Pressekonferenz: Frauen mit Behinderungen möchten sicher und selbstbestimmt leben

Am Sonntag war Weltfrauentag. Das Thema ist aber immer relevant. Probleme von Frauen mit Behinderungen zeigten bei dieser Pressekonferenz am 4. März 2020 verschiedene Vertreterinnen auf.

Julia Moser, Isabell Naronnig, Jasna Puskaric, Christine Stege,r Beate Koch und Gabriele Sprengseis
Österreichischer Behindertenrat / Lukas Ilgner

Wir haben in diesem Artikel Ausschnitte der Pressekonferenz des Kompetenzteams Frauen mit Behinderungen aufbereitet. Das Kompetenzteam besteht aus Frauen mit Behinderungen, die aus unterschiedlichen Branchen kommen. Sie zeigen, dass Frauen mit Behinderungen im Berufsleben sichtbarer vertreten sein müssen.  

Repräsentation durch Frauen mit Behinderungen

Christine Steger vom Unabhängigem Monitoringausschuss spricht über die Wichtigkeit der Repräsentation. Repräsentation von Frauen mit Behinderungen muss auf allen Ebenen gegeben sein.

Christine Steger (mp3 | 0,23 MByte)
Audioquelle: BIZEPS

Aber wir sind sehr viel mehr als nur das. Wir sind eben auch Expertinnen. Wir gehören auf die Podien, wir gehören in Gremien, wir gehören auf Bühnen und auch in Leitungsfunktionen, denn im Moment sind Frauen mit Behinderungen, mit sichtbaren und mit unsichtbaren Behinderungen, meistens, unsichtbar.

Gewaltprävention

Isabell Naronnig von Ninlil spricht über Gewaltprävention. Aufklärung, Selbstbestimmung und Empowerment sind dabei sehr wichtig.

Isabell Naronnig (mp3 | 0,48 MByte)

Gewaltprävention beginnt für uns mit Wissen um den eigenen Körper, mit Wissen um die eigenen Grenzen. Gewaltprävention ist Empowerment. Gewaltprävention erfordert ausreichend finanzielle Mittel, eben genau für diese Grundlagenarbeit.

Gewaltprävention erfordert aber auch ein Umdenken von Strukturen sowie echter Wahlfreiheit. Nämlich Wahlfreiheit darüber, wie, wo und mit wem ich leben möchte und darüber wie, wo und von wem ich Unterstützung bekomme. Frauen mit Behinderungen haben das Recht auf ein sicheres Leben ohne Gewalt.

Einblicke in ein Leben ohne Persönliche Assistenz

Jasna Puskaric von der WAG Assistenzgenossenschaft legt den Fokus auf Persönliche Assistenz. Ein Leben ohne Persönliche Assistenz führt zu Abhängigkeit. Eine Frau mit Behinderungen ohne Persönliche Assistenz bleibt immer in der Position der Bittstellerin.

Jasna Puskaric (mp3 | 0,69 MByte)
Audioquelle: BIZEPS

Organisieren, oh ja, das können Frauen mit Behinderungen sehr gut. Also in der Früh den berufstätigen Partner bitten, eine Stunde früher aufzustehen, damit er beim Anziehen helfen kann.

Dann von ihm zu den eigenen Eltern fahren lassen, denn dort wird man am Tag mit Essen versorgt, dann auch noch die liebe Nachbarin bitten, ein erneutes Mal mit dem Hund Gassi zu gehen und auf dem Weg zurück bitte doch gleich die Post mitzunehmen.

Dem Mann, der am Abend wieder nach Hause kommt, schnell nochmal anrufen, damit er auf dem Heimweg die Brötchen besorgt für das morgige Frühstück und vor dem Schlafengehen ihn daran erinnern, dass am nächsten Tag die Post abzuholen ist vom Postamt, das Paket, und bitte gleichzeitig, ja, eigentlich sollten wir wieder mal Wäsche waschen, also stehen wir doch 2 Stunden früher auf in der Früh.

700.000 Frauen mit Behinderungen leben in Österreich

Julia Moser von myAbility weist darauf hin, dass die 700.000 Frauen mit Behinderungen die geringsten Chancen am Arbeitsmarkt haben.  Die Unsichtbarkeit von Frauen mit Behinderungen in der Gesellschaft führt zu negativen Auswirkungen. Vor allem der eingeschränkte Zugang zum Arbeitsmarkt trägt zur Unsichtbarkeit der Frauen mit Behinderungen bei.

Julia Moser (mp3 | 0,26 MByte)
Audioquelle: BIZEPS

In Österreich leben 700.000 Frauen mit Behinderungen, sie sind unsichtbar, sie sind am Arbeitsmarkt ganz besonders unsichtbar und das ist kein Problem der Frauen mit Behinderungen allein. Das ist ein Problem der Gesellschaft. Wenn die Gesellschaft Frauen mit Behinderungen weiterhin daran hindert, wirkungsvoll zur Gesellschaft beizutragen, verlieren wir alle.

Beate Koch über Frauen mit Behinderungen am Land

Beate Koch ist Frauenreferentin des ÖZIV Steiermark. Sie sagt, dass Behinderung am Land nach wie vor ein großes Tabuthema ist. Frauen mit Behinderungen leiden an dieser Tabuisierung und ihre Teilhabe am öffentlichen Leben ist dadurch beeinträchtigt.

Beate Koch (mp3 | 0,78 MByte)
Audioquelle: BIZEPS

Frauen mit Behinderungen werden bei sexueller Gewalt am Land, im ländlichen Bereich, viel öfter im Stich gelassen. Es kommt immer wieder vor, dass ein Fall wegen der Schande einfach totgeschwiegen wird.

Diese Frauen mit Behinderungen haben mit Benachteiligungen zu kämpfen, erstens einmal, weil sie Frauen sind, aufgrund des Geschlechtes und zweitens mit den Problemen aufgrund ihrer Behinderung. Sie bekommen auf dem Land viel weniger Hilfe und Beratung und bei dieser Gruppe ist leider das Risiko, misshandelt zu werden, viel größer als bei Frauen ohne Behinderung.

Sie stehen dann oft alleine da, weil am Lande solche Vorfälle von Gewalt meistens totgeschwiegen werden. Das Problem wird einfach vertuscht. Und deshalb ist es so wichtig, dass wir in ganz Österreich Opferschutzeinrichtungen und Frauenhäuser haben, die barrierefrei sind.

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