Eduard Riha

Riha: „Ziel ist der konsequente Abbau jeglicher Barrieren“

BIZEPS-INFO sprach mit SPÖ-Kandidat Eduard Riha, beruflich tätig in der ÖAR, über seine Kandidatur zur Wiener Landtagswahl am 23. Oktober 2005. Ein Einzug ist "nicht realistisch", doch eine Chance bestünde, wenn es nachträglich eine Umreihung gäbe.

BIZEPS-INFO: Welchen Listenplatz haben Sie und wie realistisch ist Ihr Einzug in den Landtag?

Eduard Riha: Da mein Platz auf der SPÖ-Landesliste der 147ste und auf der Bezirksliste (Floridsdorf) der 25ste ist, ist der Einzug für’s erste nicht realistisch. Eine Chance bestünde nur, wenn die Partei nach den Wahlen befindet, dass ihr ein selbst betroffener, behinderter Mensch im Landtag so wichtig ist, dass sie nachträglich noch eine Umreihung vornimmt.

Meine einzige Hoffnung ist, dass viele Wienerinnen und Wiener – vor allem jene, die ohnehin SPÖ-Wähler sind – ein deutliches Signal für behinderte Menschen setzen und mir eine Vorzugsstimme geben.

Vielleicht kann sich auch diese/r oder jene/r Wähler/in mit anderen Parteipräferenzen entscheiden, diesmal mir ihre Stimme zu geben, um behinderten Menschen einen eigenen Vertreter im Landtag zu ermöglichen.

BIZEPS-INFO: Welche politischen Ziele haben Sie konkret?

Eduard Riha: Mit meiner Arbeit für die ÖAR, der Kooperation mit anderen Organisationen behinderter Menschen bemühe ich mich die Lebensumstände behinderter Menschen zu verbessern. Mit meinem Know-how nun auch innerhalb einer Partei deren Vorstellungen und ihr Bewusstsein für die Anliegen behinderter Menschen zu verändern und zu beeinflussen, halte ich für eine reizvolle Aufgabe.

Zwei wesentliche Dinge sind es, die meiner Meinung nach darüber entscheiden, ob eine Stadt für behinderte Menschen lebenswert ist und die auch unmittelbar auf Landesebene beeinflussbar sind: Zum ersten der konsequente Abbau jeglicher Barrieren im städtischen Raum (an Gebäuden, auf Straßen und Wegen, an Verkehrsmitteln aber auch bei jeglicher Form von Information und Kommunikation) und zweitens ein breites Angebot an Maßnahmen, die ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen erst ermöglichen.

Dabei ist eine entscheidende Qualität, dass eine Vielzahl an Hilfs-, Betreuungs- und Assistenzangeboten auch durch die freie persönliche Wahl aus diesen Angeboten ergänzt wird.

BIZEPS-INFO: Wieso kandidieren Sie für die SPÖ?

Eduard Riha: Seit Jahrzehnten habe ich mich bemüht, behinderte Menschen zu ermutigen, ihre Anliegen selbst zu vertreten, sich zu engagieren und sich einzumischen, auch in politischen Parteien und gesetzgebenden Gremien. Als nun die Wiener SPÖ mit dem Angebot einer Kandidatur an mich herangetreten ist, konnte ich wohl nicht ablehnen, ohne meinen Forderungen und Grundsätzen untreu zu werden, zumal ich seit langem Mitglied dieser Partei bin.

BIZEPS-INFO: Welche Behinderung haben Sie?

Eduard Riha: Ich bin seit 1967, infolge eines Autounfalls querschnittgelähmt und Rollstuhlfahrer.

BIZEPS-INFO: Welche Möglichkeiten sehen Sie für sich persönlich, in der Behindertenpolitik in Wien für die SPÖ etwas zu bewegen?

Eduard Riha: Es gibt in der Bundespolitik und in einigen Landesparlamenten bereits behinderte Menschen, die den gleichen Weg beschritten haben. Alle diese Personen haben gezeigt, dass es ihnen gelungen ist, sowohl in ihrer Partei als auch in den gesetzgebenden Gremien, in denen sie durch ihre Partei vertreten sind, die Sinne zu schärfen und das Bewusstsein für die berechtigten Forderungen behinderter Menschen zu verbessern und infolgedessen auch konkrete Veränderungen zum Besseren zu bewirken. Das sollte mir in der SPÖ Wien und im Landtag genauso möglich sein.

BIZEPS-INFO: Was wollen Sie verändern?

Eduard Riha: Es wird in der nächsten Legislaturperiode besonders wichtig sein, konsequent – auch auf Landesebene – die Umsetzung des 2006 in Kraft tretenden Gleichstellungsgesetzes zu betreiben. Es sollte gerade in Wien, das mit Recht und Stolz auf seine besondere soziale Kompetenz bis ins beginnende vergangene Jahrhundert hinweisen kann, möglich sein, innerhalb der nächsten Regierungsperiode systematisch alles was in Gesetzen und Verordnungen noch als diskriminierend für behinderte Menschen auszumachen ist zu bereinigen.

BIZEPS-INFO: Wir danken für das Interview.

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0 Kommentare

  • Ich denke, daß Eduard Riha, falls er in den Gemeinderat kommt, seine Funktion als Generalsekretär der ÖAR zurücklegen wird. – Alleine wegen der Doppelbelastung. Jedoch ist dies sehr unwahrscheinlich, wenn die SPÖ keine Umreihung vornimmt. Alleinen daß ein Rollstuhlfahrer im Gemeinderat sitzt, egal von welcher Partei nomminiert, wäre ein Gewinn und hätte Sensibilisierungswirkung auf die Wiener Stadtpolitik noch dazu wo Riha ein Experte ist.

  • Grundsätzlich nicht unproblematisch scheint mir die Frage zu sein, wie sich die Kanditatur eines Generalsekretärs der ÖAR für eine politsiche Partei vereinbaren läßt mit diesem Posten: Hat sich die ÖAR denn nicht zu parteipolitischer Unabhängigkeit verpflichtet? Wie könnte diese denn gewährleistet sein, wenn „der“ führende Angestellte Funktionär einer politischen Partei ist?
    Was würde dies für andere Parteien bedeuten und was würde dies für die Interessen der behinderten Mitglieder bedeuten? Ich würde mir sehr wünschen, daß diese und andere damit zusammenhängende Fragen öffentlich diskutiert werden.

  • Schade, daß die SPÖ Eduard Riha, an aussichtloser Stelle nominiert hat. Es wäre an der Zeit, daß ein so kometenter Mann und Rollstuhlfahrer, auch Bewußtseinsbildung und die Interssen von behinderten Menschen im Wiener Gemeinderat vertritt. Hoffentlich bekommt Eduard Riha genügend Vorzugsstimmen um die Wichtgkeit der Anliegen von behinderten Menschen der SPÖ Wien zu verdeutlichen!