Salzburg: Heim-Neubau statt Inklusion

Salzburg errichtet Heim für Menschen mit Autismus, anstatt endlich die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention voranzutreiben. Ein Kommentar.

Tafel mit dem Aufdruck Salzburg
BilderBox.com

Wie BIZEPS erst kürzlich berichtete, forderte der Monitoringausschuss den Abbau von Sondereinrichtungen und den Ausbau gemeindenaher Unterstützungsformen. Gerade das Land Salzburg wurde dabei angesprochen, doch anstatt sich zu Inklusion zu bekennen, errichtet Salzburg ein neues Heim für Autisten und erntet damit Kritik.

Der Neubau wird im Gebiet des Dorfes St. Anton bei Bruck (Pinzgau) stehen. Wie auf salzburg.orf.at berichtet, soll es bis zum kommenden Jahr zwölf neue Wohnplätze für Menschen mit Autismus geben.

Der falsche Weg

Karin Astegger, Vorsitzende des Salzburger Monitoringausschusses, kritisiert dieses Vorgehen massiv.

„Es ist ausgrenzend. Menschen in einer Sondereinrichtung müssen das Leben mit anderen Mitbewohnern gestalten – da kommen persönliche Wünsche und Ziele nicht in dem Ausmaß zu tragen und vor allem sind diese Menschen sehr wenig präsent in unserer Gesellschaft und haben auch wenig Möglichkeiten da mitzumachen“, so Astegger gegenüber salzburg.orf.at. 

Statt eines Neubaus sollte man mehr Mittel in die Betreuung zu Hause oder in der Nähe des Wohnortes stecken, fordert Astegger und weist in diesem Zusammenhang besonders auf das Konzept der Persönlichen Assistenz hin.

Neubau statt Veränderung

Mit dem Neubau sei bloß eine bestehende Einrichtung modernisiert worden, sagt Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schnellhorn (GRÜNE). Auch betont er, dass Inklusion für ihn ein zentraler Arbeitsschwerpunkt und Auftrag sei. Die aktuelle Vorgangsweise lässt aber Gegenteiliges vermuten.

Der Neubau des Heims für Autisten ist nicht die einzige Sonderinstitution, die in Salzburg aufrecht erhalten bleibt, auch der Fall des Neubaus der Landeseinrichtung Konradinum zeigt ein ähnliches Bild.

Die Volksanwaltschaft hat in dieser Einrichtung gravierende Missstände festgestellt. Anstatt diese Einrichtung abzuschaffen, gab es auch hier einen Neubau. 

Man sieht also: Diese Vorgehensweise hat Methode. Anstatt die institutionellen Strukturen aufzubrechen und abzubauen, wird die bauliche Fassade der Einrichtungen geändert. In Salzburg steht Inklusion weiterhin nur auf dem Papier.

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4 Kommentare

  • Ausgezeichnete Idee Herr Riess, da hätte Salzburg schon einige erste Preise abgeräumt!!!

  • „Salzburg-Preis“.

    In Form eines rostigen Nachttopfs!

  • Man sollte für Salzburg einen Preis der Schande für die fortgesetzte Mißachtung der UN-Behindertenrechtskonvention ausloben!