Regierung: Wo integriert wird entscheiden noch immer wir

Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) präsentiert die nächsten geplanten Schritte der Bildungsreform - darunter auch die "Integration nach der 8. Schulstufe an Polytechnischen Schulen und Haushaltsschulen". Ein Kommentar.

Claudia Schmied
Spiola, Petra

Im Rahmen einer Pressekonferenz kündigte die Bildungsministerin – gemeinsam den Bildungssprechern der SPÖ und ÖVP – jene nächsten Schritte an, die in den kommenden Tagen in die gesetzliche Begutachtung kommen werden.

„Neben der Oberstufe NEU wird auch das Reformpaket zur Integration nach der 8. Schulstufe an Polytechnischen Schulen und Haushaltsschulen nächste Woche in Begutachtung gehen“, ist der begleitenden Presseaussendung vom 14. Juni 2011 zu entnehmen.

Konkret wird weiters angekündigt: „Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf sollen demnach ab der 9. Stufe Regelschulen besuchen. Damit sollen die Bildungschancen erhöht und die Berufsaussichten verbessert werden.“

Geplante Umsetzung

Es ist geplant, dass im Herbst 2011 das Parlament über die geplanten Veränderungen beraten und abstimmen wird. In Kraft treten sollen die Bestimmungen mit September 2012.

Für den ÖVP-Bildungssprecher, Werner Amon, ist Integration von Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der neunten Schulstufe eine wichtige Regelung. „Nach der erfolgreichen Einführung der Teillehre ist die Vollintegration auf der neunten Schulstufe der logische Lückenschluss“, so Amon.

Als „wichtigen Schritt zu noch besseren Bildungschancen für Menschen mit Behinderung“ wertet das präsentierte Paket die SPÖ-Behindertensprecherin, Ulrike Königsberger-Ludwig.

Erfolg?

Im aktuellen SPÖ-ÖVP-Regierungsprogramm werden im Bereich „Schulische Integration“ u.a. folgende wichtige Vorhaben aufgelistet:

  • „Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf bestmöglich in das Schulsystem integrieren.“
  • „Weiterführung der Integration nach der 8. Schulstufe.“

Wieder nur selektive Integration

Wenn man die Ankündigung schnell überfliegt, könnte man jene Punkte des Regierungsprogramms als „erledigt“ ansehen. Doch bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass die jetzige Situation selektiven Integrationsdebatten aus dem Jahre 2001, 2002 oder 2006 nicht unähnlich ist.

Die Integration behinderter Schülerinnen und Schüler in allen Schultypen wird auch heuer wieder verwehrt und es soll eine Einschränkung der Integration auf Polytechnischen Schulen und Haushaltsschulen geben.

Wichtige Gesprächsrunden im Bildungsministerium

In wenigen Tagen wird es im Bildungsministerium ein Expertinnen- und Expertengespräch unter dem Titel „Umsetzung der UN-Konvention – der Rechte für Menschen mit Behinderungen im schulischen Bereich“ geben.

So wichtig die Integration in den erwähnten Schultypen auch ist – eine Inklusion, wie sie die UN-Behindertenrechtskonvention vorschreibt, umfasst aber alle Schultypen. Es bleibt daher noch viel zu tun.

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0 Kommentare

  • Wo gehörlose Schulkinder integriert werden, liegt nicht nur an der Entscheidungsgewalt des Bundesministeriums für Unterricht in bezug auf Bundesschulen, sondern auch bei Stadtschulrat in Wien bei Schulen der Stadt Wien. Die mangelhafte Gesetze bieten ihnen da freie Hand, um ihren Sparwillen und gegen die Interessen der Schulkinder durchzusetzen.

  • Dass jederzeit austauschbare MinisterInnen fachlich nicht auf der Höhe der Zeit sein können, ist Gewohnheitssache. Dass aber die SpitzenbeamtInnen in den Sektionen, die ihre spezifische Amtspflichten über Jahrzehnte ausüben, mit den menschenrechtlichen Verpflichtungenzu so wenig vertraut sind, bleibt sehr befremdlich.