Puppen wie wir

Puppen, die Kindern mit Behinderungen nachempfunden sind, ist dieser neue Trend Inklusion im Kinderzimmer? Ein Kommentar.

Puppen mit Down Syndrom
Tolimoli

Die meisten Puppen, die im Handel erhältlich sind, sehen alle ähnlich aus. Hauptsächlich weiße Hautfarbe, blond bis brünett und niedlichem makellosen Puppengesicht. Schon Puppen mit einer dunkleren Hautfarbe sind noch immer selten.

In den 2000er Jahren gibt es nun auch Puppen mit Trisomie 21 oder Puppen, die individuell nach Kindern mit Behinderung gestaltet sind. Diese Kreationen sollen das Thema Behinderung auf spielerische Weise näherbringen.

Theo und Co bringen Vielfalt ins Kinderzimmer

Ihre Namen sind Theo, Nora, Niklas, Juli, Janosch und Lotte. Sie sind ca. 40 cm groß, blond bis brünett und tragen Designerkleidung aus Biostoffen. Was sie von anderen Puppen unterschiedet, ist, dass ihr Gesicht dem Aussehen von Kindern mit Trisomie 21 nachempfunden ist.

Verkauft werden diese Puppen vom Label Tolimoli. Beworben werden sie mit dem Slogan „Puppen mit Down Syndrom für mehr Vielfalt im Kinderzimmer“. Die Puppe sei nicht nur ein tolles Geschenk für Kinder mit Trisomie 21, sondern auch für Kinder ohne „Extrachromosom“, heißt es in der Beschreibung auf der Internetseite.

So könne man sie Kindern geben, deren Familie ein Geschwisterkind mit Trisomie 21 erwarten. Auch in Kindergärten und Warteräume von Arztpraxen sollen die Puppen Vielfalt hineinbringen. Inklusion auf spielerische Weise zu thematisieren, ist das Ziel dieser Puppen. Mittlerweile haben solche Puppen ihren Weg auch nach Wien gefunden.

Auch der Wiener Shop 1100 Kind bietet Puppen an, die nach dem Vorbild von Kindern mit Trisomie 21 gestaltet sind.

Individuell gestaltete Puppen mit Behinderungen als neuer Trend

Puppen sind dem Aussehen von Kindern oder Babys nachempfunden, aber die Vielfalt des menschlichen Aussehens spiegeln sie häufig nicht wieder. Jene Puppen, die derzeit im Handel erhältlich sind, sind relativ einheitlich gestaltet, zumeist weiß und haben ein makelloses Gesicht. Sie repräsentieren damit gesunde, perfekte Körper.

Wenn Puppen auch das Selbstbild ihrer Besitzerinnen und Besitzer beeinflussen, sind die „perfekten“ handelsüblichen Puppen durchaus kritisch zu betrachten. Um diesem Trend entgegenzuwirken, kreierte zum Beispiel die Amerikanerin Amy Jandrisevits unter dem Namen „A doll like me“, also „eine Puppe wie ich“, individuelle Puppen für Kinder mit Behinderungen.

Inspiriert wurde Amy Jandrisevits, eine ehemalige Sozialarbeiterin, durch ihre Arbeit in einer Kinderkrebsstation. Ihr fiel auf, dass die Puppen auf der Station nur gesunde Kinder repräsentierten, Kinder mit Abweichungen oder Behinderungen aber nicht. Das traf aber auf die Kinder in der Station zu. Sie wollte den Kindern zeigen, dass Normalität alles umfasst, eben auch eine Behinderung.

Jandrisevits beschloss Puppen zu machen, die das Spiegelbild ihrer Besitzerinnen und Besitzer sein sollten. „Ich glaube von Herzen daran, dass Puppen so aussehen sollten, wie ihre Besitzer, mit allen Hautfarben, Geschlechtern, Körperformen“, sagt Jandrisevits in einem Artikel der Frauenzeitschrift Brigitte.

Den Puppen fehlen Gliedmaßen, sie haben Muttermale und andere auffällige körperliche Merkmale, eben so wie ihre Besitzerinnen und Besitzer. Jandrisevits ist sich sicher, dass diese Puppen den Kindern mit Behinderungen zu einem besseren Selbstbild verhelfen.

Jandrisevits ist nicht allein mit der Idee. Auch das deutsche Start Up Nicoletta’s Handicap Dolls produziert individuell gestaltete Puppen mit Behinderungen oder sonstigen Einschränkungen. Diese zwei Puppendesignerinnen sind nur zwei Beispiele für Produzenten von Puppen mit Behinderungen.

Stereotyp statt Inklusion

Doch nicht alle sehen in diesen Puppen einen Weg zu Inklusion. Sheila Hebein, Direktorin eines amerikanischen Down-Syndrom-Verbandes, kritisiert in einem Kommentar, dass die Puppen körperliche Charakteristika herausheben würden, die nicht einmal typisch für alle Kinder mit Trisomie 21 wären.

So hätten nicht alle Menschen mit Trisomie 21 eine heraushängende Zunge. Somit würden die Puppen eher ein Stereotyp von Trisomie 21 kreieren. Die britische Psychologin Anette Hames meint, dass Kinder Schwierigkeiten hätten, sich mit den „seltsam aussehenden Puppen“ zu identifizieren.

Außerdem würde dadurch ein zu starker Stellenwert auf das Aussehen gelegt. „Beim Down-Syndrom geht es nicht darum, wie man aussieht. Es geht darum, was man tun kann und was nicht“, meint Hames.

Fazit

Prinzipiell ist es nicht schlecht, die Vielfalt der Menschen auch im Spielzeug abzubilden. Vor allem Puppen sind für Kinder eine Projektionsfläche und wenn dann mal eine Puppe mit Narbe, fehlender Gliedmaße oder einen anderen individuellen Merkmal darunter ist, kann das nicht schaden.

Vielleicht kann es auch ein kleiner Beitrag dazu sein, zu zeigen, dass verschiedene Körper normal sind. Um ein wirklicher Beitrag zu Inklusion zu sein, müssen es diese Puppen aber erst mal auf die Regale der Spielzeuggeschäfte schaffen.

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2 Kommentare

  • Ich habe mich mit einer Sonderpädagogin darüber unterhalten. Wir sind zu folgenden Schluss gekommen:
    Solche Puppen sind ihr bereits bekannt und sind auch in einigen Kindergärten bereits im Einsatz. Ich finde es sehr schön, dass es diese Möglichkeit gibt. Den Einsatz muss man allerdings gut überdenken.
    1. Nicht alle Eltern wollen es, dass ihr Kind auf ihr äußerliches „Auftreten“ reduziert wird.
    2. Die meisten Puppen haben starke Klischees, die nicht immer zutreffen
    3. Die Puppe sollte einen Bezug für die Kinder haben
    4. Die Puppen müssen gut bei den Kindern eingeführt werden
    5. Nach den vorherigen Punkten und zum jetzigen Stand von Integration/Inklusion macht es meiner Meinung nach (meist) nur in Integrationsgruppen oder Heilpädagogischen Gruppen Sinn.

    Um Inklusion voran zu betreiben reichen meiner Meinung nach keinesfalls Puppen! Da gehört auf jedenfall die passende Grundhaltung des Personals dazu. Mit dieser Haltung ist es dann auch egal wie die Puppe aussieht.
    Um Kindern jedoch eine bestimmte Art von einer Behinderung näher zu bringen, dient sie sehr gut.

    Ich würde dieses Projekt bei den zuständigen Landesräten und Landesrätinnen vorstellen. Vielleicht finden sich Kindergartenpädagoginnen und Pädagogen die das gerne in ihrem Alltag einbauen möchten.

    Wir sollten jede Möglichkeit nützen um die Inklusion weiter entwickeln zu können damit sowohl Menschen mit als auch ohne Behinderung im Alltag keine Probleme mehr haben.

  • Ich denke, Inklusion sollte im realen Leben stattfinden. Und nicht im Spielzeug Regal.