Rückblick: „Wien wird anders – Inklusion und Vielfalt im Sozialraum Wien“

Unter diesem Motto stand die erste Tagung der IVS Wien (Interessensvertretung sozialer Dienstleistungsunternehmen für Menschen mit Behinderung). Sie fand am 25. und 26. Juni 2012, in Wien statt. - Ein Kommentar.

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IVS Wien

Erklärtes, ehrgeiziges Ziel der Veranstalter war laut deren Sprecher, Robert Mittermair, „die Entwicklung konkreter Vorschläge, deren Umsetzung zügig realisierbar ist.“

So will die Interessensvertretung ihren Beitrag zur Erreichung der in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung formulierten Vorgaben leisten.

Der Einladung ins Studio 44 der Österreichischen Lotterien am Wiener Rennweg sind laut Organisatoren 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefolgt.

Fahrt auf der Hochschaubahn

Nach der Eröffnung durch Robert Mittermair begann die erste „Fahrt auf der Hochschaubahn“ wie die Moderatorin die Impulsreferate der beiden Vormittage in ihrer Zusammenfassung sehr treffend charakterisierte. Ich werde auf die einzelnen Inhalte der Referate hier nicht eingehen, da diese ohnehin online zu Verfügung stehen.

Die Zugänge, Ansichten und damit auch die Anregungen für die Großgruppen-Workshops hätten gar nicht unterschiedlicher sein können. Dementsprechend intensiv und emotional gestalteten sich dann auch die Diskussionen in den Arbeitsgruppen am Nachmittag. Aber noch etwas anderes trug zu hitzigen Debatten bei: auch für diese Tagung galt die Schlussfolgerung zu der Behindertenanwalt Dr. Erwin Buchinger in seinem Referat kam.

Inklusion ist noch harte Arbeit

Inklusion ist machbar, aber leider langwierig und offensichtlich noch harte Arbeit. Dies zeigte sich schon im Foyer an den Stehtischen, die eigentlich für das Buffet vorgesehen waren und selbst aufgeschlossenen nichtbehinderten Teilnehmerinnen und Teilnehmern gleich die Möglichkeit gaben, praktisch zu üben, nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg über diese zu sprechen.

Das dürfte noch nicht so geglückt sein, denn in den Pausen war eine ziemlich klare Trennung zumindest zwischen Stehenden und im Rollstuhl Sitzenden erkennbar. Zweitere waren nämlich genötigt so sie keine spezial Rollstühle hatten im Veranstaltungssaal selbst zu essen.

Dieses Problem konnte aus unerfindlichen Gründen bis zum zweiten Tag nicht gelöst werden. Hat niemand daran gedacht, die im Foyer Stehenden zu inkludieren und ihnen einen Sitzplatz im Veranstaltungssaal anzubieten? Die zweite Lektion scheint man gelernt zu haben. Am zweiten Tag gab es eine Rampe auf das Podium.

Wer sind die „Anderen“?

Wie Prof. Dr. Wolfgang Hinte in seinem kabarettistischen Vortrag erklärte, muss Soziale Arbeit im derzeitigen System immer zuerst herausfinden, wer die „Anderen“ sind, weil es für diese Geld gibt, um sie nachher wieder integrieren oder idealerweise inkludieren zu können.

Wenn ich seinen Vergleich der Inklusion mit einem Sackerl bunter Gummibären aufgreife, so könnte ich sagen, dass schon bei der Organisation dieser Veranstaltung die rote Farbe gefehlt hat. Ansonsten wäre sicher nicht nur für einen Vortrag eine schriftliche Zusammenfassung in leichter Sprache angeboten worden.

Ich fand es befremdlich, dass sogar die Performance, zumindest am ersten Tag hochphilosophische Themen aufgriff, obwohl vorher gerade die Wichtigkeit von leichter Sprache betont wurde. Ich vermute, dass nach einem anstrengenden Tag nicht nur Menschen mit Lernschwierigkeiten mit diesen gedanklichen Turnübungen überfordert waren. Gleiches gilt sicher für die Gestaltung einzelner Power Point Präsentationen. Diese waren nicht nur für Menschen mit einer Sehbehinderung eine Herausforderung.

Wenn Sie mir erlauben, bei dem Gummibärenvergleich zu bleiben, war am Podium nur ein einziger rot. Alle anderen roten waren lediglich in die Großgruppen am Nachmittag einbezogen und hatten zwischen den Vorträgen kaum Zeit, das Gehörte mit den Referentinnen und Referenten zu diskutieren. Dies wäre vor allem beim Vortrag des Vertreters der Wirtschaftskammer erforderlich gewesen, da dieser plakativ die allgemeinen Vorurteile gegenüber Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Behinderung ausführte. Die aktuellen Daten, die er sich offensichtlich nicht einmal angesehen hatte, sprechen eine andere Sprache. Auch als Interessensvertreter einer anderen Gruppe gebietet es der Respekt, bei den Fakten zu bleiben. Dies gilt umso mehr für einen Juristen und Sozialreferenten.

Das Catering besorgten „rote Gummibären“, aber ich würde auch Menschen mit Behinderung nicht nur mit einer Farbe gleichsetzten.

„Am liebsten erinnere ich mich an die Zukunft.“

Ich wünsche mir auch, dass in der Einladungsliste der Referenten die „Farbe“ der Betroffenen nicht fast vergessen wird. Ich bin mir sicher, dass viele qualifizierte rote (oder auch zum Beispiel BIZEPS-gelbe) Gummibären für Diskussionen zur Verfügung stehen. So träume ich abschließend von einem bunten Organisationsteam, Podium wie Publikum – ganz im Sinne von Salvador Dali, den Frau Mag. Elisabeth Tschann (IfS-Assistent Vorarlberg) zitierte: „Am liebsten erinnere ich mich an die Zukunft.“

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