Wir haben 13 Jahre lang für ein Selbstvertretungs-Zentrum kämpfen müssen

Am 27. April 2016 wurden die neuen Räumlichkeiten des Selbstvertretung-Zentrums Wien feierlich eröffnet. BIZEPS führte mit Maria Schwarr, Günther Leitner und Oswald Föllerer vom Leitungs-Team des Selbstvertretungs-Zentrums ein Interview.

Gruppenfoto des Selbstvertretungs-Zentrum
Selbstvertretungs-Zentrum

Obwohl die Stadt Wien bei der Eröffnung des Selbstvertretungs-Zentrums eine Presseaussendung veröffentlichte und darin sogar das Motto der Selbstbestimmt-Leben Bewegung „Nichts über uns, ohne uns!“ zitierte, waren der Stadt Wien in ihrer Aussendung die Gedanken der Selbstvertreterinnen und Selbstvertreter keine Silbe wert. Eindrucksvoller hätte man nicht beweisen können, wie dringend notwendig ein Selbstvertretungs-Zentrum in Wien ist.

Was haben die Selbstvertreterinnen und Selbstvertreter für die Zukunft vor und wie kam es zum Selbstvertretungs-Zentrum in Wien? BIZEPS wollte es genau wissen und führte daher mit Maria Schwarr, Günther Leitner und Oswald Föllerer vom Leitungs-Team des Selbstvertretungs-Zentrum folgendes Interview. 

Iris Kopera – die vierte Selbstvertreterin im Leitungs-Team – war gerade im Urlaub. Sie wird im Zentrum Peer-Beratung und Persönliche Zukunfts-Planung machen. 

 

 

Selbstvertretungs-Zentrum
Selbstvertretungs-Zentrum

Interview mit dem Leitungs-Team vom Selbstvertretungs-Zentrum Wien

BIZEPS: Wie lange habt ihr für ein Selbstvertretungs-Zentrum in Wien kämpfen müssen?

Oswald Föllerer: 13 Jahre lang haben wir kämpfen müssen. Früher waren wir eine große Gruppe von Menschen mit Lern-Schwierigkeiten. Einmal hatten wir schon fast ein Büro in der Breite Gasse. Das war 2010. Aber das ist dann auch nichts geworden. 

 

BIZEPS: Warum hat es so lange gedauert?

Oswald Föllerer: Es war schwierig, eine fixe Förderung zu bekommen. Es gab immer Versprechungen. Und dann mussten wir wieder lange auf Sitzungen warten. Es wurde trotzdem immer wieder über das Projekt Selbstvertretungs-Zentrum Wien gesprochen, zum Beispiel in der IV-MB (Interessens-Vertretung Menschen mit Behinderung). Wir haben nicht locker gelassen, aber mit der Zeit ist es eine kleinere Gruppe geworden. Weil vielen war das zu lange und zu kompliziert.

Günther Leitner: Dann hatten wir 2013 endlich eine Förderung von der WiG (Wiener Gesundheitsförderung) und einen Trägerverein – wir sind ins WUK Werkstätten- und Kulturhaus gezogen. Dort haben wir vorübergehend unser kleines Büro gehabt. Und wir haben dort mit der Arbeit begonnen. Seit Beginn 2016 haben wir ein großes, schönes Büro in Simmering. Das freut uns sehr!

Es ist noch wichtig zu sagen, dass „Mensch Zuerst Vorarlberg“ und „WIBS Tirol“ die Vorreiter in Österreich waren. Die machen seit 10 Jahren (und mehr) unabhängige Selbstvertretungsarbeit. Für uns war das hilfreich. Wir haben nachgeschaut, wie es bei ihnen so abläuft und können immer Fragen stellen.

 

BIZEPS: Was habt ihr vor? Welche Ziele wollt ihr erreichen?

Maria Schwarr: Wir wollen, dass unser Zentrum wächst. Vielleicht können mehr Selbstvertreterinnen und Selbstvertreter hier arbeiten. Wir wollen auch mehr Veranstaltungen machen. Es soll neue Angebote geben: Peer-Beratung und Zukunfts-Planung, eine Stärkungs-Gruppe, Frauen- und Männerangebote, regelmäßige Veranstaltungen zu Gewalt, und so weiter. Es gibt viele Ideen und Anregungen von unseren Besucherinnen und Besucher. Es gibt auch sehr gute Rückmeldungen.

Oswald Föllerer: Wir möchten uns auch mit anderen Selbstvertreterinnen und Selbstvertretern vernetzen und zusammen arbeiten, in Österreich und im Ausland. Wir wollen anderen Selbstvertreterinnen und Selbstvertretern helfen, unabhängig  zu arbeiten.

 

BIZEPS: Wie viele Menschen sind in eurem Team?

Günther Leitner: Wir sind vier Selbstvertreterinnen bzw. Selbstvertreter – Maria Schwarr, Iris Kopera, Günther Leitner und Oswald Föllerer. Das Zentrum leiten wir gemeinsam, das heißt: Wir sind ein Leitungs-Team mit vier Leitungs-Bereichen.

Wir haben auch zwei Unterstützerinnen –  Susi Bali und Anna Voggeneder, eine Koordinatorin – Lisi Buxhofer – und eine Administratorin – Anna Buxhofer. Die beiden letzten sind zuständig für die Abrechnung und reden mit dem Fördergeber. Wir haben auch schon zwei Praktikanten als Unterstützung gehabt: Kim Walser und Clemens van Saanen. Dafür sagen wir: Danke!

 

BIZEPS: Warum habt ihr ein neues Zentrum? Was ist für euch dadurch besser geworden?

Maria Schwarr: Vorher war es mühsam, dass wir so eng zusammen gearbeitet haben. Wir haben ein neues Zentrum, weil wir hier größeren Büroraum haben. Es sind auch barrierefreie Räume. Wir können hier mehr Veranstaltungen und später auch Beratungen machen. Es sind schöne und helle Räume. Jetzt haben Menschen mit Lern-Schwierigkeiten aus Institutionen einen besseren Zugang zum unabhängigen Selbstvertretungs-Zentrum.

 

BIZEPS: Wenn ihr an die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen denkt – welche drei Punkte sind euch besonders wichtig?

Oswald Föllerer:

  • Wir wollen Assistenz auch für Menschen mit Lern-Schwierigkeiten.
  • Das Sachwalterrecht soll verbessert werden, was schon im Gange ist.
  • Wir wollen mehr Mitsprache in der Politik und Öffentlichkeit.

Maria Schwarr:

  • Wir wollen Lohn statt Taschengeld.
  • Wir wollen selber über Partnerschaft und Sexualität entscheiden.
  • Wir wollen Teilhabe in der Gesellschaft haben – in Freizeit und Mobilität zum Beispiel.

 

BIZEPS: Wir danken euch für das Interview und wünschen euch weiterhin viel Erfolg!

 

So erreicht man das Selbstvertretungs-Zentrum Wien

Selbstvertretungs-Zentrum
für Menschen mit Lern-Schwierigkeiten
Simmeringer Hauptstraße 30-32 / 3 / R1
1110 Wien

E-Mail: selbstvertretungszentrum@wuk.at

Festnetz-Nummer01 40121 – 2800 

http://www.svz.wien

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