Post scheitert laufend an der Barrierefreiheit

Es gibt in Österreich wenige Unternehmen, die in diesem Bereich derart ungeschickt agieren wie die Österreichische Post Aktiengesellschaft.

Österreichische Post Aktiengesellschaft
Österreichische Post Aktiengesellschaft

Die Post bringt allen was“, hieß ein beliebter Werbespruch der Post. Doch Barrierefreiheit war damit nicht gemeint; mit dieser steht das Unternehmen seit Jahren auf Kriegsfuß. Auch an den geringen Erfordernissen, die im seit 2006 geltenden Behindertengleichstellungsgesetz (BGStG) festgeschrieben sind, scheitert die Post.

Das Unternehmen hat ein österreichweites Filialnetz. Zu den  400 von der Post selbst betriebenen Filialen kommen noch rund 1.340 Postpartner. Sogar im Jahr 2019 eröffnete Post-Filialen sind nicht barrierfrei, berichteten wir kürzlich.

Weder die eigenen Filialen noch die Postpartner-Filialen entsprechen der im Gesetz vorgeschriebenen Barrierefreiheitskriterien. Nachdem das BGStG 13 Jahre in Kraft war, reichte es: Der Behindertenanwalt Hansjörg Hofer leitete im Dezember 2018 eine Schlichtung (als Vorstufe einer Verbandsklage) ein.

Die Post AG einigte sich mit dem Behindertenanwalt und „sicherte zu, bestehende Partnerunternehmen im Hinblick auf ihre barrierefreie Zugänglichkeit und Nutzbarkeit hin zu prüfen und gegebenenfalls bei der Realisierung barrierefreier Lösungen zu unterstützen“, so Hofer. Weiters kündigte man an, die Postpartner in ganz Österreich bis spätestens Ende 2019 zu überprüfen.

Was hatte zu der Einigung geführt? Behindertenanwalt Hofer führte im Frühjahr 2019 folgende Gründe an: „Die Bereitschaft der Post, das Thema aufzugreifen und die Bereitschaft unserer Seite, zur Kenntnis zu nehmen, dass die Post auch einen Universaldienst-Versorgungsauftrag hat.“

Ergebnis Überprüfung der Post-Partner Filialen durch die Post AG

Nach einer lähmend langen Anlaufzeit von beinahe 10 Monaten schickte die Post AG in den letzten 11 Wochen des Jahren rund 3 Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchs Land, um die mehr als 1.300 Postpartner-Filialen zumindest insoweit zu begutachten.

Schild: Post-Partner„Bei 1.357 Post Partnern wurde der barrierefreie Zugang in das Geschäftslokal erhoben“, erläutert Michael Homola, Pressesprecher Österreichische Post AG, am 25. Februar 2020 gegenüber BIZEPS.

In beinahe jeder fünften Filialen (!) gibt es Barrieren beim Eingang. In Summe sind mehr als 260 Filialen nicht barrierefrei zugänglich. Der Plan sei, diese Anzahl bis 2025 auf Null zu reduzieren.

Auf die BIZEPS-Frage, wie der Plan im Detail aussieht und welche finanziellen Mittel für 2020 und die Folgejahre dafür eingeplant wurden, antwortete der Post-Pressesprecher ausweichend: „Der Vorschlag der Post hinsichtlich eines Stufenplans ist derzeit in Abstimmung mit Behindertenanwalt Dr. Hofer. Zu den finanziellen Mitteln möchten wir keine Angaben machen.“

Für Behindertenanwalt Hofer ist die Sache eindeutig, er kündigt auf BIZEPS-Anfrage an: „Ich erwarte einen konkreten Plan der Post AG, in welchen Zeiträumen sie die Barrierefreiheit der Geschäftslokale der Postpartner zu erreichen gedenkt, werde mir halbjährlich Bericht erstatten lassen und die Fortschritte gemeinsam mit den Organisationen der Menschen mit Behinderungen stichprobenweise überprüfen. Da Ziel muss es sein, spätestens 2025 keinen nicht barrierefreien Postpartner in Österreich mehr zu haben.“

Post: Zumindest die NEUEN Postpartner sind barrierefrei erreichbar

Teil der Schlichtungs-Vereinbarung war auch, dass die Post bei Auswahl von neuen Postpartnern auf die Barrierefreiheit achtet. BIZEPS wollte von der Post wissen:

  • Wie viele NEUE Postpartner gibt es seit der Einigung mit der Behindertenanwaltschaft?
  • Ist es gelungen, diese Zusage einzuhalten?

„Seit 15.2.2019 gibt es 38 neue Post Partner“, führt der Postsprecher aus und ergänzt: „Für neue Post Partner ist Barrierefreiheit ein Pflichtkriterium.“

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4 Kommentare

  • Kürzlich (Sommer 2021) stieß ich wieder auf ein Pseudobarrierefreiheitsprojekt der Post, einen Paketabholautomaten: Diese sind für blinde und sehbehinderte Menschen nicht barrierefrei bedienbar, da nur bestimmte Funktionen – und diese auch nur in bestimmter Weise – zu bedienen sind. Die Tastatureingabe des Codes ist nicht möglich, blinde sollen anscheinend nur den Benachrichtigungszettel scannen, blöd nur, wenn man diesen nicht zur Hand hat, sondern nur den Code.
    Briefe oder Pakete versenden ist ebenfalls nicht möglich.
    Der Blindenverband macht auf der anderen Seite das Marketing für die fehlende Barrierefreiheit und versucht diese als doch barrierefrei zu verkaufen, den gesetzlichen Vorgaben entsprechen diese Maßnahmen jedenfalls nicht. Interessant ist auch, dass diese Pseudobarrierefreiheit vom Blindenverband beworben wird, von der Post hingegen nicht. Zudem gibt es auch keine Hinweise auf die paternalistisch gestalteten Bedienungsmöglichkeiten für Personen mit Sehbeeinträchtigung (https://www.blindenverband.at/de/aktuelles/565/Kurzanleitung-barrierefreie-Postabholstation).
    In einer E-Mail-Nachfrage berief sich die Post auf den Blindenverband, der dieses diskriminierende Konzept entwickelte.
    Leider muss man immer wieder feststellen, dass der Blindenverband mehr zu Diskriminierung beiträgt, statt diese zu beseitigen und sich als Feigenblatt der Post benutzen lässt.

  • Die Post brachte es sogar zustande, als sie die Partnerschaft mit der Bawag einging, ein barrierefreies Geschäftslokal in 1210, Berlagasse aufzugeben und an einen neuen Standort, Kreuzung Rußbergstraße/Pragerstraße umzusiedeln.

    Dort wurde sehr lange renoviert.

    Der fertige Standort war dann über eine schräg verlaufende Treppe zu erreichen, die nur an einer Seite ein Geländer hatte, das noch dazu nicht vorgezogen war, obwohl sie so breit war, dass meinem Gefühl nach auch noch in der Mitte ein zusätzliches angebracht werden hätte müssen. Es gab zwar einen Lift, der aber überwiegend von den Postbediensteten zum Transport von Paketen benutzt wurde und meist durch diese blockiert war.

    Selbst wenn man Glück hatte und den Lift benützen konnte, wurde man nicht glücklich. Denn der Geschäftsraum selbst war äußerst eng bemessen und mit zahlreichen Barrieren in Form von Verkaufsständern für dies und das bestückt. Um zum Schalter zu gelangen, musste man eine vorgegebene Route passiern, deren Kurven so eng bemessen waren, dass man sie mit einem RS unmöglich bewältigen konnte.

    Nach der Trennung von der BAWAG ist die Post zum Glück wieder an den alten Standort zurückgekehrt.

    Nebenbei bemerkt ärgere ich mich auch immer wieder in Supermärkten. Es ist nämlich gar nicht super, dass zusätzliche Behälter so vor den Regalen aufgetsllt werden, dass diese nicht mehr zugänglich sind und dass bestimmte Waren so hoch oben oder unten gelagert werden, dass sie für manche Leute unerreichbar bleiben.

    Die Ausrede, man wäre ja eh jederzeit behilflich, lass ich nicht gelten.

    Erstens ist das Jederzeit in Wirklichkeicht ein Suchen und Warten.

    Zweitens ist es eine Zumutung, ständig um Hilfe bitten zu müssen, obwohl es leicht auch anders ginge.

  • Ich kenn´ mich jetzt nicht aus: Geht es hier nur um um einen barrierefreien Zugang zum Lokal oder geht es generell um die Barrierefreiheit des Objektes?

    • Ich hab kürzlich mit einem anderen Paktetdienst geschlichtet, bzw. mit einem „Post“partner davon. Dabei wäre ich schon froh, wenn ich nur barrierefrei bei der Türe hinein könnte, das Drumherum, wie WC oder sowas erwarte ich mir in diesem Fall nicht.