schaut hin – und sorgt endlich für echte Inklusion

Das Leitwort zum 3. Okumenischen Kirchentag, der am 16. Mai 2021 in Frankfurt am Main zu Ende ging, hätte nach Ansicht von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul mit "schaut hin" angesichts der Gewalttaten in Behinderteneinrichtungen nicht besser gewählt werden können. In seinem Kommentar plädiert er jedoch dafür, das Leitwort zu erweitern: "schaut hin - und sorgt endlich für echte Inklusion".

Ottmar Miles-Paul
Ottmar Miles-Paul

Vier Tote und eine Schwerverletzte im Oberlinhaus in Potsdam, Ermittlungen gegen 145 Beschäftigte wegen Misshandlungen in der Stiftung Wittekindshof in Bad Oyenhausen über Jahre hinweg und viele andere Gewaltakte gegenüber behinderten Menschen, die keine Schlagzeilen machen und die oft auch nicht ans Licht der Öffentlichkeit kommen.

All das sind Gründe genug, getreu dem Leitwort des Ökumenischen Kirchentages hin zu schauen. Auch wenn die Ausgrenzung und Gewalt gegenüber behinderten Menschen beim derzeit in Frankfurt stattfindenden Kirchentag kein Topthema war, sollte es engagierte Menschen in den Kirchen beschäftigen.

Denn gerade kirchlich geprägte Einrichtungen der Diakonie und Caritas sind keine Vorreiter in Sachen Inklusion, sondern verharren meist noch im Denken der Behindertenhilfe des letzten Jahrhunderts.

Inklusion wird hier zwar meist im Worte geführt, aber von denjenigen, die die meist großen Einrichtungen betreiben, wollte niemand derzeit unter solchen Bedingungen leben müssen. Deshalb lohnt sich heute ein Blick auf das Leitwort des 3. Ökumenischen Kirchentages in Frankfurt.

„Das Leitwort ’schaut hin‘ (Mk 6,38) steht im Mittelpunkt des Ökumenischen Kirchentages. Es spannt damit inhaltlich den roten Faden über die Programmpunkte der digitalen Großveranstaltung in Frankfurt am Main. Es ist kein reines Zitat, sondern eine Interpretation des ‚geht hin und seht nach“ aus der Geschichte der Speisung der 5.000 mit fünf Broten und zwei Fischen“, heißt es zur Erklärung des Leitworts auf der Internetseite zum 3. Ökumenischen Kirchentag.

„’schaut hin‘ ist ein Appell – an uns alle“, so die Präsidentin des Ökumenischen Kirchentages, Bettina Limperg und weiter heißt es: „Schauen ist mehr als sehen. Schauen nimmt wahr und geht nicht vorbei. Schauen bleibt stehen und übernimmt Verantwortung. Aktiv Verantwortung zu übernehmen, ist unser Auftrag als Christinnen und Christen.“

Diese Aussagen bieten eine Reihe von Ansatzpunkten, auch genauer auf die Behindertenarbeit der Kirchen und deren caritative Einrichtungen zu schauen. Denn dort gibt es sehr viel hinzuschauen – vor allem im Lichte der UN-Behindertenrechtskonvention.

Doch leider wird hier oft das Prinzip gelebt „wessen Brot ich eß, dessen Sprach ich sprech“, so dass Missstände nicht angesprochen oder unter den Tisch gekehrt werden. Daher gilt es diesen Satz zu erweitern: „Schaut hin – und sorgt endlich für echte Inklusion“. Und zum Schauen und vor allem zum Handeln gibt es dabei genug!

Link zu weiteren Infos zum Leitwort des 3. Ökumenischen Kirchentages

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Ein Kommentar

  • Schön, dass hier jemand wagt, hinzusehen!
    Wir erleben schon Jahrzehnte lang das Wegschauen und Ignorieren, Ausschließen und Abwerten!
    Meine behinderte Schwester, eine kluge,humorvolle,soziale,verantwortungsvolle und pflichtbewusst Frau, ist schon 7 Jahre dazu verdammt, nichts tun zu dürfen und darf sich nirgends nützlich machen, oder in irgend einer Form einbringen!
    Wir versuchten es auch bei unserem Pfarrer in unserer Pfarre und fragten ihn, ob er sich vorstellen kann, dass meine Schwester irgendwo mitwirken oder mitgestalten kann?
    Seine Antwort:
    „Die Kirchn is jo ka Sölbstfawirklichungsplotz fia Behinderte, do miasns ihna scho an aundan Plotz suachn!“