Public Value bedeutet auch Minderheitenorientierung

Jarmer: Untertitel und Thematisierung von Gehörlosigkeit müssen im neuen ORF-Gesetz festgeschrieben werden

Helene Jarmer
ÖGLB

Die gestrige Sondersitzung im Nationalrat zur ORF-Krise nimmt Helene Jarmer, Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes, zum Anlass, einmal mehr die Festschreibung von Untertitelungsquoten in der kommenden Überarbeitung des ORF-Gesetzes zu fordern: „Gehörlose ORF-KonsumentInnen sind GIS-ZahlerInnen. 100 % GIS-Gebühr für 30 % konsumierbaren Programms – Es ist mehr als Zeit, diesen Missstand zu ändern.“

Mit der Überarbeitung des ORF-Gesetzes müsse zwangsläufig „die Beachtung einer Bevölkerungsgruppe einhergehen, die vom ORF mehr schlecht als recht bedient wird: der Gebärdensprachgemeinschaft“, so Jarmer.

„Public Value bedeutet nicht zuletzt, auch Minderheitensujets in die Programmplanung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Österreich zu implementieren“, hält Jarmer fest. „Dies ist durch verpflichtende Steigerung der Untertitelungsquoten sehr gut erreichbar: Ein verpflichtender Stufenplan, der realistische Ziele beinhaltet, wäre wünschenswert und das kann nicht heißen, dass bei 50 % untertitelten Programms Schluss ist. In der Zwischenzeit müssten naturgemäß die GIS-Gebühren für gehörlose Personen minimiert werden!“

Auch eigene Sendungen von gehörlosen ProgrammmacherInnen für gehörlose TV-KonsumentInnen gehören zu einem gelungenen und zeitgemäßen öffentlich-rechtlichen Programmbouquet, bekräftigt Helene Jarmer: „Denn auf Dauer kann eine schlichtweg existente Zuseherschaft nicht einfach von der ORF-Führung ignoriert werden. Kinderfernsehen, ZIB und eine gerade noch gerettete Wochenschau können nicht die Ultima Ratio in Sachen Gebärdensprache sein. Wir befürworten diese Ansätze sehr und werden zu gegebenem Anlass gerne unser Know How anbieten. Dazu muss der ORF jedoch den Schritt in eine gleichberechtigte Zukunft wagen.“

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