindertenrechtskonvention vereinbar wäre.

Expert:innenkommission gegen Abriss

Im Jahr 2016 setzte das Innenministerium eine 13-köpfige Expert:innenkommission ein. Ihr gehörten Fachleute aus den Bereichen Zeitgeschichte, Recht, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Politik an.

Die Kommission sprach sich gegen einen Abriss des Gebäudes aus. Ebenso lehnte sie jede Nutzung ab, die eine weitere Verbindung des Hauses mit Adolf Hitler oder dem Nationalsozialismus fördern könnte. Empfohlen wurden eine grundlegende architektonische Umgestaltung sowie eine sozial-karitative oder behördlich-administrative Verwendung.

2017 wurde die Liegenschaft nach einem Beschluss des Nationalrates enteignet und ging in den Besitz der Republik Österreich über. Mit diesem Schritt sollte verhindert werden, dass der Ort weiterhin für die Verbreitung oder Verherrlichung nationalsozialistischen Gedankenguts genutzt werden kann.

Der Rechtsstreit über die Enteignung und die Entschädigung zog sich jedoch weiter hin. Nachdem das Verfahren 2019 abgeschlossen war, fragte BIZEPS: „Was macht das Innenministerium nun mit dem Hitler-Geburtshaus?“. Zu diesem Zeitpunkt waren sowohl eine sozial-karitative als auch eine behördlich-administrative Nutzung noch Gegenstand der Überlegungen.

Entscheidung für die Polizei

Im November 2019 fiel schließlich die Entscheidung, in dem Gebäude eine Polizeidienststelle einzurichten.

BIZEPS berichtete damals unter dem Titel „Die Entscheidung über Hitlers Geburtshaus ist gefallen“ über den geplanten Einzug des Bezirkspolizeikommandos und der Polizeiinspektion Braunau.

Nach einem internationalen Architekturwettbewerb wurden 2020 die Pläne für die tiefgreifende Umgestaltung präsentiert. BIZEPS dokumentierte die Entwürfe im Beitrag „So wird das Hitler-Geburtshaus nach dem Umbau aussehen“.

Nehammer präsentiert Entwürfe zum Umbau des Hitler-Geburtshauses
BMI/Jürgen Makowecz

Die angekündigte „Neutralisierung“ des Gebäudes blieb allerdings umstritten. Kritikerinnen und Kritiker warnten davor, dass eine äußerliche Veränderung allein eine gesellschaftliche und historische Auseinandersetzung nicht ersetzen könne.

2023 begannen die Sanierungs- und Umbauarbeiten. Drei Jahre später konnte das neue Polizeizentrum seinen Betrieb aufnehmen.

Neuer Zweck für einen belasteten Ort

Mit der neuen Nutzung will die Republik einer Mystifizierung des Gebäudes durch Neonazis dauerhaft entgegenwirken. Der frühere Innenminister Wolfgang Sobotka bezeichnete die architektonische Umgestaltung und die Einrichtung des Polizeizentrums als sichtbares Zeichen gegen eine weitere ideologische Vereinnahmung des Ortes.

Auch Landeshauptmann Stelzer betonte die symbolische Bedeutung der neuen Nutzung. Wo die Vergangenheit zur Mahnung werde, arbeiteten nun Menschen, die sich täglich für Recht, Ordnung und den Schutz der Bevölkerung einsetzten. Das Haus sei damit ein Zeichen für die Stärke der Demokratie.

Nach jahrzehntelangen Diskussionen, politischen Kontroversen, rechtlichen Auseinandersetzungen und mehreren Nutzungsvorschlägen beginnt damit ein neues Kapitel. Aus einem Ort, der untrennbar mit der Geburt Adolf Hitlers und der nationalsozialistischen Vergangenheit verbunden ist, soll ein Ort der Rechtsstaatlichkeit und der demokratischen Verantwortung werden.

Siehe: ORF, DerStandard, Wikipedia Hitlers-Geburtshaus, BIZEPS-Themenseite „HitlerGeburtshaus“ 

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