Screenability Film Strand. Ein Festival-Bericht

Ein Festival-Bericht über den „Screenability Film Strand“ im Juni 2018 in Sydney.

Treffen der FilmemacherInnen beim Sydney Film Festival
Sydney Film Festival

Das „Sydney Film Festival“ hat dieses Jahr  zum zweiten Mal die Programmschiene „Screenability Film Strand“ angeboten. Hier wurden mehrere Kurzfilme, sowie zwei Dokumentarfilme gezeigt, in denen „Disability“ sowohl auf der Leinwand, als auch hinter der Kamera selbstverständlich Thema ist.

Viele barrierefreie Angebote

Die Selbstverständlichkeit, mit der hier Barrierefreiheit möglich wurde, war ein Traum. Wunderbar und für mehrere Tage: Ein barrierefreies Kino mit deutlich mehr als einem Rollstuhlplatz, selbstverständlicher Zugang für Assistenzhunde, eine funktionsfähige Induktionsschleife, Audio Deskription (allerdings in Computergeneriertem Tonfall), und konsequente Untertitelung aller Filme.

Und, dass sämtliche Publikumsgespräche und Podiumsdiskussionen hier auch in Gebärdensprache geführt wurden, war eine Selbstverständlichkeit – zuweilen in drei verschieden zugleich!

Die gezeigten Dokumentarfilme

Dass unser Kinodokumentarfilm „Mein Stottern“ unter solchen Bedingungen gezeigt wurde, empfanden wir daher als höchst erfreulich. Andererseits machte sich ein gewisses Unbehagen breit, weil er nicht nur, aber doch auch aufgrund unserer persönlichen Identifikation mit dem Stottern ausgewählt worden war.

Sicher, wir hatten den Film ganz bewusst aus der Innenperspektive heraus entwickelt. Aber war es wirklich nötig, unsere Arbeit in einer Art geschützten Werkstätte zu präsentieren?

Meine gemischten Gefühle aufgrund dieser Sonderbehandlung verstärkten sich, nachdem ich auch den zweiten abendfüllenden Dokumentarfilm des „ScreenabilityFilm Strands“ gesehen hatte.

In „The Sign For Love“, einer israelischen Produktion über den persönlichen Weg eines homosexuellen Mannes zum eigenen Kind, spielt der gesellschaftliche und familiäre Umgang mit Gehörlosigkeit zwar eine zentrale Rolle, das Universelle an dieser sehr persönlichen Geschichte erzeugt jedoch eine emotionale Dichte, die in jeder Programmierung ihren Platz finden könnte und sollte!

Weshalb es das Festival noch länger geben sollte

Erst am Ende der ereignisreichen Tage wurde ich noch einmal deutlich daran erinnert, weshalb es Sonderschienen wie den Screenability Film Strand wohl doch noch eine Weile brauchen wird: Zwar gab es auch bei der offiziellen Abschlussveranstaltung des gesamten Festivals genügend Platz für Rollstühle und die Preisverkündigungen wurden durchgehend in Gebärdensprache übertragen –

Doch bei der Vorführung des Abschlussfilms gab es weder Untertitel noch eine Übersetzung in Gebärdensprache. Daran hatte offensichtlich einfach niemand gedacht …

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