RESÜMEE der PARLAMENTARISCHEN ENQUETE am 19. Mai 1995

“Enthinderung - neue Wege beruflicher Integration für Menschen mit besonderen Bedürfnissen”

“Wir behinderten Menschen müssen unser Menschenrecht auf selbstbestimmtes Leben, und das heißt auch, unser Recht auf Integration in ALLEN Lebensbereichen gesetzlich einfordern. Dazu gehört auch das Recht auf Arbeit am offenen Arbeitsmarkt.” eröffnete die Behindertensprecherin der Grünen Theresia Haidlmayr die Enquete. Sie forderte ein Antidiskriminierungsgesetz, denn in diesem Gesetz würden alle diese Forderungen in hohem Maß abgesichert.

Arbeit ist ein Mittel zur wirtschaftlichen Sicherstellung in unserer Gesellschaft, erläuterte Maria Pfaffenbichler (Arbeitsassistentin der Caritas in Lanzendorf, NÖ). Um einem behinderten Menschen zu einer erfüllenden Arbeit zu verhelfen, müssen wir ihn von seinen Stärken und nicht von seinen Schwächen her begreifen. Je mehr der behinderte Mensch seine Stärken in die Arbeit einbringen kann, desto eher ist ein Gelingen möglich.

“Wie steht es um integrative Angebote im außerschulischen Bereich?“ fragten Birgit Schlichtherle und Brigitte Husinsky. Es gibt im Außerfern keine Angebote, mit Ausnahme einer Behindertenwerkstätte, in der Behindertenarbeit im klassischen Sinne stattfindet.

Der in der Schule bereits gelebte Integrationsgedanke würde allerdings ad absurdum geführt werden, wenn behinderte Jugendliche nach der Schule lediglich folgende Wahlmöglichkeiten haben: eine Geschützte Werkstätte, die ihnen zwar Arbeit gibt, sie aber aus dem natürlichen Lebenszusammenhang ausgrenzt, oder als reine Freizeitmenschen ein Leben in der eigenen Familie wählen zu müssen, um so möglicherweise als Sozialschmarotzer abgestempelt zu werden.

Ihre Aufgabe im Projekt OASE (Ohne Ausgrenzung Selbst Erleben) verstehen sie in der Erstellung eines integrativen Angebotes in den Bereichen Arbeit, Bildung und Freizeit. Behinderte Menschen werden behindert und sollen ENT-HINDERT werden. Sie wollen Arbeitsassistenz und Persönliche Assistenz durchsetzen, wo sie benötigt wird. Legt man den Betreuungsschlüssel der Hamburger Arbeitsassistenz von 1 : 4 zugrunde, dann braucht der Bezirk Außerfern zwei Arbeitsassistenzposten jährlich.

Die Besonderheit des Projektes liegt darin, daß den besonderen Bedürfnisse des Bezirkes auf Nichtaussonderung Rechnung getragen wird. Das ist was völlig anderes, als einem bestehenden aussondernden System jetzt ein neues Element, nämlich die Arbeitsassistenz, hinzuzufügen. Ob diese Chance zur Innovation genutzt wird, hängt letztlich vom Willen der politischen Entscheidungsträger ab. Arbeitsassistenz ist eine Alternative, KEINE Ergänzung zu den Geschützten Werkstätten

Elisabeth Löffler, Mitarbeiterin der beruflichen Integration des Vereins “Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen“: “In meiner Arbeit in einer städtischen Bücherei wurde mir zum erstenmal bewußt, daß mir eine Arbeitsassistenz fehlt“. Sie mochte ihre Arbeit, sie schätzte ihre KollgeInnen, es gab aber viele Arbeitsschritte, die sie gerne unabhängig von ihnen gemacht hätte. Die ständig verschwimmenden Beziehungsgrenzen sind sehr anstrengend.

Bei der Arbeitsassistenz geht es vor allem um gute Rahmenbedingungen. Dies wurde im Rahmen dieser Enquete anhand eines Videofilms über das Hamburger Arbeitsasstenzmodell sehr deutlich vor Augen geführt. Durchschnittlich können bei diesem Projekt in Hamburg 20 bis 40 % der arbeitssuchenden Menschen vermittelt werden. Geschützte Werkstätten, die aufgrund des Gesetzes behinderte Menschen auf den 1. Arbeitsmarkt zu ermitteln haben, kommen dieser Verpflichtung kaum nach: Ihre Vermittlungsquote liegt bei einem (!) Prozent.

Sie hat vor allem die Aufgabe, sich entweder überflüssig zu machen, oder so zu tun als wäre sie es. Das ist viel verlangt. Der Mensch ist nicht ausschließlich über die Arbeit definierbar, es steht ihm aber gleichzeitig das Recht auf Arbeit zu.

Der Traum einer Gesellschaft

ohne Behinderte wird wieder laut geträumt Dies ist der reale Traum der Gen- und Reproduktionsindustrie, sprach Volker Schönwiese (Universitätsdozent der Erziehungswissenschaft, Innsbruck). Das wichtigste Gegengewicht zu diesen Tendenzen der Funktionalisierung, Verwahrung und letztendlich der Vernichtung ist der Kampf um Integration!

Alles was sich Arbeitsassistenz nennt, ist nicht schon diese. Was z. B. das Arbeitsmarktservice (AMS) in diesem Bereich tut ist Etikettenschwindel. Integration ist auch eine Frage der Qualitätsstandards. Das Behinderteneinstellungsgesetz und die Geschützten Werkstätten sind politische Instrumente zur Aufrechterhaltung der nicht erfüllbaren Pflicht zur Arbeit. Die bei uns üblichen Modelle der Beschäftigungstherapie üben meist nur Arbeitszwang aus. Arbeit so verstanden macht als Therapie alles andere als frei!

Die Zersplitterung der politischen Kompetenzfelder dient der Aufrechterhaltung des Status quo. Die Schaffung notwendiger Integrationshilfen (z. B. Arbeitsassistenz) im Bereich der Arbeitswelt wird in Österreich nicht als Frage von Qualität gehandhabt, sondern als Frage der Koordination eines vielfältig zersplitterten Versorgungssystems. Die Zersplitterung des Systems muß als regulative Abwehrstruktur erkannt werden.

Bürgernahe Systeme gehören als Erstes gefördert und nicht zuerst Geschützte Werkstätten. Das jetzige System gehört auf die Füße gestellt, denn jetzt steht es noch auf dem Kopf, weil die aussondernden Systeme gefördert werden und nicht die bürgernahen!

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