Projekt „Inklusives Wien 2030“ – Kann Beteiligung im Kofferformat funktionieren?

Ab 5. September 2022 startet das Projekt „inklusives Wien 2030“, das gleichberechtigte Teilhabe von Menschen in der Stadt Wien gewährleisten soll. Auch BIZEPS beteiligt sich an dem Projekt und hat schon jetzt ein paar Anmerkungen dazu. Ein Kommentar.

FSW Beteiligungskoffer, ein Kartonkoffer der aufgklappt auf einem Holztisch vor einer blauen Couch steht. Am Koffer steht das Wort Beteiligungskoffer und der Spruch Wir machen mit! Davor lehenen 3 Schilder, von links nach rechts: ein grünes Rechteck JA! mit Daumen nach oben, ein gelbes Dreieck FRAGE mit Fragezeichen, und ein roter Kreis mit NEIN! und einer Handfläche.
BIZEPS

Das Projekt „Inklusives Wien 2030“ richtet sich an vom Fonds Soziales Wien geförderte Einrichtungen und Organisationen. Alle teilnehmenden Organisationen erhalten schon vorab einen „Beteiligungskoffer“, um sich auf spätere Arbeitsgruppen vorzubereiten. (Siehe auch Erklärvideo)

So funktionierts

Der „Beteiligungskoffer“ hat folgenden Inhalt: Zu den insgesamt 12 Themen, z. B. Barrierefreiheit, Beratung, Empowerment, oder Partizipation, um nur ein paar zu nennen, gibt es große Plakate, die man bearbeiten kann. Ein Plakat enthält kurz umrissen das Thema.

Auf einem anderen Plakat ist es möglich, Fragen zu jedem Thema zu beantworten, z.B. Was läuft nicht so gut? Was ist uns wichtig? Was muss man verändern? Jede Organisation kann sich nun Themen auswählen und diese bearbeiten. Auch wird man dazu aufgefordert, sich künstlerisch zu betätigen, indem man Collagen oder Bilder gestaltet.

Taten sind gefragt

Das ganze Projekt ist kritisch zu betrachten, vor allem vor dem Hintergrund, dass der Nationale Aktionsplan (NAP) Behinderung, der am 6. Juli 2022 abgesegnet wurde, absolut nicht ausreichend ist und von Interessenvertretungen der Menschen mit Behinderungen scharf kritisiert wird.

Wieder sind keine Voraussetzungen geschaffen worden, um wichtige behindertenpolitische Anliegen, wie De-Institutionalisierung oder schulische Inklusion tatsächlich auch umzusetzen. Und dieser Punkt lässt uns auch im Hinblick auf das Projekt der Stadt Wien kritisch sein.

Arbeitsblätter, Collagen und Bilder zur Inklusion sind zwar ganz nett, aber mehr auch nicht. Ziele in Sachen Inklusion sind da. Sie werden immer wieder deutlich von Interessenvertretungen der Menschen mit Behinderungen formuliert.

Es bringt nichts, immer wieder Projekte zu schaffen, in denen man immer und immer wieder dieselben Dinge formuliert, aber keine Maßnahmen setzt, um diese in tatsächliche Handlungen zu überführen.

Schon die Plakate, in denen die einzelnen Themen beschrieben werden, sind sehr oberflächlich und gehen wenig in die Tiefe, z.B. „Beratungsangebote in Wien sind barrierefrei und inklusiv. Alle Menschen haben Zugang zu diesen Angeboten“.

Es sollte längst bekannt sein, was Barrierefreiheit ist, oder dass es wichtig ist, die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen zu beachten. Das wirkt, als würde man immer wieder zur Basis zurückgehen und Ziele neu formulieren, anstatt das, was bereits da ist, wie z. B. der NAP und damit die UN-Konvention endlich umzusetzen, indem man z. B. genaue Ziele, einen Zeitplan und Indikatoren für eine gelungene Umsetzung festlegt.

Inklusion ist kein Arbeitsblatt, das ausgefüllt und vergessen werden kann. Inklusion ist auch keine Collage. Inklusion erfordert Handeln.

Wir werden sehen, ob nach Ablauf des Projekts im Jahr 2024 die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Koffer geblieben sind oder in Handlungen überführt wurden.

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2 Kommentare

  • Schließe mich der Meinung von Thomas Stix an. Solche aufgeblasenen Projekte dienen nur der PR, Partizipation wird missbraucht, ändern tut sich nichts. Wofür schreiben die diversen Monitoringausschüsse seit Jahren umfassende und detaillierte Stellungnahmen mit konkreten Empfehlungen und Forderungen? Diese müssten endlich real umgesetzt werden und bei der Umsetzung müssten Personen mit Behinderungen effektiv partizipieren können.

    Habe vor einer Weile eine ausführliche Mail mit Anregungen zu Barrierefreiheit in Wien an eine Mailadresse des Koffer-Projekts geschrieben und bisher noch nicht mal den Erhalt meiner Mail bestätigt bekommen. Wahrscheinlich hätte ich meine Themen als Collage einbringen sollen.

  • Mit dieser Aktion werden beh.Menschen wieder nur hingehalten.
    Sollte boykottiert werden.