Schulsystem in Deutschland sondert weiter Kinder aus

Heute werden mehr Kinder und Jugendliche an Sonderschulen unterrichtet als vor elf Jahren.

Hubert Hüppe
CDU

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung kommt zu dem Schluss, dass der Anteil der an Sonderschulen unterrichteten Kinder und Jugendlichen an allen Schülerinnen und Schülern in den letzten elf Jahren deutschlandweit angestiegen ist.

Zwischen dem Schuljahr 2000/01 und 2011/12 stieg die sogenannte „Exklusionsquote“ von 4,6 % auf 4,8 %. Obwohl alle über Inklusion reden, passiert viel zu wenig. Das kritisierte heute Bundesbehindertenbeauftragter Hubert Hüppe.

Nachdem die UN-Behindertenrechtskonvention Deutschland vor vier Jahren zu gemeinsamem Unterricht verpflichtet hatte, war die Quote im Schuljahr 2009/10 sogar auf 5 % gestiegen und dann auf aktuell 4,8 % leicht gesunken.

„In Deutschland werden Kinder mit Behinderung im Bildungssystem nach wie vor von Kindern ohne Behinderung getrennt. Obwohl alle über Inklusion reden, passiert viel zu wenig. Die Chancen auf einen qualifizierten Schulabschluss sind schlecht, fast Dreiviertel der Abgänger von Sonderschulen verlassen sie ohne Hauptschulabschluss. Alle Bundesländer müssen sich endlich ihren Verpflichtungen aus der UN-Behindertenrechtskonvention stellen“, erklärte der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen.

Inklusion sei derzeit vielerorts nur ein Lippenbekenntnis oder die Aussonderung von Kindern mit Behinderung nehme sogar zu, so Hubert Hüppe. So stieg etwa in Nordrhein-Westfalen zwischen 2008/09 und 2011/12 die „Exklusionsquote“ von bereits überdurchschnittlich hohen 5,2 % auf 5,3 % . Gleichzeitig stieg zwischen dem Schuljahr 2008/09 und 2011/12 der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Behinderung, die an Regelschulen unterrichtet wurden, von 18,4 % auf 25 %.

Dieser scheinbare Widerspruch zum konstanten Anteil der an Sonderschulen unterrichteten Kinder erklärt sich mit einem gleichzeitig höheren Anteil an Kindern, bei denen sogenannter „sonderpädagogischer Förderbedarf“ festgestellt wurde.

„Hier wird ein erfolgloses und aussonderndes System aufrechterhalten, indem immer mehr Kinder mit dem Etikett ‚sonderpädagogischer Förderbedarf‘ versehen werden“, mahnt Hüppe. „Die Ressourcen für den Ausbau der inklusiven Bildung werden weiterhin an Sonderschulen gebunden. Es muss endlich ein echtes Umsteuern stattfinden, das Kindern mit Behinderung mehr Bildungs- und Teilhabechancen gibt.“

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0 Kommentare

  • Abgesehen davon, dass die Exklusionsquote bzw. der Segregationsquotient in Österreich niedriger ist, weil hier hier insgesamt deutlich mehr behinderte Kinder integriert sind,zeichnet sich exakt dieselbe Entwicklung in Österreich ab: Die Anzahl der SchülerInnen in Sonderschulen steigt österreichweit seit dem Schuljahr 2000/01 wieder an, und es werden immer mehr Kinder mit SPF (=sonderpäd. Förderbedarf) etikettiert.
    Ein Phänomen, das sich in Österreich auch gut beobachten lässt, ist die Tatsache, dass die Anzahl der SonderschülerInnen mit fortschreitender Schulstufe deutlich steigt: Das Schulsystem produziert ausdauernd SchülerInnen für die Sonderschulen. Das Wahlrecht der Eltern, das in Deutschland nun in einigen Regionen möglicherweise eingeführt werden soll, ist in Österreich kläglich gescheitert.