Raul Krauthausen kritisiert ÖBB-Kampagne

Der deutsche Aktivist Raul Krauthausen warnt davor, Menschen mit Behinderungen als Abschreckung zu missbrauchen und verweist dabei auf die Kampagne der ÖBB.

Raul Krauthausen
Raul Krauthausen

Im Oktober 2019 sorgte die ÖBB-Kampagne mit dem Titel „Pass auf dich auf“ für großen Unmut. So forderte BIZEPS die sofortige Einstellung der Kampagne. Auch in Deutschland wurde man auf die umstrittene ÖBB-Kampagne aufmerksam.

Der deutsche Aktivist Raul Krauthausen warnte in einem Beitrag auf seiner Webseite davor, Menschen mit Behinderung zur Abschreckung zu verwenden. Als Beispiele für Aktionen, die negative Klischees auf dem Rücken von Menschen mit Behinderungen transportieren, nannte er die ÖBB-Kampagne und die Plakatkampagne „Runter vom Gas“ des deutschen Bundesverkehrsministers.  

Beide Aktionen machen auf Gefahren im Verkehr aufmerksam und stigmatisieren Menschen mit Behinderungen, indem sie sie als „wandelnde Warnhinweise“ missbrauchen nach dem Motto „Verhaltet euch richtig, damit ihr nicht so endet wie die Behinderten.“

Problematische Botschaften und Vorurteile

Ähnlich wie die ÖBB-Kampagne in Österreich, wo man unter anderem einen Mann im Rollstuhl mit der Botschaft „Lass dich nicht aufhalten außer von Bahnübergängen“ sieht, zeigt die deutsche Plakatkampagne „Runter vom Gas“ unter anderem jemanden mit einer Beinprothese und dem Slogan „weil der andere zu schnell war“.

In der begleitenden Onlinekampagne werden klischeehafte Portraits von Unfallopfern mit Behinderung gezeigt. Für Raul Krauthausen führen solche Kampagnen zu problematischen Assoziationen mit Behinderung.

Zum Beispiel: Behinderungen seien das Ergebnis von (selbst) verschuldetem Fehlverhalten, sie seien schlecht, schmerzhaft, verursachen Leid und sollten um jeden Preis vermieden werden.

Falsche Darstellung führt zu sozialer Ausgrenzung

„Menschen mit Behinderungen aber als abschreckendes Beispiel zu missbrauchen, manifestiert ausschließlich soziale Ausgrenzung und falsche Vorurteile. Diese Stigmatisierungen schränken tatsächlich im Alltag ein – nicht die Behinderung selbst“, erläutert Krauthausen.

Er betont, dass ein Leben mit Behinderung sich nicht groß von einem Leben ohne Behinderung unterscheiden würde. Es wären zudem Kleinigkeiten des Alltags wie kaputte Aufzüge, fehlende Untertitelung und diskriminierendes Verhalten, die die Menschen behindern würden.

Menschen mit Behinderungen solle man, so Krauthausen, als Nachbarinnen und Nachbarn, Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen oder Sportlerinnen und Sportler präsentieren.

Außerdem gibt es noch einige Alternativen zu Panikkampagnen mit Menschen mit Behinderungen.

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5 Kommentare

  • Wie soll man Behinderte als Sportler darstellen?
    Das ginge nur dann, wenn Menschen mit Behinderung in Sportvereinen willkommen wären, so werden sie lediglich in den Behindertensport abgeschoben, wo wohlmeinende Betreuer ihnen sagen, was sie können dürfen.
    Außerdem ist es leider ein Fakt, dass Personen, die ihre Behinderung nicht von Geburt an haben, durch einen Unfall behindert werden, da gibt es nichts zu beschönigen.

  • „Nachbarinnen und Nachbarn, Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen oder Sportlerinnen und Sportler präsentieren“.
    Hübsches Märchen. Die Realität sieht aber leider ein wenig anders aus. Kann man in der Öffentlichkeit verdrehen, würde damit Behinderte wieder unsichtbar machen.

    – schlecht: Es gibt wirklich Besseres als im Rollstuhl zu sitzen.

    – schmerzhaft, verursachen Leid: Auch das ist oft der Fall. Das leuchtet doch jedem ein. Für niemanden ist es schön, dass sein Leben plötzlich auf den Kopf gestellt wird. Auch eine angeborene Behinderung ist für Eltern und das Kind mit Leid verbunden.

    – und sollten um jeden Preis vermieden werden: Vermieden werden ja, aber nicht um jeden Preis. Es geht um heranwachsende, denen die Konsequenzen für Mutproben und Leichtsinnigkeit aufgezeigt werden sollen. Das ist kein zu hoher Preis für Erwachsene Menschen, da mitzuwirken. Auch für Behinderte nicht, die Unglaubliches leisten, indem Sie damit gut leben. Aber man kann sich mühelos als gesunder Mensch vorstellen, der ohne fremde Hilfe in den Zug springt. Das wäre doch schöner als auf den grießgrämigen Mitarbeiter zu warten. So ehrlich muss man schon sein, wenn man an sich den Anspruch stellt, wirklich mit seiner Behinderung zu leben.

    – Behinderungen seien das Ergebnis von (selbst) verschuldeten Fehlverhalten: Ist eine Behinderung jetzt schlecht oder zumindestens neutral? Wenn es nichts Schlechtes wäre, könnte man es herbeiführen ohne sich schuldig zu fühlen. Was wäre denn an diesem Vorwurf so schlimm? Abgesehen davon sind Menschen, die so denken, mit Sicherheit wo angrennt. Behinderte, die sich Schuldgefühle einreden lassen, haben wiederum selbst ein großes Problem.

    Es wären zudem Kleinigkeiten des Alltags wie kaputte Aufzüge, fehlende Untertitelung und diskriminierendes Verhalten, die die Menschen behindern würden: Diese Kleinigkeiten werden erst durch die Behinderung im Alltag zur oft unüberwindlichen Herausforderung. Behinderungen, die zudem die Informationsbeschaffung und -verarbeitung erschweren, sind eine große Hürde für die Betroffenen in der Informationsgesellschaft. Ich glaube, da verkennen ein paar Behinderte schwer die Lage.

  • Ich finde besser könnte man die Momentane Situation von Behinderten Menschen und wie man eigentlich mit ihnen
    umgehen sollte nicht umschreiben. Darum möchte ich dieser Forderung zu einhundert Prozent zustimmen.

  • Gut gebrüllt aber leider Thema verfehlt.
    Diese Kampagne ist die beste seit langem und hat rein gar nichts mit Diskriminierung von Menschen zu tun. Auch wenn manche. “ Behindertenvertreter“ einfach geistig ned ganz kapieren.
    „HÖR SO LAUT DU WILLST, ABER NICHT AM BAHNSTEIG“ ( junger Mann mit abgetrennten Unterearm) lautet eine Botschaft!
    Leider sehr viel schneller als befürchtet es passiert, eine junge Frau wurde mit Kopfhörern im Ohr in Linz von einer Straßenbahn überfahren.

    Ich habe als Lokführer leider schon 2 Personen überrollt.

    Wenn durch diese Plakataktion nur eine Verletzung oder Tötung einer Person verhindert werden kann hat sie schon Erfolg!!

    Auch wenns manchen ned passt.

    • „Schön“, dass es nicht nur mir so ging.
      Ich finde es erschreckend, wie die Verbännde & Co unwahr und realitätsfremd mit dieser Sache umgehen. WARUM darf man Rollstuhl&Co als „Unfallkonsequenz“ nicht thematisieren?