Selbstvertretungsanspruch mancher Bevölkerungsgruppen

Unter diesem Titel erschien in den Salzburger Nachrichten am 29. Oktober 2008 ein Kommentar von Inge Baldinger, für den wir eine Abdruckerlaubnis erhielten.

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Baldinger nahm auf die neue Zusammensetzung des Parlaments Bezug. Hier der gesamte Text des Kommentars:

Spiegel der Gesellschaft

Martin Graf ist also III. Nationalratspräsident. Großer Wirbel.

Der Frauenanteil im österreichischen Nationalrats des Jahres 2008 ist ein bisserl mehr als halb so groß wie jener in Ruanda. Kleine Seufzer da und dort.

Dem neuen Nationalrat gehört – sieht man von Norbert Hofer, FPÖ-Mandatar mit leichter Gehbehinderung, ab – kein einziger behinderter Abgeordneter mehr an. Tosendes Schweigen. Der Nationalrat, viel zitierter Spiegel der Gesellschaft, zeigt, wie es tatsächlich um den ebenfalls viel zitierten Selbstvertretungsanspruch mancher Bevölkerungsgruppen steht. Gibt es etwas zu verteilen, dürfen auch Frauen und behinderte Menschen mitmachen. Gibt es nichts zu verteilen, ist sehr schnell kein Platz mehr für sie da.

Keine Rede mehr davon, dass es womöglich klüger ist, Menschen für Menschen Politik machen zu lassen, die aus eigener Erfahrung wissen: Das sind die Probleme – und so könnten wir sie lösen. Stattdessen: Seufzen, Schweigen, Schulterklopfen.

Wäre der Nationalrat tatsächlich ein Spiegel der Gesellschaft, hätten gestern 18 behinderte Abgeordnete, Frauen und Männer, angelobt werden müssen. Dass es gerade einmal einer war, ist eine Schande.

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