Postbus Shuttle: Neues Mobilitätsangebot überwiegend nicht rollstuhlgerecht

Ein zukunftsweisendes Mobilitätsangebot für den ländlichen Raum, sofern es Rollstuhlfahrende nicht vom öffentlichen Verkehr ausschließt.

Postbus Shuttle
ÖBB Postbus / Michael Dolinsek

Seit 2018 ist das „Postbus Shuttle“ in unterschiedlichen Regionen Österreichs im Probebetrieb. Dabei handelt es sich um Kleinbusse, die auf Bestellung zeitnah Personen befördern.

Im Gegensatz zum öffentlichen Linienverkehr kann das Shuttle an vielen verschiedenen Haltepunkten halten, die keine eigens gebaute Haltestelle haben und oft nur auf der Karte ersichtlich sind. Vor allem in Regionen, die bisher wenig oder gar nicht an den öffentlichen Verkehr angeschlossen sind, könnte es eine attraktive Alternative zum PKW darstellen.

Derzeit gibt es das Angebot in insgesamt sechs Regionen Österreichs. Nur eine davon hat rollstuhlgerechte Fahrzeuge im Einsatz.

„Postbus Shuttle“ überwiegend nicht rollstuhlgerecht

Rollstuhlfahrer:innen können das „Postbus Shuttle“ derzeit nur in einer Region nutzen, der „Mobilregion Mödling“. Nur dort stehen auch Fahrzeuge mit Rampen und einem Rollstuhlplatz zu Verfügung.

Klar ersichtlich wird dies bei der Buchung mit der „Postbus Shuttle“ App. Alle Regionen nützen dieselbe Buchungs-App, nur bei der Buchung in der Region Mödling gibt es die Möglichkeit, die Kategorie „Rollstuhl“ zu wählen.

Ausschluss von Rollstuhlnutzer:innen vom öffentlichen Verkehr

Der Betrieb nicht rollstuhlgerechter öffentlicher Shuttlebusse stellt nach dem Bundes-Behindertengeichstellungsgesetz bereits eine klare Diskriminierung dar und widerspricht außerdem dem aktuellen Regierungsprogramm. Darin steht: „[…] wir schaffen ein gutes, sicheres, barrierefreies und preisgünstiges sowie flächendeckendes Mobilitätsangebot für die Österreicherinnen und Österreicher“.

Die derzeitige Praxis birgt aber noch eine weitere Problematik, die zum Teil schon in der Realität sichtbar wird. Durch die Einführung des „Postbus Shuttles“ kam es in manchen Regionen bereits zur Reduzierung des bestehenden, barrierefrei nutzbaren Linienverkehrs.

Rollstuhlnutzer:innen steht nun weniger öffentliches Verkehrsangebot zur Verfügung als zuvor. Dadurch sind sie noch mehr auf die Nutzung eines PKWs angewiesen bzw., sofern sie keinen PKW besitzen, oder das selbstständige Fahren nicht möglich ist, auf andere Menschen.

Wer betreibt das „Postbus Shuttle“?

Das „Postbus Shuttle“ ist ein Mobilitätskonzept des Unternehmens Postbus AG, das ein Tochterunternehmen der ÖBB ist und somit in Besitz des Bundes liegt.

Das Unternehmen Postbus bietet interessierten Gemeinden an Consulting, Planung, Marketing und die Abwicklung des laufenden Betriebes des „Postbus Shuttles“ zu organisieren.

In einigen Regionen arbeitet die Postbus AG mit lokalen Taxiunternehmen zusammen, die Fahrzeuge und Personal zu Verfügung stellen. Offensichtlich ist Barrierefreiheit kein ausschlaggebendes Kriterium bei der Wahl kooperierender Unternehmen.

Dieser Artikel wurde um Informationen bezüglich Fahrzeugmodelle und Betrieb des „Postbus Shuttles“ ergänzt.

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3 Kommentare

  • Unglaublich aber bezeichnend für unsere „hohe“ Politik!

  • Wer verklagt nun Postbus? Wer? Und das zuständige Verkehrsministerium? Frau Gewessler, bitte handeln!

  • Wenn es den Postbus-shuttle gibt sollten alle Busse barrierefrei sein !!!! Und auch in GANZ Österreich angeboten werden!!!!