Schulische Inklusion als Opfer eines politischen Tauschgeschäfts?

Ist Bundesministerin Dr. Claudia Schmied (SPÖ) dabei, das Thema schulische Inklusion völlig fallen zu lassen? Ein Kommentar.

Claudia Schmied
Spiola, Petra

Die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen beinhaltet das Ende der Sonderschule und die Umstellung auf Inklusion. Im „Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung für Menschen mit Behinderungen“ (NAP) sollte dies festgelegt werden.

Seit fast einem Jahr wird im BMUKK darüber bei Runden Tischen verhandelt, es gab dabei den Versuch, möglichst viele Beteiligte (aber nur wenige Menschen mit Behinderungen) in einen Dialogprozess einzubinden.

Anfrage von Abgeordnetem Walser

Der abschließende Runde Tisch ist für Ende Jänner 2012 geplant, aber einer aktuellen Anfrage des Nationalratsabgeordneten Harald Walser (GRÜNE) an Unterrichtsministerin Claudia Schmied ist zu entnehmen, dass offensichtlich schon längst alles entschieden ist.

Es hat – jenseits aller Dialoge, Stellungnahmen des Monitoringausschusses und wissenschaftlicher Erkenntnisse – nur einer Sitzung der Ministerin mit den Landesschulratspräsidenten bedurft, dass nicht die Umstellung auf Inklusion, sondern der Erhalt der Sonderschulen garantiert wird. Dies teilte der Tiroler Landesschulratspräsident Dr. Hans Lintner in einem Schreiben mit.

Schmied schweigt

Auch alle weiteren Informationen, die BIZEPS vorliegen, weisen darauf hin, dass die Sonderschulen wie gehabt erhalten bleiben und sich darüber hinaus nichts Grundsätzliches ändern wird. Und Ministerin Schmied schweigt zu diesem Thema – wie schon seit vielen Jahren.

Die Menschenrechte von behinderten Kindern und die vom österreichischen Parlament beschlossene UN-Behindertenrechtskonvention sind ihr kein Anliegen: Steckt dahinter ein politisches Tauschgeschäft mit dem Regierungspartner: Alle Hauptschulen werden flächendeckend in Neue Mittelschulen umgewandelt, dafür wird an den Sonderschulen nicht gerüttelt?

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0 Kommentare

  • ich halte das Inklusionskonzept für einen ausgesprochenen Fortschritt – nicht nur im Bereich „Behinderung“. Inklusion statt Integration ist meines Erachtens die bisher einzige Perspektive, die Gleichwertigkeit unterschiedlicher menschlicher Lebensformen und Chancengleichheit gewährleisten kann und letztlich auch der Bekämpfung von Vorurteilen und dem Aufbrechen von Stereotypen entgegenkommt. Sonderschulen dienen diesem Zweck nicht – im Gegenteil.

  • @Elke Waldner: Liebe Frau Waldner! Das ist genau der Fehler im System – oder vielleicht ist es das System -, dass die Rahmenbedingungen für Inklusion so schlecht gestaltet werden, dass SchülerInnen mit Behinderung in Sondereinrichtungen gedrängt werden. Das Unterrichtsministerium war eine der treibenden Kräfte bei der Verlängerung der Übergangsfrist für die Barrierefreiheit von öffentlichen Gebäuden bis 2019. Die personellen Ressourcen für Inklusion werden nicht verbessert, sondern verschlechtert indem den Schulen aus Einsparungsgründen Stundenkontingente entzogen werden. Und schließlich bleiben Barrieren in den Köpfen unverändert, wenn es keinen Kontakt zu Menschen mit Behinderung gibt, weil diese nicht in ihrer Bezugsgruppe inkludiert, sondern in Sonderbereichen abgeschoben leben. Und so schließt sich der Teufelskreis und Ihre Tochter ist ein Opfer davon, denn allen voran die Bildungsministerin wäre dafür verantwortlich dafür zu sorgen, dass Sie Bedingungen vorfinden unter denen eine
    Regelschule das Beste für Ihre Tochter ist.

  • Ich verstehe eure Entrüstung über den Beibehalt der Sonderschulen, möchte aber als betroffene Mutter, die in Kärnten lebt, wo eine Vorreiterrolle in der Inklusion beschlossen wurde, auch die andere Seite aufzeigen. Ich habe für meine Tochter um Integration bis zur 4.VS gekämpft und mein Herz schlägt für Integration / Inklusion. Aber zum jetzigen Zeitpunkt die Sonderschulen abzuschaffen, würde das Wohl meines Kindes massiv beeinträchtigen. Ich habe mich ab der 5. Schulstufe für eine Einrichtung der Behidnertenhilfe entschieden, denn: Es wurden bisher weder die baulichen Barrieren, noch die Barrieren in den Köpfen der Menschen ohne Behinderung abgebaut, es gibt derzeit viel zu wenig Ressourcen in den Regelschulen (SonderpädagogInnen, BehindertenbetreuerInnen, Nachmittagsbetreuung,…) – ich möchte nicht, dass mein Kind, das sich weder körperlich noch verbal wehren kann, in eine Schule gehen muss, die nicht ausgezeichnet vorbereitet wurde. Das Pferd wird momentan von hinten aufgezäumt – zuerst die Sonderschulen abzuschaffen und erst anschließend die Inklusion vor zu bereiten ist der verkehrte Weg – und derzeit hat man mit der Vorbereitung für die Inklusion – wenigsten in Kärnten – außer einem Lippenbekenntnis noch nicht einmal begonnen! Hier habe ich einfach massivst die Sorge, dass mein Kind unter „die Räder“ kommt, weil mein Verdacht derzeit ist, dass sich Kärnten für Inklusion einsetzt, um unter dieser Überschrift, den Sparstift an zu setzen.

  • Sehr eigenartig, aber für mich persönlich auch eine wunderschöne Bestätigung! Während man hoheitlich alle diesbezüglichen Bestrebungen niederschmettert, wegverhandelt, natürlich schön im Geheimen, praktiziere ich Inklusion auf eine ganz ganz andere Art und Weise! Es wird auch hierfür Zeugen geben.

  • Für mich erübrigt sich jeder Kommentar. @Anonym! Du hast für mich ohnehin schon alles zum Ausdruck gebracht. Ich mag gar nicht mehr im Gegensatz zu Dir. Dann, auf ein frohes Tauschen Menschenrechte gegen Politisches Kalkül!

  • Ein sehr schwaches Performance von BM Schmied, muss hier gesagt werden. An dieser Stelle hätte mich interessiert, ob das Bildungsministerium bei Bundesschulen wie z.B. Bundesinstitut für Gehörlose bzw. Blinde mehr Gestaltungskompetenz hat als bei anderen Sonderschulen, die in fester Hand der Landesbeamten sind …

  • vielen dank für deine aktuellen artikel! mir fehlt leider momentan die energie mich wieder stärker zu engagieren, deshalb danke für deine unermüdliche arbeit und offenes engagement, und auch all der anderen „aktivistInnen“

    zum artikel: die hintergründe mögen dieses (oder ein anderes, oder deren mehrere) tauschgeschäft(e) sein, letztlich ist das, was immer unverblümter zum ausdruck kommt, komplettes desinteresse,wenn nicht unwillen auch nur einen finger zu rühren, um groß angekündigte veränderungen tatsächlich zumindest einzuleiten , nicht selten kommt es stattdessen sogar zu verschlechterungen des status quo, die dann noch als erfolge verkauft werden. papier ist geduldig. und was erschreckend ist, es findet immer öfter nicht einmal mehr eine diskussion statt. es wird geschwiegen oder der dialog nicht einmal mehr in erwägung gezogen und verunmöglicht. und das in vielen bereichen, nicht nur in der behindertenpolitik. das finde ich in vielerlei hinsicht (nicht zuletzt auch demokratiepolitisch) äußerst bedenklich.
    ehrlich gesagt, jagt es mir angst ein und mich verlässt ab und zu der mut gegen dieses „bollwerk“ anzutreten und nicht zu resignieren. wie schafft ihr das?