Pränataldiagnostik: aktion leben warnt vor Verunsicherung

NIPT – nicht invasive vorgeburtliche Bluttests – schaffen keine gesünderen Kinder, sondern nur verunsicherte Frauen. aktion leben fordert nach dem gestrigen Symposium des Ludwig Boltzmann- Instituts über „Nicht-invasive pränatale Tests (NIPT) weitere Debatten und bessere psychosoziale Beratung der Frauen.

aktion leben österreich Martina Kronthaler
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„Mit den vorgeburtlichen Bluttests (NIPT) wird ein Verfahren der Pränataldiagnostik angeboten, das auf den ersten Blick ohne Risiko ist und eine verlässliche Aussage über das Vorliegen oder Fehlen von Down-Syndrom gibt. Die Risiken für die Mütter und Kinder durch Verunsicherung und der Entscheidungsdruck über Sein oder Nichtsein des Kindes wird aber dabei völlig ausgeklammert“, meint Mag. Martina Kronthaler, Generalsekretärin von aktion leben.

Interessen deutlich machen

„Es ist uns wichtig, auf die massiven finanziellen Interessen, die hinter der Verbreitung des Tests stehen, hinzuweisen“, betont Kronthaler. „Wir müssen uns klar sein, dass hier eine Diagnostik angeboten wird ohne Behandlungsmöglichkeit. Die Tests schaffen keine gesünderen Kinder, sie schaffen aber sehr verunsicherte Frauen.“

Anbieter werben derzeit massiv für eine Kostenübernahme der Tests durch die Krankenkassen. aktion leben warnt davor, diese dadurch unreflektiert zum Regelangebot zu machen und damit viele Folgeprobleme einzukaufen.

Selbstbestimmte Entscheidung kaum möglich

aktion leben beobachtet seit langem eine massive Schieflage bei der Information. Frauen haben kaum die Chance einer selbstbestimmten Entscheidung: „Die Tests haben positiv klingende Namen und werden mehr oder weniger empfohlen. Welche schweren Dilemma-Situationen für werdende Eltern dadurch entstehen können und dass sie nichts zur Gesundheit der Kinder beitragen, ist den wenigsten Frauen klar. Frauen geben deshalb viel Geld dafür aus, das ihnen dann oft an anderer Stelle fehlt.“

Mutter-Kind-Pass: kein Hinweis auf Beratung!

Von der Gesundheitspolitik fordert aktion leben eine Adaption des Mutter-Kind-Passes als erste notwendige Maßnahme: „Jeder Arzt/jede Ärztin muss über das Angebot von Pränataldiagnostik informieren. Es fehlt dieselbe Informationspflicht über unabhängige psychosoziale Beratung vor, während und nach Pränataldiagnostik.“

Blick weiten auf wichtigere Themen

Kronthaler abschließend: „Schwangerschaft ist eine besondere Zeit und es kann sehr viel mehr getan werden, um schwangere Frauen und werdende Väter zu unterstützen. Die einseitige Sicht auf punktuelle Techniken verstellt den Blick auf wirklich wichtige Maßnahmen. Gute Begleitung schwangerer Frauen durch psychosoziale Schwangerenberatung und sozialpolitische Maßnahmen, die Eltern entlasten, gehören sicherlich dazu.“

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2 Kommentare

  • Ich bitte um Unterfütterung mit Zahlen. Beratung hin oder her, die meisten Föten mit diagnostizierten Auffälligkeiten werden abgetrieben. Gendefekte lassen sich noch nicht korrigieren. Gibt es Nachteile durch diesen Test gegenüber den bisherigen Methoden in der Diagnose und Prognose, etwa größere Ungenauigkeit?

    • Liebe/r Yasemin,
      Es gibt in Österreich keine Zahlen über Schwangerschaftsabbrüche – also auch keine über Spätabbrüche (dazu gibt es nur Zahlen des AKH). In der Logik der Pränataldiagnostik gilt NIPT als risikolos und zur Entdeckung von Trisomie 21 als sehr zuverlässig. Der Test ist einfach und verfolgt eine rein selektive Zielsetzung. Es gibt keinen medizinischen Nutzen für das Kind. Potentiell jede Schwangere ist Zielgruppe dafür. Nachteil ist die schmale Zielsetzung: es wird (bis jetzt) eben nur Trisomie 21 zuverlässig erkannt. Für alles andere muss weiterhin eine Punktion gemacht werden oder/und Ultraschall-Untersuchungen.