Sexuelle Übergriffe in Behinderteneinrichtungen finden noch heute statt

Situation in Tirol hat sich nicht verbessert, meinen Expertinnen und Experten auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung.

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Früher war die Welt in Heimen, Schulen und Internaten oft eine schlechte, wie die ständig steigende Zahl der Missbrauchsfälle zeigt. Doch heute ist alles anders, wie wir zu wissen glauben.“, leitet die Tiroler Tageszeitung am 2. April 2010 einen Artikel ein.

„Das ist einfach nicht wahr. Sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt kommen in Einrichtungen, wo Menschen mit geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen leben, immer noch vor„, wissen Marlies Pötzl und Miriam Plaickner vom Tiroler Verein „Zeit zu zweit. Der Verein wurde im November 2007 gegründet und betreibt eine Anlaufstelle in Tirol.

Tirol: Situation hat sich in den letzten Jahren nicht verbessert

Ihr Befund ist deutlich: „Die Situation hat sich in den letzten Jahren nicht verbessert, sondern verschlechtert“, meint Pötzl im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Das Problem liegt u.a. an den Strukturen, wie auch Freak-Radio kürzlich aufzeigte.

„Es ist dringend an der Zeit, dass auch in Österreich über Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch in Einrichtungen der Behindertenhilfe gesprochen wird“, forderte Prof. Volker Schönwiese von Selbstbestimmt Leben Tirol im BIZEPS-INFO Gespräch kürzlich auf.

Maßnahmen gefordert

Im Online-Standard fordert Schönwiese daher: „Alle Betreuungseinrichtungen, die über eine Wohngemeinschaft von vier oder fünf Personen hinaus gehen sind zu groß und müssen umstrukturiert werden“. Dies sei angesichts der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen dringend notwendig.

Dass der Missbrauch nicht ans Tageslicht kommt, hat laut Pötzl vom Verein „Zeit zu zweit“ mehrere Gründe: Die Opfer können sich oft nur schwer artikulieren und „sie haben ja nicht die Chance, irgendwann aus der Einrichtung herauszukommen und daher Angst, lebenslang als Nestbeschmutzer dazustehen.“

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0 Kommentare

  • Der Forderung von Volker Schönwiese schliessen wir uns natürlich an! Wichtig bleibt aber zu betonen, dass sexuelle Übergriffe nicht nur in großen Einrichtungen stattfinden. Auch kleinere Wohngemeinschaften oder Arbeitsstätten sind davon betroffen.

  • Im Online-Standard fordert Schönwiese daher: „Alle Betreuungseinrichtungen, die über eine Wohngemeinschaft von vier oder fünf Personen hinaus gehen sind zu groß und müssen umstrukturiert werden“. Dies sei angesichts der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen dringend notwendig.
    Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen.
    Daher: Weg mit allen Massenaufbewahrungsstätten, denn sie bergen zu viel Gefahrenpotential in sich und öffnen mit ihren Machtkonstrukturen den abscheulichsten menschlichen Abgründen ungehindert Tür und Tor.

  • Wie dieser Artikel sowie auch ein weiterer, der vor kurzem auf „bizeps“ erschienen ist, darstellen, ist das Problem der sexualisierten Gewalt gegen Menschen, die in Betreuungsabhängigkeit leben, hochaktuell.
    Ich möchte in diesem Zusammenhang auf das Angebot des Verein NINLIL hinweisen – wir arbeiten (in Wien – teilweise auch Umgebung) institutionsunabhängig gegen sexualisierte Gewalt an Frauen mit Lernschwierigkeiten oder Mehrfachbehinderungen. Nähere Informationen über unsere Angebote (Beratung, Information, Empowerment) finden Sie unter http://www.ninlil.at