Selbstbestimmt Leben Bremen

Im September vergangenen Jahres war ich mit einer meiner persönlichen Assistentinnen 14 Tage in Bremen, um dort im Zentrum für Selbstbestimmtes Leben zu praktizieren.

Selbstbestimmt Leben mit Persönlicher Assistenz
Scharl, Magdalena

Kurz zu der Entstehungsgeschichte:

Bereits 1978 fand sich eine Gruppe zusammen (nur Behinderte), die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Lebenssituation behinderter Menschen in dieser Gesellschaft zu verbessern und die Behindertenpolitik nicht mehr länger den nichtbehinderten StellvertreterInnen zu überlassen.

Im Jahr 1986 begann schließlich das Zentrum mit seiner Tätigkeit. In erster Linie wird Beratung angeboten mit dem Ziel, behinderte Menschen bei der Realisierung eines selbstbestimmten Lebens zu unterstützen.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich den LeserInnen dieses Berichtes wieder einmal die zentralen Thesen näher bringen.

8 Thesen zum Selbstbestimmten Leben

Selbstbestimmt leben heißt,

  1. These … seine Grundbedürfnisse befriedigen zu können.
  2. These … im Fühlen und Denken frei zu sein.
  3. These … sich selbst zu akzeptieren und zu vertreten.
  4. These … sich in der Begegnung mit anderen Menschen gleichwertig zu fühlen.
  5. These … seine eigenen Ziele verwirklichen zu können.
  6. These … ein Leben zu führen, in dem man frei ist, eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen, und in dem man sich für die daraus folgenden Konsequenzen entscheiden kann.
  7. These … in und mit der Gemeinschaft zu leben.
  8. These … ein politisches Wesen zu sein.

In Deutschland gibt es fünf Beratungsstellen, die nach einem „Selbstbestimmt Leben“-Konzept arbeiten.

Sie befinden sich in den Städten: Hamburg, Bremen, Köln, Erlangen, Kassel.

Ihre Tätigkeit muß finanziell abgesichert werden, da sie die einzigen Organisationen sind, die Selbstbestimmung und -vertretung von Menschen mit Behinderung aktiv einfordern und eine „trägerinteressenunabhängige Beratung“ im Sinne der Betroffenen anbieten.

Die Zentren fordern:

  1. … das Aufbrechen der verkrusteten Fürsorgesysteme und die Infragestellung von stationären Versorgungseinrichtungen.
  2. … PolitikerInnen und EntscheidungsträgerInnen in den Verbänden auf, zu akzeptieren, daß die Interessen behinderter Menschen am besten und glaubwürdigsten durch sie selbst vertreten werden können.
  3. … als „ExpertInnen in eigener Sache“ Mitgestaltungs- und Mitbestimmungsrecht bei all unseren Angelegenheiten.
  4. … ein flächendeckendes und umfassendes Serviceangebot von Beratungsstellen, ambulanten Diensten und Mobilitätsdiensten.
  5. … ein Gesetz, welches das Recht auf persönliche Assistenz festhält und eine entsprechende Finanzierung regelt.

Kurz möchte ich noch auf die österreichische Situation eingehen.

Ich glaube, daß mit dem Inkrafttreten des Bundespflegegeldgesetzes ein erster Schritt in Richtung Selbstbestimmung getan worden ist und daß es letztlich an uns Betroffenen liegt, einige dieser Forderungen umzusetzen und auch bald ein „Selbstbestimmt Leben“-Zentrum zu gründen.

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