Prototyp eines Satellitennavigationsgerät für blinde Menschen in Madrid vorgestellt

Die spanische Blindenorganisation ONCE hat zusammen mit der ESA (Europäische Weltraumorganisation) ein Satellitennavigationsgerät für blinde Menschen entwickelt.

Satellitennavigationsgerät Thormes
ESA

Neu ist die Idee nicht. Schon häufiger gab es Satellitennavigationsgeräte für blinde Menschen. Meist sind diese jedoch viel zu groß, viel zu ungenau und zu schwer gewesen. Dass sie unbezahlbar waren, ist fast schon nebensächlich.

Nun wurde am 4. Juni 2003 wieder ein Prototyp in Madrid vorgestellt. Er heißt «Tormes» und soll blinden Menschen genaue Ortangaben liefern und damit zu mehr Unabhängigkeit verhelfen. Es wurde in wesentlichen Details zu den bisherigen Geräten verbessert.

Tormes ist ein tragbarer Computer mit Braille-Eingabe und Sprachausgabe und soll im Jahr 2004 verfügbar sein. Tormes kann den Benutzer seinen genauen Standort sagen aber auch einen Weg zu einem Ort ansagen. «Blinde können damit zum Beispiel Taxi-Lenkern Richtungsanweisungen geben», erklärte Jose Luis Fernandez Coya, selbst blind und als Leiter der Forschungsabteilung von ONCE tätig.

Alle bisherigen System stützen sich auf GPS (Global Positioning System), welches eine weltweite Ortung und Positionsbestimmung ermöglicht. Allerdings ist das US-Satellitennavigationssystem mit einer Genauigkeit von 15 bis 20 Metern nicht ausreichend genau. GPS kann zwar genauere Daten liefern, doch ist es ein militärisches System der USA und in der zivilen Verwendung in der Genauigkeit absichtlich beschränkt.

Die Wissenschaftler haben – so vermeldet die ESA – daher als Verbesserung der GPS Ortung auf eine Verfeinerung durch ENGOS (European Geostationary Navigation Overlay Service) zurückgegriffen. ENGOS basiert auf geostationären Satelliten und korrigiert das GPS-Signal auf eine Genauigkeit von zwei Metern. Damit kann man einzelne Straßen unterscheiden, man kann auch erkennen, auf welchen Gehsteig man sich befindet – meldet die ESA. Weiters warnt EGNOS den Benutzer, wenn das Signal keine verlässliche Ortung zulässt.

Doch auch dies war noch nicht die Lösung. In Gebäuden und in Häuserschluchten wird das Signal abgeschwächt und ist teilweise gar nicht mehr empfangbar. Um auch diese Probleme zu lösen, haben ESA Mitarbeiter ein Projekt gestartet, dass sich SISNet (Signal in Space through Internet) nennt. SISNet liefert die von Häusern abgeschirmten Daten über das Internet via Mobilfunk (GSM) an Tormes.

Nun werden die Tests mit den Prototypen anlaufen. In Zukunft könnte zur Ortung das derzeit erst im Aufbau befindliche europäische Satellitennavigationssystem Galileo verwendet werden.

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